Mobile elektronische Medizingeräte, die per Visitewagen direkt am Patienten genutzt werden, brauchen jede Menge Energie. Kaum zu glauben: Aber der Strom für PC, Tablet, EKG und Co. kommt allzu oft noch aus im Rollfuss verbauten Autobatterien. Wie gelingt der Umstieg auf leichte Alternativen?
Die gute Nachricht ist, dass es zuverlässige, sichere und auch leistungsfähigere Alternativen gibt, die zudem feuerpolizeilich keine Probleme aufwerfen. Mike Finckh, Geschäftsführer des Value Added Distributors Concept International, erklärt, wie der Wechsel auf leichte Hochleistungs-Akkus gemeistern werden kann.
Herr Finckh, wie steht es um die mobile Stromversorgung im Krankenhaus?
Zunächst einmal ist das medizinische Personal auf den mobilen Zugang zu Daten und Netzwerken dringend angewiesen. Digitale Krankenakte, Aufnahme der Vitalwerte, kontrollierte Ausgabe von Medikamenten, Tracken von Anwendungen, Präsentation von Röntgen-, MRT- oder CRT-Aufnahmen für Erklärungen – für all diese Aufgaben brauchen medizinische Tablets, All-In-One-PCs oder Vitalmonitor- und EKG-Geräte Strom.
Die Visitenwägen mit den entsprechenden Geräten und Monitoren werden jedoch fast ständig bewegt - es braucht also Akkus. Die befinden sich entweder in den Geräten selbst oder fungieren als eigenständiges Kraftwerk, in das die Mitarbeiter Geräte wie Scanner und Sensoren einstöpseln. Gängige Praxis war und ist hier die Autobatterie, montiert im rollenden Fuß des Visitenwagen. Allerdings hat die Lösung viele Nachteile und ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.
Das medizinische Personal hantiert heute noch mit Autobatterien?
Viel zu oft noch, ja. Zunächst sind Autobatterien ganz schön schwer, eine allein kann bis zu 30 Kilo wiegen. Krankenschwestern und Pfleger wuchten also mit Wagen und Gerätschaften gerne über vierzig Kilo über die Flure. Stellen Sie sich einfach einen übervollen, riesigen Einkaufswagen vor. Dazu kommt, dass es immer zwei Wägen braucht, da einer zum Laden ständig ausfällt.
Nicht zuletzt sind Autobatterien gefährlich. Elektrische Brände lassen sich nur sehr schwer löschen. Feuerpolizeilich müsste in jedem Bereich, in dem Starterbatterien eingesetzt werden, eigentlich eine große Kiste Löschsand bereitstehen. Eine sehr große Kiste.
Mobile Stromversorgungen und Akkus sind seit vielen Jahren verfügbar, welche Alternativen kommen für Kliniken in Frage?
Es gibt zwei alternative Lösungsansätze. Da wären handliche Akku-Packs, die mit mehreren Hochleistungs-Wechselakkus bestückt sauber und sicher am Visitenwagen angebracht werden. Eine Ladestation sorgt immer für frischen Nachschub, der während des Betriebes gewechselt werden kann. Das ist dasselbe Prinzip wie die fragwürdige Autobatterielösung – nur ohne die Nachteile. Die komplett mobilen Strommanagementsysteme machen das Leben für das Krankenhauspersonal buchstäblich leichter: es gibt Systeme, die sind nicht größer als vier dicke Taschenbüchern und inklusive Gehäuse und Halterung knapp über zwei Kilo wiegen.
Der zweite Ansatz sind »Hot-Swap«-fähige Geräte wie All-In-One-PCs, Tablets oder auch einfache Bildschirme, bei denen man ohne Arbeitsunterbrechung die Stromquellen tauschen kann. Geht die Energie zur Neige, greift sich das Personal neue Wechselakkus, packt die verbrauchten in die Ladestation und weiter geht’s. Diese All-in-One PCs und Monitore gibt es auch mit weiterführenden Stromanschlüssen. Sie versorgen, vergleichbar einer integrierten Powerbank, Scanner, Vitalmonitor, Drucker und dergleichen ebenfalls mit Strom. Voraussetzung ist, dass sie über eigene, dedizierte Stromanschlüsse in 12 V, 15 V und 19 V verfügen – das sind die Stromstärken, die medizinische Geräte für den Patienteneinsatz verwenden.
Müssen sich die Krankenhäuser damit auf zwei Systeme einstellen?
Es bietet sich an, ein und denselben Formfaktor zu verwenden. Dann gibt es nur ein System in verschiedenen Ausprägungen und keine unnötigen Redundanzen und keine Verwirrung. Weder auf der Nutzer- noch auf der Zuliefererseite. Es kommt nicht darauf an, ob die Akkus in Akku-Packs oder in Endgeräten stecken, die weitere Stromverbraucher mitbetreiben. Wichtig ist nur, dass der Betrieb bei einem Wechsel unterbrechungsfrei weitergeht. Am besten eben mit identischen Akkus für beide Systeme.
Bei den vielen unterschiedlichen Medizingeräten und Systemen wohl dennoch eine Mammutaufgabe ...
Leider ja, genau deswegen haben sich die Autobatterien in der Vergangenheit als funktionsfähige Lösung etabliert - obwohl sie unhandlich, auf lange Sicht zu teuer und aus feuerpolizeilichen Gründen völlig indiskutabel sind.
Rotstiftgeplagt wie Krankenhäuser sind, werden bestehende, laufende Systeme selten verändert. Außerdem fehlen dazu enorm viele IT-Fachkräfte. Da gibt es viele »Brände« zu löschen, der elektrische Notstand fällt da oft unter den Tisch.
Es braucht jemanden, der das in die Hand nimmt, sich informiert, vergleicht und die Genehmigungsprozesse antreibt. Im Idealfall entlastet die Krankenhäuser bei Evaluation und Beschaffung ein externer Experte, der nicht nur schnell und günstig liefern kann, sondern auch gute Beratung und guten Service bietet und sich in Krankenhäusern auskennt. Dann ist das kein Hexenwerk, das Leben bei der Visite leichter und sicherer zu machen. (uh)