Elektroindustrie weniger von der Krise betroffen als andere Branchen

23. April 2009, 13:37 Uhr | Ursula Zinsser, elektroniknet.de

Die Elektro- und Informationstechnik ist weniger von der Wirtschaftskrise betroffen als andere Branchen. Dies ist eines der Ergebnisse des VDE-Trendreports 2009, einer im März durchgeführten Umfrage unter den rund 1.300 Mitgliedsunternehmen des Verbands der Elektrotechnik sowie Hochschulen.

Ebenfalls 63 Prozent glauben, dass Deutschland aufgrund seiner guten Technologieposition gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Sorge bereitet dem VDE allerdings, dass nur 31 Prozent der befragten Unternehmen mindestens genauso viel in den Bereich F+E investieren wollen wie 2008. Fast alle Befragten (93 Prozent) sind der Meinung, dass sich der internationale Wettbewerb um die besten Köpfe in der Elektro- und Informationstechnik weiter verschärfen wird.

Laut dem VDE-Trendreport verfügt Deutschland in der Automation (91 Prozent) sowie in der Energie- (79 Prozent), Elektro- (77 Prozent) und Medizintechnik (70 Prozent) über die größte Innovationskraft. Demnach wird Deutschland bis 2020 seine Spitzenposition in diesen Technologien trotz leichter Verluste halten. In der Mikro- und Nanotechnik wird sich Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, aber seine Spitzenposition gegenüber den stärksten Konkurrenten USA und China behaupten.

Die wichtigsten Impulse gibt der Bereich Energieeffizienz (90 Prozent Zustimmung), gefolgt von E-Mobility/Elektroauto (59 Prozent), Smart Grids/intelligentes Stromnetz (38 Prozent) und Embedded Systems (33 Prozent), bei denen Deutschland weltweit Technologieführer ist.

Für 56 Prozent der befragten Unternehmen und Hochschulen hat die USA im Bereich Informationstechnik die Nase vorn. 19 Prozent sehen Deutschland führend, zehn Prozent bescheinigen Indien die höchste Innovationskraft. »Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Innovationen in der Energietechnik, Automation und Medizintechnik sowie in allen weiteren Anwendungsfeldern stark von der Informationstechnik getrieben werden und die Informationstechnik hier auch in Deutschland eine große Stärke hat«, betont VDE-Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Hans Heinz Zimmer. Im Bereich Internet bietet sich das gleiche Bild. Auch hier führt die USA vor Deutschland und Indien. In der Mikroelektronik werde China in zehn Jahren eine Führungsposition einnehmen, gefolgt von den USA.

Wettbewerb um Fachkräfte verschärft sich weiter

»Unsere größten Stärken liegen im Ausbildungsniveau unserer Ingenieure und in der technischen Infrastruktur«, so VDE-Präsident Dr.-Ing. Joachim Schneider. Allerdings trübt der internationale Wettbewerb um Fachkräfte der Elektro- und Informationstechnik die Stimmung. 93 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich dieser weiter verschärfen wird. 81 Prozent glauben nicht, dass sie ihren Bedarf ausreichend decken können. 44 Prozent der Unternehmen befürchten auf Absolventen verwandter Fächer wie Naturwissenschaftler oder Informatiker zurückgreifen zu müssen. Für 52 Prozent liegt der Fachkräftemangel auf Platz 2 in der Skala der Innovationshemmnisse hinter der Bürokratie und den gesetzlichen Rahmenbedingungen (70 Prozent).

Nahezu alle Befragten (97 Prozent) sagen, dass Absolventen und Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik nach wie vor gute Berufschancen haben. Insbesondere für die Bereiche Planung/Projektierung/Engineering und Forschung/Entwicklung suchen Unternehmen Elektroingenieure. Die Mehrheit der Befragten ist auch der Meinung, dass die Nachwuchsförderung in der Wirtschaftskrise wichtig bleibt. Die Unternehmen konstatieren einerseits eine Zunahme der Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik in ihrer Belegschaft.

Auch Hochschulen geben an, zukünftig verstärkt von Engpässen beim wissenschaftlichen Nachwuchs betroffen zu sein. Auf der anderen Seite eröffnet das hohe Ausbildungsniveau (75 Prozent) die größten Innovationschancen für Deutschland.