Europäische Souveränität

DFKI und Inria gründen deutsch-französisches Zentrum für KI

23. Juni 2026, 06:46 Uhr | Iris Stroh
Von links: Bruno Sportisse, CEO von Inria; Philippe Baptiste, französischer Minister für Hochschulwesen, Forschung und Raumfahrt; Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt; Antonio Krüger, CEO vom DFKI; Philipp Slusallek, Executive Director vom DFKI Saarbrücken.
© Inria/Emmanuelle Marcadé

Deutschland und Frankreich bündeln ihre KI-Kompetenzen: DFKI und Inria gründen ein gemeinsames KI-Zentrum mit einer „Project Factory“, die Forschung schneller in marktfähige Anwendungen überführen soll. Ziel ist es, Europas digitale Souveränität im globalen KI-Wettbewerb zu stärken.

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Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das französische Nationale Institut für Forschung in Digitaler Wissenschaft und Technologie (Inria) heben ihre bestehende Partnerschaft auf eine neue Ebene: Am 18.Juni 2026 unterzeichneten die beiden führenden Forschungseinrichtungen auf der Vivatech in Paris eine Vereinbarung zur Gründung eines offenen, binationalen deutsch-französischen Zentrums für Künstliche Intelligenz.

Die feierliche Unterzeichnungszeremonie fand in Anwesenheit von Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, und von Philippe Baptiste, französischer Minister für Hochschulwesen, Forschung und Raumfahrt, statt. Ziel des Projekts ist es, einen starken europäischen Akteur im Bereich der Künstlichen Intelligenz an der Schnittstelle zwischen Spitzenforschung, Industrie und Gesellschaft zu etablieren.

Eckpfeiler für Europas Souveränität im Bereich KI

Das neue binationale Zentrum bündelt die Forschungskapazitäten beider Länder, um tragfähige Antworten auf den rasanten globalen Wandel im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu liefern. Angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs soll das Zentrum einen entscheidenden strategischen Beitrag zur digitalen Souveränität Europas leisten. Durch eine dauerhafte, institutionalisierte Struktur und die enge Verzahnung von Wissenschaft und Industrie soll die Entwicklung vertrauenswürdiger, transparenter und wettbewerbsfähiger KI-Technologien »Made in Europe« beschleunigt werden.

»Die Gründung des offenen deutsch-französischen Zentrums ist ein entscheidender Meilenstein für die Zukunft der europäischen KI«, erklärt Prof. Dr. Antonio Krüger, Geschäftsführer des DFKI. »Durch die konkrete Bündelung der exzellenten KI-Forschung in Deutschland und Frankreich gehen wir über bloße Absichtserklärungen hinaus und schaffen aktiv eine Grundlage für die digitale Souveränität Europas im Bereich der Künstlichen Intelligenz.«

Dr. Bruno Sportisse, Vorsitzender und Geschäftsführer von Inria, fügt hinzu: »Dieses deutsch-französische Zentrum ist eine Antwort auf die Herausforderungen im Bereich der KI. Wir müssen unsere Strategien aufeinander abstimmen und wirkungsvolle Projekte umsetzen, wenn wir im Wettlauf um die Spitzenposition in Forschung, Technologie und Innovation mithalten wollen. Dies erfordert vertrauensvolle Partnerschaften, eine gemeinsame langfristige Roadmap und die Fähigkeit, unsere Ökosysteme (KI-Cluster) zu nutzen: Genau das bauen wir gemeinsam mit dem DFKI auf.«

Die integrierte »Project Factory«: Fokus auf Wirkung!

Die integrierte »Project Factory« im Kern des Zentrums fungiert als agiler Innovationsmotor, um bilaterale Forschungs- und Entwicklungsprojekte flexibel in greifbare Prototypen und Softwarelösungen umzusetzen. Darüber hinaus fördert das explizit offene Konzept des neuen Zentrums die aktive Beteiligung weiterer akademischer Partner aus beiden Ländern.

Zudem erhalten Unternehmen aus beiden Ländern direkten Zugang zu Projekten, um innovative KI-Anwendungen in Schlüsselbereichen wie Industrie 4.0, Gesundheit und Mobilität zu entwickeln und diese zügig zur Marktreife zu bringen. Dieser Forschungstransfer wird durch Programme zur Talentförderung und zur Mobilität von Forschenden flankiert, was das Zentrum durch bilaterale Karrierewege und gemeinsame Sommerschulen zu einem äußerst attraktiven Anziehungspunkt für globale Spitzenkräfte macht. Ergänzt wird dieses Profil durch die Einrichtung eines wissenschaftlichen Thinktanks, der fundierte Handlungsempfehlungen zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von KI erarbeitet, die KI-Kompetenz in der Bevölkerung stärkt und Akteure aus Politik und Wirtschaft in Fragen der Regulierung, Ethik und Standards berät.

Politische Unterstützung für die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der KI

Die feierliche Unterzeichnung im Rahmen der Vivatech unterstreicht die hohe politische Priorität, die beide Regierungen dieser Zusammenarbeit beimessen.

Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, erklärt anlässlich der Zeremonie: »In der heutigen Welt ist Künstliche Intelligenz ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Daher wurde sie in der High-Tech-Agenda Deutschland als Schlüsseltechnologie benannt. Wir müssen verhindern, dass Europa in der globalen KI-Landschaft ins Abseits gerät. Das binationale deutsch-französische Zentrum für KI als Zusammenarbeit zwischen DFKI und INRIA wird dazu beitragen, sich bietende Chancen zu nutzen und die gebündelte Expertise Frankreichs und Deutschlands einzusetzen, um Europa voranzubringen. Es wird gemeinsame Forschung zu sicherer und vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz betreiben, die vollständig auf europäische Standards abgestimmt ist. Diese Partnerschaft ist ein Beispiel dafür, wie eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit ein stärkeres, innovativeres europäisches KI-Ökosystem gestalten kann.«

Offenheit für weitere französische, deutsche und europäische Partner

Das binationale Zentrum ist bewusst nicht als geschlossenes System konzipiert. Die integrierte »Project Factory« steht weiteren KI-Forschungsclustern, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen aus Deutschland, Frankreich und darüber hinaus sowie Partnern aus der Industrie und der öffentlichen Verwaltung offen, um ein nahtloses europäisches KI-Netzwerk zu knüpfen.

Nach der offiziellen Unterzeichnung am 18. Juni wird ab Juli 2026 mit dem schrittweisen Aufbau der Strukturen sowie der Einrichtung eigener Büros an den jeweiligen Standorten von DFKI und Inria in Deutschland und Frankreich begonnen, gefolgt vom Start der ersten operativen Programme Ende 2026.

 


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