Dr. Gerald Paul, Vishay

»Wir bauen ein 300-mm-MOSFET-Werk in Itzehoe«

24. Januar 2022, 15:00 Uhr | Engelbert Hopf
Dr. Gerald Paul, Vishay
© Componeers GmbH

Vishay baut für 250 bis 300 Millionen Dollar in Deutschland ein 300-mm-Werk für MOSFETs und will damit, wie CEO und President Dr. Gerald Paul erläutert, vor allem seine Position auf dem europäischen Automobil- und Automotive-Markt ausbauen. Zudem steigt das Unternehmen in den SiC-Markt ein.

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Höhere Zuwachsraten in Schlüsselmärkten

Der politisch begründete Wegfall des Huawei-Geschäfts hat Vishay über 50 Millionen Dollar gekostet. Konnten Sie diesen Wegfall bislang anderweitig ausgleichen?

Wir haben unsere Kontakte und Geschäfte mit Nokia und vor allem Ericsson intensiviert und ausgebaut. Von einem Ausgleich des entgangenen Geschäfts sind wir aber noch weit entfernt.

Vishay ist stark im Automotive-Geschäft. Aktuell liegt der Umsatzanteil bei rund 35 Prozent. Mit der E-Mobility gewinnt SiC massiv an Bedeutung. Wird Vishay hier in Zukunft aktiv werden?

Wir haben diesen Markt, der bisher nur ein niedriges Umsatzvolumen hatte, lange Zeit beobachtet. Mit der nun einsetzenden Dynamik steigen auch wir zusammen mit einem Partner in diesen Markt ein. Wir sind bereits mit SiC-Dioden präsent und werden, basierend auf den Produkten unseres Partners, 2023 auch mit planaren SiC-MOSFETs auf den Markt kommen. Gleichzeitig bauen wir massiv unser Know-how auf, um in Zukunft selbst SiC-MOSFETs herstellen zu können.

Sie sprachen anlässlich der Bekanntgabe der Zahlen des 3. Quartals 2021 davon, dass es Vishay gelungen sei, auf den Schlüsselmärkten höhere Zuwachsraten zu erzielen. Profitieren Sie da von Problemen der Konkurrenz?

Bei MOSFETs sind wir alle voll, da kann man nicht „einspringen“; bei den Dioden sieht das etwas anders aus, da haben wir von Problemen anderer profitiert. Die Probleme anderer Anbieter wirklich nutzen konnten wir aber vor allem bei passiven Bauelementen; dort sind es vor allem die Induktivitäten und Widerstandschips, die uns die höheren Zuwachsraten gebracht haben.

Zu Ihren Schlüsselmärkten zählt ganz eindeutig der Automobil- und Automotive-Markt. Wie sehen Sie die Transformation vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb?

Aus Sicht der Elektronikbranche ist der Übergang zum Elektrofahrzeug sicher ein Segen. Das gilt für alle, nicht nur für Vishay. In ein Mittelklassefahrzeug mit Verbrennungsmotor haben wir Bauelemente im Wert von rund 200 Dollar verkauft. Bei einem Elektrofahrzeug sind es etwa 700 Dollar. Was mir nur Sorgen macht, ist der Umstand, dass es sich hier bislang um einen durch Subventionen finanzierten Markt handelt.

Mit der Akquisition von Barry Industries haben Sie im Dezember 2021 Ihre Strategie kleinerer Übernahmen fortgesetzt. Was war das Reizvolle an Barry Industries?

Wenn Sie es so sehen wollen, haben wir unsere Strategie des Aufbaus eines Dünnschicht-Kompetenz-Centers oder eines Verbunds von Dünnschicht-Spezialisten weiter fortgesetzt. Im konkreten Fall verschafft uns diese Akquisition einen zusätzlichen Zugang zum US-amerikanischen Militär- und Weltraummarkt. Vor allem aber verfügen die Spezialisten bei Barry Industries über HF-Know-how, und das benötigen wir für den Ausbau unserer Aktivitäten und Pläne im Bereich 5G.

Sie hatten in der Vergangenheit angekündigt, sich verstärkt auch in Europa nach möglichen Akquisitionen umzusehen.

Das hat leider bislang nicht funktioniert. Ziel unserer Übernahmen ist es ja immer, produkttechnische Lücken zu schließen oder Know-how zu integrieren, das uns bislang fehlt. Da haben uns die Sondierungen in Europa bislang leider nicht weitergebracht.

An den notwendigen Mitteln dürfte es nicht mangeln. Diese Mittel dürften inzwischen eher noch gewachsen sein?

Wenn Sie unsere Marktkapitalisierung betrachten, dann liegt die bei bescheidenen 3,2 Milliarden Dollar. Wir sind schlicht unterbewertet, wir sollten vielleicht etwas sexier werden! Aber wir sind grundsolide finanziert, und so liegt unsere Liquidität derzeit bei rund 1,7 Milliarden Dollar, davon 1 Milliarde auf der Bank. Aber man muss dieses Geld ja nicht nur in Akquisitionen stecken. Mit diesen Finanzmitteln im Rücken fällt einem dann auch eine Investition wie in Itzehoe deutlich leichter.

Inzwischen ist die Biden-Administration in den USA seit einem Jahr im Amt. Haben sich die Hoffnungen, die mit dem Wechsel verbunden waren, aus Ihrer Sicht erfüllt?

In der Art, wie Politik gemacht und kommuniziert wird, haben sich die Hoffnungen sicher erfüllt. In Bezug auf die angekündigten Infrastruktur- und Technologieprogramme wurden die Hoffnungen durch Störfeuer nicht nur der Republikaner, sondern auch aus den eigenen Reihen bislang enttäuscht. Aus Sicht der Unternehmen ist sicherlich auch positiv zu bewerten, dass es nicht zu den befürchteten Veränderungen bei der Besteuerung gekommen ist.


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