Medizinelektronik auf der Embedded World

Teil 2 | Advantech - Kompakte Medical-KI und ein Kabel für alles

10. April 2026, 10:02 Uhr | Ute Häußler
Advantech mit dem AIMB-234 u.a. , Intels Core Ultra Series 3 mit integrierter NPU und bis zu 180 Platform-TOPS Edge-KI in kompakte bildgebende Medizingeräte bringt – und wie ein einziges USB-C-Kabel klinische Displays mit Bild, Touch, Audio und Strom
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In Nürnberg demonstrierte Advantech mit dem AIMB-234 u.a. , wie Intels Core Ultra Series 3 mit integrierter NPU und bis zu 180 Platform-TOPS Edge-KI in kompakte bildgebende Medizingeräte bringt – und wie ein einziges USB-C-Kabel klinische Displays mit Bild, Touch, Audio und Strom versorgt.

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Auf der Embedded World 2026 zeigte Advantech, wie sich leistungsfähige Embedded-Systeme in der medizinischen Bildgebung und Robotik noch eleganter integrieren lassen. Im Gespräch mit Christoph Kühn, Medical-Experte bei Advantech Europe, standen zwei Plattformen im Vordergrund: das Intel AIMB-234 und die AMD Ryzen AI P100 Series – beide mit dem gemeinsamen Ziel, Medizingeräteentwicklern Bauraum, Kabel und Zertifizierungsaufwand zu sparen.

AIMB-234: KI-Inferenz und ein Kabel für alles

Für Medizintechniker war das Kernstück des Messeauftritts das AIMB-234 im Mini-ITX-Formfaktor (170×170 mm), das auf Intels Core Ultra Series 3 (Codename: Panther Lake) basiert und speziell für mobile medizinische Geräte ausgelegt ist. Der Prozessor integriert CPU, eine Xe3-basierte Intel Arc GPU und eine dedizierte NPU auf einem einzigen Chip und ermöglicht damit bis zu 180 Platform-TOPS für Edge-AI-Workloads. Live am Stand demonstrierte eine Echtzeit-Inferenz auf endoskopischen Videostreams die praktische Leistungsfähigkeit – inklusive einer KI-Objekterkennungs-Demo.

Das auffälligste Systemmerkmal war die USB-C-Integration: Das AIMB-234 versorgt den zugehörigen USB-C-Touch-Monitor von Advantech über ein einziges Kabel, das gleichzeitig Videosignal, Touch-Eingabe, Audio und Stromversorgung überträgt. Ein separates Netzteil am Display entfällt damit vollständig. Für Medizingeräteentwickler bedeutet das weniger Kabelstränge, weniger EMV-Risiko, einfachere Reinigung – und in zugelassenen Produkten einen reduzierten Prüfaufwand für Peripherie.

Das AIMB-234 versorgt den zugehörigen USB-C-Touch-Monitor von Advantech über ein einziges Kabel – das gleichzeitig Videosignal, Touch-Eingabe, Audio und Stromversorgung überträgt. Ein separates Netzteil am Display entfällt vollständig.
Das AIMB-234 versorgt den zugehörigen USB-C-Touch-Monitor von Advantech über ein einziges Kabel – das gleichzeitig Videosignal, Touch-Eingabe, Audio und Stromversorgung überträgt. Ein separates Netzteil am Display entfällt vollständig.
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Board-Architektur für die Entwickler

Neben der CPU-Plattform bietet das AIMB-234 eine vollständige Entwicklungsbasis: Über zwei M.2-Steckplätze lassen sich direkt auf der Platine eine NVMe-SSD sowie ein WLAN/Bluetooth-Modul bestücken; auf konventionelle Festplatten kann verzichtet werden. Die I/O-Seite umfasst USB, USB-C, DisplayPort, Gigabit-Ethernet und Audio. Die hohe Rechenleistung erfordert aktive Kühlung, was beim späteren Gehäusedesign zu berücksichtigen ist: Advantech übernimmt auf Kundenwunsch den Aufbau eines passgenauen Gehäuses inklusive Netzteil – angepasst an Luftstrom, Lüfterausrichtung und Bauraum des jeweiligen Medizinprodukts.

