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Obsoleszenz-Management

So klappt es mit nachhaltigem Produktdesign

30. Juni 2021, 06:00 Uhr   |  Matthias Hahn, productware

So klappt es mit nachhaltigem Produktdesign
© photon_photo - stock..adobe.com/WEKA Fachmedien

Abgekündigte Bauteile gefährden Projekte und können hohe Kosten durch ungeplante Redesigns verursachen. Der EMS-Dienstleister productware bietet hier vielfältige Unterstützung.

Durch eine enge Zusammenarbeit und frühe Einbindung der productware in den Entwicklungsprozess kann der Kunde vom Know-how des EMS-Dienstleisters profitieren, um seine Zielsetzungen in den Bereichen Design for Manufacturing/Assembly (DFM/DFA), Design for Test (DfT), Design for Cost (DfC) und Obsoleszenz-Management zu erreichen. Einige dieser Dienstleistungen erbringt productware auch für Unternehmen, für die keine Produkte gefertigt werden.

Da in der Entwicklungsphase ca. 80 % der späteren Produktkosten definiert werden, ist es aus Sicht von productware wichtig, sich ausreichend Zeit für die kosteneffiziente Gestaltung der Produkte zu nehmen. Hier geht es sowohl um DfM/DfA, das heißt, Produkte so zu designen, dass sie auch unter Serienbedingungen einfach, kostengünstig und auf einem hohen Qualitätsniveau produziert oder assembliert werden können, als auch um DfT. Gemeint ist damit, im Entwicklungsprozess gemeinsam die Teststrategie festzulegen und daraus die sinnvolle Kombination der einzelnen Testverfahren abzuleiten, um die erforderliche Testabdeckung wirtschaftlich zu erreichen. So kann der vor allem in komplexen Designs oft verwendete Boundary-Scan-Test nur dann genutzt werden, wenn er bereits im Layout berücksichtigt wurde. Dies betrifft auch die Auswahl geeigneter Bauteile und Komponenten, sowohl aus Kosten- als auch aus Risikosicht. Risikobewertung umfasst zum Beispiel die Analyse, ob es sich um Single-Source-Komponenten handelt oder ob pin- und funktionskompatible Alternativen bei anderen Herstellern nutzbar sind.

Wie wichtig eine solche Betrachtung ist, zeigt ganz aktuell der Brand in der IC-Fab von Asahi Kasei Microsystems (AKM). Für einige Bauteile dieses Herstellers gibt es keine unmittelbar kompatiblen Alternativprodukte, was erhebliche Risiken und Kosten für die Endkunden, eingeschränkte Lieferfähigkeit und die Notwendigkeit von kurzfristigen Redesigns mit sich bringt. Auch in so einem Fall unterstützt productware seine Kunden, so dass Risiken minimiert und transparent gemacht werden können. Ein erheblicher Kosten- und Risikofaktor, insbesondere für industrielle Produkte, stellen aber weiterhin Bauteileabkündigungen dar. Dies gilt vor allem, wenn sie nicht gut gemanagt werden.

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Ein wichtiger Schritt im PLM ist die Lebenszyklusanalyse von Bauelementen auf der Platine.

Elektronische Bauteile werden obsolet, weil der Bedarf eine Produktion aus Sicht des Herstellers nicht mehr rechtfertigt oder weil eine neue Prozesstechnologie die bestehende überholt und eine günstigere Herstellung des Produktes möglich macht. Diese Abkündigungen mögen für die Konsumgüterindustrie mit ihren kurzen Herstellungszyklen kein größeres Problem darstellen. Anders sieht es aber bei Industrieprodukten aus, wo Lebenszyklen von vielen Jahren oder Jahrzehnten erreicht werden müssen. Hier ist schon bei der Entwicklung/Fertigung eines elektronischen Produkts ein aktives Obsoleszenz-Management unverzichtbar, um die oben genannten Risiken zu vermeiden.

Der EMS-Dienstleister productware bietet seinen Kunden einen präventiven und proaktiven Obsoleszenz-Managementprozess als Service an. Mit Hilfe dieses Prozesses können sie die Produktverfügbarkeit sicherstellen und vermeiden, Bauteile über den Brokermarkt zu beziehen und dadurch potenzielle Qualitätsprobleme minimieren und Kosten durch ungeplante Redesigns einsparen. Rechtzeitige Bedarfsanalysen und langfristige Bedarfsplanungen in engster Zusammenarbeit mit dem Kunden und Lieferanten gewährleisten zudem eine zuverlässige Versorgung.

