Intel baut sein Angebot für den Embedded-Markt weiter aus. Im Interview mit der Elektronik sprachen Michael Vierheilig, Markus Gabler und Dietmar Rohlf über die Definition von Embedded, aktuelle Entwicklungen und die Ziele des Unternehmens.
Woher kommt das neu erwachte Interesse Intels am Embedded- Markt?
Markus Gabler: Intel ist bereits seit 30 Jahren im Embedded-Markt unterwegs und erzielt in diesem Segment über 1 Mrd. Dollar Umsatz. Wir sehen im Embedded-Bereich ein Umsatzpotential von ca. 10 Mrd. Dollar. Mit der Atom-Technologie sehen wir hervorragende Möglichkeiten, in neue Segmente vorzustoßen. Diese Prozessoren haben einen niedrigen Strombedarf, lassen sich dadurch lüfterlos betreiben und ermöglichen platzsparende Designs. Unseren Kunden geben wir mit Atom die Möglichkeit, ihr gesamtes Produktspektrum auf Basis der Intel- Architektur umzusetzen.
Wie definiert Intel »Embedded«?
Gabler: Embedded ist letztendlich alles, was weder Server, Desktop, Laptop oder Netbook ist. Laut des Marktforschungsinstituts IDC gibt es heute 5 Mrd. »Connected Devices«, und bis zum Jahr 2015 sollen es 15 Mrd. werden. Darin liegt ein enormes Potential für Intel, jedoch müssen wir die so genannte Intel-Architektur in Bereiche bringen, in denen wir heute nicht oder nicht so stark vertreten sind. Für den Atom-Prozessor sehen wir riesige Chancen in Bereichen wie In-Vehicle-Infotainment, Maschinen- und Anlagenbau, Video-Überwachung, VoIP-Telefone, digitale Anzeigetechnik und Spielautomaten.
Bei den Atom-Plattformen unterscheidet Intel zwischen Netbook- und UMPC-Plattformen. Der Embedded- Entwickler passt in keine dieser Kategorien so richtig oder in alle zugleich. Welche Plattform soll er einsetzen?
Michael Vierheilig: Intel-Atom-Prozessoren kommen in der Tat in Netbooks, Mobile Internet Devices (MID) und im Embedded-Bereich zum Einsatz. Je nach Einsatzgebiet ist die Prozessor-Chipsatz-Kombination jedoch unterschiedlich und an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst. So bietet die Plattform um den N270-Prozessor die typischen PC-Schnittstellen zu einem günstigen Preis, die Z500-Plattform ist optimiert auf extrem geringen Energie- und Platzbedarf und lässt sich zudem lüfterlos betreiben. Spezielle Package-Varianten der Z500-Plattform wurden für den Einsatz im erweiterten Temperaturbereich validiert und lassen sich kostengünstig verbauen.
Im PC-Sektor verfolgt Intel die Strategie, dass das Umfeld bereit sein muss, ehe ein neuer Prozessor oder eine neue Architektur auf den Markt kommt. Intel sorgt für dieses Umfeld, indem z.B. ATX-Mainboards als Referenz- Designs hergestellt werden. Auch Design-Unterlagen, -Empfehlungen usw. werden herausgegeben. Gibt es das auch im Embedded-Bereich?
Dietmar Rohlf (Director New Business Group): Für Kunden, die selbst ein Design machen möchten, bieten wir Referenz-Designs in unterschiedlichen Formfaktoren an. Zusammen mit den kompletten Design-Unterlagen kann sich der Kunde so das Know-how für eine eigene Entwicklung besorgen. Möchte jemand fertige Boards haben, so ist er bei unseren Partnerfirmen, die Boards mit unterschiedlichen Formfaktoren, Schnittstellen und Software- Paketen anbieten, gut aufgehoben.