Stilllegung des europäischen Luftverkehrs belastet Elektronikbranche

»Eyjafjalla« sorgt für Zündstoff in den Lieferketten

20. April 2010, 15:41 Uhr | Heinz Arnold, Engelbert Hopf, Erich Schenk, Corinne Schindlbeck, Karin Zühlke
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Nicht nur die Distribution ist im Stress

Doch nicht nur bei den Distributoren blickt man derzeit mit Sorge auf die Lager. »Wir liefern alles aus, was wir noch auf Lager haben, »berichtet Harald Sauer, General Manager European Key Account bei Taiyo Yuden, »aber wir bekommen seit Donnerstag letzter Woche keine neue Ware mehr herein«. Was das bedeutet wird daran deutlich, dass der monatliche Lagerumschlag in bei Taiyo Yuden in Fürth zuletzt über 30 lag. »Wenn sich das Flugverbot verlängert«, so Sauer, »dann dürfte es für einzelne Produkte schon in der nächsten Woche eng werden«. Dann werden wohl bestimmte Produkte nur noch in Konsignationslagern und bei Distributoren zu finden sein.

Ähnlich sieht es beim Relaisspezialisten Hongfa Europe aus. Theo Reisel, Vertriebsleiter für Europa, bei Chinas größtem Relaishersteller, geht davon aus, dass das Flugverbot Auswirkungen auf die Liefersituation haben wird. »Wir erwarten für diese Woche mehrere Lieferungen per Luftfracht und wissen im Moment nicht, ob - beziehungsweise wann - diese Sendungen ankommen. Da nur bei sehr eiligem Bedarf Relais per Luftfracht verschickt werden, ist das natürlich besonders schlimm«. Sein Kollege Jürgen Schönauer sieht das ähnlich. »Die meisten Waren werden zwar aus Kostengründen per Seefracht transportiert, wenn es aber aktuell bei Luftfrachtlieferungen zu Verzögerungen kommen sollte, werden wir die betroffenen Kunden situativ benachrichtigen«.

Joachim Thiele, TDK-EPC:»Zusammen mit unseren Logistikpartnern bewerten wir die Situation fortlaufend neu um Ware beispielsweise umzuleiten und etwa über offene Flughäfen sowie über Land oder auf dem Seeweg zu transportieren.«

Joachim Thiele, Executive Vice President Corporate Sales bei TDK-EPC, sieht derzeit noch keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf das Geschäft von TDK-EPC durch das Flugverbot über Europa. »Ein Flugverbot in diesem Ausmaß ist in Europa bislang ohne Beispiel, war in keiner Weise vorhersehbar und ist bedingt durch höhere Gewalt. Von den Auswirkungen ist die gesamte Lieferkette betroffen«, so seine Einschätzung. Das Unternehmen hat entsprechende Maßnahmen eingeleitet und beobachtet die weitere Entwicklung sehr genau, um gegebenenfalls flexibel reagieren zu können und mögliche Verzögerungen zu minimieren. »Zusammen mit unseren Logistikpartnern bewerten wir die Situation fortlaufend neu«, erläutert Thiele, »um Waren beispielsweise umzuleiten und etwa über offene Flughäfen sowie über Land oder auf dem Seeweg zu transportieren«. In ihrem gesamten Ausmaß, so Thiele, »werden die Auswirkungen dieses Ereignisses von der derzeit nicht absehbaren Dauer des Flugverbots abhängen«.

Auch die Kundenseite spürt bereits erste Auswirkungen des Flugverbots, wie Dr. Uwe-Schmidt-Streier, Geschäftsführer beim EMS-Dienstleister Flextronics SBS Germany, bestätigt: »Die Verfügbarkeit ist ohnehin kritisch, da tut jeder zusätzliche Tag weh, den wir auf die Komponenten warten müssen.« Flextronics SBS hat seine Kunden bereits am Freitag informiert, dass es zu Verzögerungen kommen könnte. Die Kunden reagierten laut Schmidt-Streier aber sehr verständnisvoll. Dieses Verständnis könnte sich allerdings schnell ändern, wenn das Flugverbot noch einige Tage anhält, denn besonders in Bereichen wie der Automobilindustrie, die nach dem Prinzip Just-in-time bzw. Just-in-Sequence-Belieferung arbeiten, können auch minimale Lieferverzögerungen schnell zum Produktionsstillstand führen.

Trotz der erheblichen Behinderungen im internationalen Luftverkehr findet die Hannover Messe wie geplant statt. Für Kontinentaleuropa wurden zwar Shuttlebusse organisiert, die anderen Kontinente sind aber abgeschnitten. »Wir wissen von asiatischen Besuchergruppen, die dort auf gepackten Koffern sitzen und auf die Aufhebung der Sperre warten«, berichtet der Unternehmenssprecher der Hannover Messe, Hartwig von Saß. Am ersten Messetag gingen die Verantwortlichen darum von einem möglichen Rückgang der internationalen Besucher um bis zu 50 Prozent aus. Für v. Saß hängt das vor allem davon ab, »wann der Luftraum wieder geöffnet wird«. (eg, es, ha, sc, zü)


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