Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – auch für Ingenieure und Informatiker. Wie kann man sich darauf vorbereiten? KI-Experte Prof. Patrick Glauner sieht KI-Kompetenz und Praxisbezug als wichtige Bausteine für den Berufseinstieg.
Nach Einschätzung von Prof. Dr. Patrick Glauner, Professor für Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Deggendorf, verändern sich Berufsbilder und Arbeitsweisen deutlich. Im Podcast von elektroniknet.de erläutert er, warum Hochschulen ihre Studiengänge weiterentwickeln sollten, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und welche Rolle praktische Erfahrungen dabei spielen.
Die Sorge, Künstliche Intelligenz könne Ingenieure oder Softwareentwickler vollständig ersetzen, teilt Glauner nicht. Stattdessen verschieben sich Aufgaben und Arbeitsabläufe. Generative KI könne bereits heute Quellcode sowie Bilder und Videos erzeugen. Künftig hält er es zudem für denkbar, dass KI auch Schaltpläne generiert.
„Die Berufe verändern sich dramatisch durch KI. Eigentlich jede Branche wird verändert“, sagt Glauner. Entscheidend sei jedoch: „Es ist gar nicht so sehr, dass die KI jetzt alle Menschen arbeitslos macht. Aber diejenigen, die KI einsetzen, ersetzen all diejenigen, die KI nicht nutzen.“
Nach seiner Einschätzung werden Softwareentwickler künftig verstärkt Anforderungen formulieren, Ergebnisse überprüfen und Tests entwickeln. Programmierkenntnisse blieben dennoch unverzichtbar.
Größeren Handlungsbedarf sieht Glauner im Hochschulsystem. Einige Studiengänge bildeten die technologische Entwicklung noch nicht ausreichend ab. Auf einer Konferenz des Stifterverbands zur Zukunft der MINT-Studiengänge habe sich gezeigt, dass vielen Hochschulen der Veränderungsbedarf bewusst sei, die Einrichtungen jedoch unterschiedlich weit seien.
Aus seiner Sicht bleiben klassische Grundlagen wie Mathematik, Physik und Elektrotechnik unverzichtbar. Gleichzeitig sollten Digitalisierung, Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz im Studium eine Rolle spielen.
Studierenden empfiehlt Glauner, bereits während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln – etwa durch Praxissemester, Projekte oder Abschlussarbeiten mit Unternehmen. Ebenso rät er dazu, Professoren gezielt nach Möglichkeiten zu fragen, an realen Problemstellungen mitzuarbeiten.
Für den Studienaufbau empfiehlt er, zunächst im Bachelor ein solides Fundament zu legen und sich erst im Master stärker zu spezialisieren. Als Beispiel nennt er Masterstudiengänge, die Künstliche Intelligenz mit Mechatronik verbinden.
Auch ein Wechsel der Hochschule zwischen Bachelor und Master könne neue Perspektiven eröffnen.
Neben der KI sieht Glauner die Globalisierung als wichtigen Einflussfaktor auf den Arbeitsmarkt. Unternehmen stünden im internationalen Wettbewerb, weshalb die Produktivität an Bedeutung gewinne. Gleichzeitig betont er, dass nicht jeder Absolvent automatisch einen Arbeitsplatz finden werde. Gefragt seien gut ausgebildete Fachkräfte, die reale Probleme lösen können und bereit seien, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Neben fachlichen Kompetenzen nennt Glauner auch Werte wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Kommunikationsfähigkeit als wichtige Eigenschaften.
Glauner selbst setzt generative KI unter anderem für Softwareentwicklung, Recherche sowie die Erstellung von Lehrmaterialien ein. Auch in studentischen Projekten befürwortet er den Einsatz entsprechender Werkzeuge – innerhalb klarer Regeln. Die Verantwortung für die Ergebnisse bleibe dabei stets beim Menschen.
Zum Abschluss rät Glauner Studieninteressierten, ein Fach zu wählen, das den eigenen Interessen entspricht. Vor der Entscheidung sollten sie Hochschulen kennenlernen und darauf achten, dass das Studium neben den Grundlagen auch aktuelle technologische Entwicklungen berücksichtigt.