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Stimmungsbild aus der EMS-Branche

Zwischen Optimismus und Verunsicherung

09. November 2020, 07:15 Uhr   |  Karin Zühlke

Zwischen Optimismus und Verunsicherung
© Markt&Technik

Johann Weber, Zollner Elektronik: »Generell muss man dennoch beachten, dass in dem derzeitigen dynamischen Umfeld langfristige Planungen oder Prognosen schwierig geworden sind.«

Die Wirtschaft hat mit einem noch nie dagewesenen Abschwung zu kämpfen. Wie schlägt sich das auf die EMS-Industrie nieder? Eine Markt&Technik-Umfrage gibt Aufschluss.

Seit dem Sommer signalisiert die Wirtschaft zaghafte Erholung. Und die scheint zumindest teilweise auch bei den Elektronikdienstleistern anzukommen. Die Erwartungen für 2020 sind allerdings ganz unabhängig von der Größe des EMS sehr heterogen. Sie hängen vielmehr davon ab, für welche Branchen die Dienstleister tätig sind. Automotive und Luftfahrt sind erwartungsgemäß die Verlierer. Wer hingegen Medizinelektronik entwickelt und fertigt, durfte sich pandemiebedingt in den vergangenen Monaten über eine gute Auftragslage oder sogar Neukunden freuen, wie die befragten EMS-Firmen einhellig bestätigen. »Ein Rieseneffekt ist rund um die medizinischen Beatmungsgeräte und flankierende Diagnose und Analyse-Equipment entstanden«, erklärt Thomas Kaiser, Executive Vice President DACH, GPV. Er gibt aber auch zu bedenken, dass dieser Peak nur kurzfristig zu dauern scheint und das Geschäftsmodell von GPV nicht nachhaltig beeinflusst.

»Dank einem sehr ausbalancierten Kundenportfolio konnten wir bislang keinen Einbruch verzeichnen. Natürlich sind einige Industrien wie Automotive oder exportabhängige Industrien wie Maschinenbau stärker von der Krise betroffen, jedoch ist dies nicht nur Corona-bedingt, sondern bereits vorher absehbar gewesen«, sagt Kaiser. Deutliche Signale habe man jedoch durch die verunsicherten Märkte in Bezug auf den Planungshorizont festgestellt. Dieser habe sich zeitlich basierend auf „fixed call off“ schlicht halbiert. Dementsprechend erwartet Kaiser aufgrund von Planungsvolatilität auch ein etwas schwächeres viertes Quartal. Dennoch rechnet der DACH-Verantwortliche damit, dass GPV „plusminus“ die Planung 2020 erfüllen kann.

Gerd Ohl, Geschäftsführer von Limtronik bezeichnet die Medizintechnik, aber auch Komponenten für Nutzfahrzeuge als krisenresistent. Von der viel propagierten Erholung spüre er allerdings noch nicht viel. »Unser Vorteil ist aktuell, dass einige neue Projekte gut angelaufen sind und noch weiteres Potenzial bieten. In unserem Planungshorizont schauen wir weiter optimistisch in die Zukunft und planen mit einem leichten Wachstum im Umsatz, allerdings können wir das noch nicht mit einem Auftragseingang belegen. Wir werden unser Budget leicht unterschreiten, haben aber durch diverse Projekte für die Folgejahre eine gute Basis für die Zukunft gelegt.«

Markt&Technik
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Marco Balling, productware: »Der Mai war dann hinsichtlich Umsatz und Auftragseingang ein sehr schwacher Monat. Ab Juni hat sich aber bereits wieder eine deutliche Belebung eingestellt bei Umsatz und Auftragseingang.«

Der Fokus auf einen Branchenmix hat sich für Turck duotec bewährt, wie Philipp Mirliauntas, Geschäftsführer von Turck duotec, bestätigt: »So sehr uns die Krise in manchen Bereichen von heute auf morgen auch an unsere Grenzen gebracht hat, so beruhigend war letzten Endes die Tatsache, dass der von uns schon seit einigen Jahren verfolgte Branchenmix in der Kundenstruktur offensichtlich auch in disruptiven Zeiten eine gute Entscheidung darstellt.« Auf diese Weise konnte Turck duotec Umsatzrückgänge in bestimmten Kundensegmenten wie dem Automotive-Bereich nahezu ohne Einschränkung durch Umsatzsteigerungen bzw.Nachfragesteigerungen in anderen Segmenten kompensieren.

»Dass wir voraussichtlich wirtschaftlich sehr gut durch die Krise kommen werden, liegt aber auch an der guten wirtschaftlichen Basis unserer Kunden. Hätten wir auf dieser Seite Zahlungsausfälle zu verzeichnen, würde sich die Lage sicherlich anders darstellen. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation blicken wir optimistisch in die Zukunft: Insgesamt werden wir das Jahr 2020 voraussichtlich mit einem leichten Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr abschließen, womit wir mehr als zufrieden sind. Die Auftragslage ist nach wie vor gut. Uns erreichen viele Neuprojektanfragen bis ins Jahr 2025«, freut sich Mirliauntas.

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2. Kurzer Planungshorizont

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