Ergänzend zeigte Advantech das ARK-2252, einen fanless Edge-Box-PC auf gleicher Panther-Lake-Basis: mit vier GbE-Ports, sechs seriellen Schnittstellen, CAN-Bus und dreifachem 4K-Display-Ausgang – für Anwendungen, die mehr Konnektivität und einen geschlossenen Formfaktor erfordern.

Neben dem Intel AIMB-234 zeigte Advantech am Stand die AMD Ryzen AI Embedded P100 Series als Plattform für anspruchsvolle Edge-AI-Anwendungen.
Neben dem Intel AIMB-234 zeigte Advantech am Stand die AMD Ryzen AI Embedded P100 Series als Plattform für anspruchsvolle Edge-AI-Anwendungen. Mit Fokus auf Energieeffizienz, integrierter KI-Beschleunigung und Built-in-Security adressiert sie konkrete Medtech-Use-Cases wie Ultraschall, Endoskopie, chirurgische Robotik, AOI, AMR und Robotic Arms.
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Rechenpower für die Chirurgische Robotik

Neben dem Intel AIMB-234 zeigte Advantech am Stand die AMD Ryzen AI Embedded P100 Series als Plattform für anspruchsvolle Edge-AI-Anwendungen – eingebaut in das eigene COM-Express-Compact-Type-6-Modul SOM-6874. Die Prozessoren ermöglichen 3D-Bildgebung für Ultraschall und Endoskopie sowie KI-gestützte Gewebeklassifizierung und Tumordetektion am Edge – auf Basis etablierter Modelle wie U-Net, nnU-Net und MONAI. Darüber hinaus beschleunigt die Plattform Bild-zu-Befund-Workflows mit MedSigLIP und unterstützt klinische Entscheidungsassistenz mit Med-PaLM 2. Healthcare-OEMs können so Bildgebung, KI-Analyse und Befunderstellung auf einer einzigen, langzeitstabilen x86-Embedded-Plattform konsolidieren. Weitere adressierte Anwendungsfelder am Stand umfassten chirurgische Robotik, AOI (Automated Optical Inspection), autonome Roboter für die Kliniklogistik sowie medizinische Roboterarme.

Zertifiziertes Chirurgie-Display direkt dazu

Für den Einsatz in zugelassenen Medizinprodukten bietet Advantech mit der PAX-3-Serie normkonforme chirurgische Monitore in Größen von 24 bis 55 Zoll, die DICOM-Part-14-konform, IPX-geschützt und mit glatten, nahtlosen Oberflächen zur gründlichen Desinfektion ausgestattet sind. Das gehärtete, spiegelungsfreie Glas widersteht Kratzern, Stößen und häufigen Reinigungsmitteln; die geschützten Anschlüsse minimieren das Kontaminationsrisiko im OP. Die Monitore unterstützen bis zu vier simultane Videostreams (Multi-View, PiP, PbP), SDI-Konnektivität für latenzarme Übertragung und sind für endoskopische, CT-gestützte und roboterassistierte Eingriffe ausgelegt. Die neueste Erweiterung der Serie, der PAX-3D, bringt echte stereoskopische 3D-Bildgebung via 3D-Brille in den OP und soll Tiefenwahrnehmung, Hand-Auge-Koordination und räumliche Präzision bei komplexen Eingriffen verbessern.

In Kombination mit dem AIMB-234 oder der AMD P100-Plattform kann so ein vollständig aufeinander abgestimmter Medical-Stack entstehen: Der Medizingerätehersteller verbindet einen bereits zertifizierten Monitor mit seiner Software und seinem Gesamtgehäuse – und reduziert damit den eigenen Zulassungsaufwand messbar. Aktives Product Change Notification (PCN)-Management stellt dabei sicher, dass Bauteilabkündigungen weder Zulassung noch Betrieb gefährden – für Medizintechnikhersteller ein oft unterschätzter, aber kritischer Aspekt der Investitionssicherheit. (uh)

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