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Aktion »Elektronik Leser testen«

»Embedded Studio« von Segger mit Top-Bewertung

25. Februar 2021, 14:57 Uhr   |  Gerhard Stelzer

»Embedded Studio« von Segger mit Top-Bewertung
© Segger

Zehn Elektronik-Leser haben die Entwicklungsumgebung »Embedded Studio« von Segger einem umfangreichen Praxistest mit mehreren Experimenten unterzogen. Hier sind die Testergebnisse im Detail

In der Elektronik-Ausgabe 21/2020 haben wir Sie, liebe Leser, aufgefordert, sich bei uns als Tester für die Entwicklungsumgebung »Embedded Studio« von Segger Microcontroller zu bewerben. Aus knapp einhundert Interessenten haben wir zehn Teilnehmer ermittelt. An jeden Tester wurde von der Redaktion ein Testbogen zur Bewertung und von Segger das Testobjekt – die »J-Link PLUS«-Debug-Hardware – versandt. Die Software selbst konnte jeder Tester direkt von der Homepage des Embedded-Spezialisten herunterladen. Jetzt liegen die Testergebnisse vor. Zunächst eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften des Testobjekts:

Steckbrief »Embedded Studio«

Gegenstand dieser Testrunde ist die »Cross-Plattform IDE Embedded Studio« von Segger. Mit Embedded Studio erhält der Entwickler eine Entwicklungsumgebung, die sich durch ihre Flexibilität im Einsatz und mit praxisgerecht optimiertem Code auszeichnet. Embedded Studio enthält die von Segger entwickelten eigenen Runtime- und Gleitkomma-Bibliotheken, Compiler und Linker. Primäres Entwicklungsziel bei Segger war dabei, einfach und problemlos auf das Zielsystem zugeschnittene, schnelle Programme mit geringstem Speicherbedarf entwickeln zu können.

 Zur Durchführung des Tests des Embedded Studios stattete Segger alle Tester mit der „J-Link PLUS“-Debug-Hardware aus, die die Tester im Anschluss an den Test behalten durften
© Segger

Bild 1. Zur Durchführung des Tests des Embedded Studios stattete Segger alle Tester mit der »J-Link PLUS«-Debug-Hardware aus, die die Tester im Anschluss an den Test behalten durften.

Daher wird Embedded Studio mit allen Komponenten auch für die Entwicklung der eigenen Produkte wie »J-Link« Debug Probes, »J-Trace« Trace Probes und der »Flasher« Programmiergeräte eingesetzt. Das Zusammenspiel aus Entwicklung und interner Nutzung der eigenen Produkte ermöglicht es dem Tool-Hersteller aus eigener Erfahrung eine praxisnahe und zielgerichtete Weiterentwicklung zu betreiben.
In verschiedenen Phasen des »Build«-Prozesses werden Optimierungen vorgenommen, die der Reduzierung der Codegröße und der Verbesserung der Ausführungsgeschwindigkeit dienen. Der »Linker« kann den in der Regel knappen Speicher von Mikrocontrollern optimal nutzen. Dabei können Codeblöcke über mehrere Speicherbereiche verteilt und nicht nutzbare Speicherstellen ausgelassen werden.

Embedded Studio unterstützt alle Funktionen, die J-Link und J-Trace auszeichnen, wie zum Beispiel unlimitierte »Breakpoints« im Flash-Speicher oder RTT (Real Time Transfer). Auch Ozone, J-Link Debugger und Performance-Analysewerkzeug, sowie das Echtzeitanalyse- und Visualisierungswerkzeug SystemView lassen sich direkt aus einem Embedded-Studio-Projekt heraus ausführen. Genau wie SystemView und Ozone, funktioniert auch Seggers Embedded Studio, ganz im Sinne der Cross-Plattform-Philosophie, auf Windows, Linux sowie auf macOS.

Für Ausbildungs- und nicht-kommerzielle Zwecke kann Embedded Studio lizenzkostenfrei und ohne Registrierung von der Segger Webseite heruntergeladen werden. Bei der Verwendung gibt es keine Einschränkungen in Hinblick auf Codegröße, Funktionsumfang oder Nutzungsdauer.

Im Praxistest wurde das Embedded Studio in drei Hauptkategorien nach Schulnoten von 1 bis 5 bewertet.

Was wurde getestet?

Der Praxistest gliederte sich in drei Teile:

  1. Inbetriebnahme
  2. Betrieb
  3. Fazit

Die Tester konnten die Einzeldisziplinen des Testbogens mit Schulnoten von 1 bis 5 bewerten. Für Beurteilungen, die sich nicht in Noten ausdrücken lassen, gab es Kommentarfelder zur freien Beantwortung, die auch ausgiebig genutzt wurden.

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Die Entwicklungsumgebung »Embedded Studio« von Segger Microcontroller erreichte im Test der Elektronik-Leser 4,5 Sterne.

Die Testergebnisse im Überblick

  1. Inbetriebnahme     1,4
  2. Betrieb     1,5
  3. Fazit     1,6

 

 

1) Inbetriebnahme

Da es sich beim Testobjekt um eine Software handelt, haben wir die Testkriterien darauf angepasst. Die Inbetriebnahme umfasst die Aspekte Installation, Lizenzmanagement, Erstnutzung und Dokumentation.

1.1. Installation

  • Download der Software     1,4
  • Installation     1,4
  • Umfang     1,3
  • Verfügbarkeit für verschiedene Betriebssystem      1,0

➔ Ein Tester wünschte sich eine Installationsanleitung anstelle von »Release Notes«, ein anderer lobte den guten Einstieg im Vergleich zu Keil, Eclipse und Green Hills.

