Kommentar

(K)ein Abschied – und herzlichen Dank!

18. Juni 2026, 08:00 Uhr | Heinz Arnold
Heinz Arnold
© Componeers GmbH

Dies ist mein letztes Editorial als Redakteur der Markt&Technik. Anfang Juli beginnt für mich offiziell das Rentnerdasein – ein Satz, den ich selbst noch mit einer gewissen Ungläubigkeit lese.

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Als ich im Herbst 1988 in die Redaktion in Haar eintrat, war die technische Ausstattung überschaubar: Schreibtisch, PC, Diskettenlaufwerk, grüner Bildschirm, Design »Gelsenkirchener Barock«. Seitdem hat sich die Elektronikwelt stürmisch entwickelt.

Chips mit vielen Milliarden von Transistoren sind heute nichts Besonderes. Aber wer hätte 1989 wirklich damit gerechnet, dass Moore´s Law bis heute gelten wird? Mit leichten Abwandlungen wie dem Advanced Packaging wird es mich wohl noch überleben.

Ende der 90er Jahre schien die Zukunft grenzenlos: Immer leistungsfähigere ICs sollten Wissenschaft, Medizin und Technik revolutionieren. Die großen Versprechen der Aufklärung schienen in Silizium gegossen zu sein: mehr Wissen, mehr Fortschritt, mehr Wohlstand.

Was ich nicht erwartet hatte: Dieselben Chips, die wissenschaftliche Durchbrüche ermöglichten, lösten die Internet-Revolution aus: soziale Netzwerke und die Hyperscaler entstanden. Heute erleben wir mit KI die nächste Revolution – noch schneller, noch tiefgreifender. Über soziale Netzwerke wächst die Welt zusammen, wir können so direkt kommunizieren wie nie zuvor – was viele neue Chancen bringt. Allerdings entstehen auch globale Stammtische, die vom Ursprung der technischen Entwicklung, die sie erst ermöglichte – der Aufklärung – nichts mehr wissen wollen. Die Revolution frisst ihre Kinder? Doch Kulturpessimismus liegt mir fern. Ob Gravitationswellen, CRISPR-Cas oder Quantentechnologien und vieles, vieles mehr – ohne moderne Halbleiter wären diese Fortschritte schlicht undenkbar – und es werden weitere folgen, die aus der Kombination von Elektronik, KI, Biologie und vielen anderen Wissenschaften erwachsen.

Sie merken: Mich ganz aus der Branche zurückzuziehen, kann ich mir nicht so recht vorstellen. So viel darf ich schon verraten: Ich werde weiterhin als freier Journalist tätig sein.

Und wenn ich eines in fast vier Jahrzehnten gelernt habe: So spannend die Technologie auch ist, entscheidend sind die Menschen dahinter. Ohne unser Redaktionsteam und ohne die Unterstützung des Verlags – vor allem aber ohne die vertrauensvolle und immer fruchtbare Zusammenarbeit mit Ihnen allen hätte ich diesen Beruf niemals mit so viel Freude ausüben können. Dafür an alle einen herzlichen Dank! Nicht im Sinne eines Abschieds – sondern eines Aufbruchs. Wir sehen uns!


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