1.2. Lizenz Management

  • Verständlichkeit der Lizenzbedingungen     1,4
  • Benutzung mit »non-commercial«-Lizenz     1,2
  • Lizenzmanagement     1,7

➔ Das Gros der Tester kam gut zurecht. Ein Tester meinte: »Die Non-Commercial-Lizenz halte ich für eine gute Idee, um z.B. Studenten oder privat engagierte Ingenieure an das Produkt zu binden. Meiner Meinung nach zahlt sich das aus.«

1.3. Erstnutzung

  • Startzeit     1,1
  • Erster Eindruck     1,4
  • Einstieg in die Entwicklung     1,4

➔ Ein Tester lobt das Dashboard: Es sei sehr informativ, man sehe u.a. ob es Updates gibt und zuletzt verwendete Projekte. Mehrere Tester erwähnten den schnellen Start der Software. Lob gab es auch für die gute Übersichtlichkeit.

1.4. Dokumentation

  • Benutzerhandbuch     2,0
  • Zusätzliche Dokumentation     1,7
  • Support     1,3

➔ Das Benutzerhandbuch halten manche Tester für etwas unübersichtlich. Die integrierte Hilfefunktion dagegen kommt sehr gut an. Ein Tester: »Super Online-Handbuch.« Insgesamt sind die Tester mit der Inbetriebnahme sehr zufrieden, was sich in einer Durchschnittsbenotung von 1,4 widerspiegelt.

2) Betrieb

Das umfangreichste Testfeld ist die praktische Arbeit mit der integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) im täglichen Betrieb. Dabei wurden die drei Tätigkeitsfelder Projekt-Management, Applikationsanalyse und Debugging auf den Prüfstand gestellt.

Die Entwicklungsumgebung Embedded Studio von Segger wurde im Betrieb mit der Durchschnittsnote 1,5 bewertet und für ihre Übersichtlichkeit gelobt
© Segger

Bild 2. Die Entwicklungsumgebung Embedded Studio von Segger wurde im Betrieb mit der Durchschnittsnote 1,5 bewertet und für ihre Übersichtlichkeit gelobt.

2.1. Projekt Management

  • Projekterstellung     1,3
  • Erweiterung eines Projekts     1,8
  • Konfiguration     1,8
  • Eigentliche Entwicklung     1,8

➔ Ein Tester fand die Projektoptionen anfangs etwas undurchsichtig und gewöhnungsbedürftig. Ein anderer Tester lobt den sehr leichten Einstieg in ein komplexes Tool. Weitere Stimmen: Erweiterung per Drag-and-Drop wäre praktisch; Bessere Erklärung der unterschiedlichen Konfigurationsebenen wünschenswert.

2.2. Applikationsanalyse

  • Speicherbedarf     1,4
  • Analysemöglichkeiten     1,3
  • Map File     1,6
  • Linker     1,9
  • Post-Build     1,7

➔ Den Speicherbedarf schätzen mehrere Tester als sehr gering ein. Ein Tester wünscht sich eine strukturierte Aufbereitung des Map-Files, ein anderer einen direkten Export zu .pdf.

2.3. Debugging

  • Hardware-Set-up     1,3
  • Downloadzeit     1,1
  • Performance/Reaktionszeit     1,2
  • Analysefenster     1,7
  • Debug-Ausgaben     1,4
  • Ausführungskontrolle     1,3

➔ Ein Tester hob die sehr schnelle Ausführung hervor. Ein anderer lobte die Debug-Funktionen als intuitiv und übersichtlich. Ein weiterer Tester monierte eine etwas umständliche Bedienung der Analysefenster.

Das heißt, auch im Betrieb kann das Embedded Studio mit einer Durchschnittsnote von 1,5 durchaus überzeugen.

3) Fazit

Zur abschließenden Beurteilung sollten die Tester einerseits verschiedene übergreifende Aspekte bewerten und auch ihre Gewichtung dieser Aspekte im Hinblick auf eine Kaufentscheidung für ein Produkt angeben. Bei den folgenden Benotungen wurde keine Gewichtung berücksichtigt.

  • Preis-Leistungsverhältnis     1,8
  • Lieferumfang/Dokumentation     1,8
  • Praktischer Betrieb     1,3
  • Gesamteindruck     1,6

➔ Ein Tester kommentierte: »Insgesamt finde ich das Embedded Studio eine sehr gelungene und brauchbare Entwicklungsumgebung.« Ein anderer: »Insgesamt ein gut strukturiertes Tool, mit dem der Einstieg erstaunlich leichtfällt.« Ein weiterer Tester: »Der J-Link Debugger und das Embedded Studio sind tolle Werkzeuge für die professionelle Entwicklung von Embedded-Produkten. Das Kompilieren und Laden von Sourcecode auf das Target erfolgen extrem schnell, Debugging reagiert zuverlässig und schnell. Doku und Wiki/Videos könnten meiner Meinung nach etwas aufpoliert/aktualisiert werden.« Als Gesamtnote des Fazits steht nun eine 1,6 im Zeugnis.

Bei den Gewichtungen fällt auf, dass es im Wesentlichen zwei Gruppen gab. Einer Gruppe ist das Preis-Leistungsverhältnis am wichtigsten, der anderen Gruppe Betrieb und Gesamteindruck. Hier gibt es also eine Aufteilung nach preisbewusst und premium. Interessanterweise zeigten sich am Ende aber beide Gruppen sehr zufrieden mit dem Embedded Studio von Segger.

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