Prävention durch Analyse des Bauteillebenszyklus

Ein wichtiger Baustein des Management-Prozesses ist die Lebenszyklusanalyse von Bauelementen. Dabei wird die »Lebensdauer« eines Bauteils in mehrere Phasen unterteilt. Hierzu werden verschiedene Aspekte berücksichtigt, in einem Rechenmodell verarbeitet und der Lebenszyklus-status ermittelt. Diese sind unter anderem: aktuelles Absatzvolumen, Bauteileart und –alter und Abkündigungspolitik des Herstellers. Daneben gibt es fixe Größen wie Last-time-Buy- (LTB) Meldung und End-of-Life- (EoL) Status des Bauteils. Idealerweise ist productware bereits in den Entwicklungsprozess mit eingebunden und analysiert schon im frühen Stadium die für das Design vorgesehenen Bauteile. Das kann zum Beispiel auf der Basis von Vorab-Stücklisten erfolgen. Hier sind Anpassungen, das heißt, die Auswahl von alternativen Komponenten noch mit dem geringsten Aufwand möglich.

Diesen Service bietet der EMS-Dienstleister auch in verschiedenen Varianten und Modellen an. So erhält beispielsweise die Lynx-Technik AG zu allen Bauteilen, die in Produkten enthalten sind, die productware gefertigt hat, monatlich einen aktuellen Lebenszyklus-Status. Diese Informationen importiert der Kunde wiederum in seine Artikelstammdaten, um sie bei Neuentwicklungen berücksichtigen zu können. Das schafft die nötige Transparenz, um lebenszyklusbezogen Bauteile auszuwählen beziehungsweise in diesem Kontext kritische Bauteile nicht mehr zu verwenden und so die Risiken von Abkündigungen zu minimieren. Darüber hinaus informiert productware auch weiterhin über harte Ereignisse wie LTB oder Abkündigungen.

Obsoleszenz-Management-as-a-Service

Viele productware-Kunden arbeiten mit mehreren EMS-Unternehmen zusammen. Unter diesen Kunden gibt es einige, die das Obsoleszenz-Management von productware als reine Dienstleistung nutzen wollen. productware übernimmt dann die entsprechenden Bauteile in seine Datenbanken, analysiert sie und informiert den Kunden regelmäßig über den aktuellen Lebenszyklusstatus. Ziel ist es, einen weitgehend automatisierten Prozess zu realisieren. Daher sind am Anfang eines solchen Projektes Themen wie Datenbereitstellung etc. zu klären. Diese Dienstleistungen erbringt productware auch für Unternehmen, die keine Fertigungskunden sind.

Aber auch bei den Projekten, bei denen productware nicht Teil des Entwicklungsprozesses ist, müssen die Kunden nicht auf eine Analyse des Bauteillebenszyklus verzichten. In diesen Fällen führt productware bei der Angebotserstellung eine Analyse der Stückliste des Produkts durch. Das heißt, der Kunde erhält eine Einschätzung der voraussichtlichen Verfügbarkeit der eingesetzten Komponenten. Das geschieht in Form eines Reports, der die Lebenszyklus-Faktoren sowohl der von productware beschafften als auch der vom Kunden beigestellten Teile beinhaltet. So können zum Beispiel in der Angebotsphase LTB- und EoL-Bauteile identifiziert und mögliche Redesigns vermieden werden. Für diese Bauteile ermittelt productware mögliche Alternativen und weist diese im Angebot aus. Wie bereits dargestellt bietet es jedoch Vorteile diese Informationen früher zu erhalten und berücksichtigten.

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Der EMS-Dienstleister productware bietet hier vielfältige Unterstützung beim Lifecycle Management.

Im weiteren Verlauf werden die Bauteile der Kunden kontinuierlich auf PCN (Product Change Notifications) überwacht. Bei LTB- oder EoL-Mitteilungen seitens der Bauteilhersteller erhält der Kunde alle entscheidungsrelevanten Informationen kompakt und übersichtlich aufbereitet. productware fasst alle wesentlichen Angaben innerhalb eines Schreibens zusammen. Der Kunde erhält dadurch deutlich mehr als die bloße Weiterleitung eines Hersteller PCNs. Beispielsweise wird er über die betroffenen Baugruppe(n), laufende Aufträge, durchschnittliche historische Abflüsse etc. informiert. Des Weiteren bietet productware seinen Kunden verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich alternativer Bauteile, Bevorratung, Lagerresteindeckung etc. an und ermittelt in gemeinsamer Zusammenarbeit die bestmögliche Lösung im Falle einer Bauteilabkündigung.

Material Compliance Analyse – REACH, RoHS, und Co.

Ein weiterer Service, den productware orientiert am Bedarf der Kunden entwickelt hat, ist die Material Compliance Analyse von Stücklisten und Bauteilen. Die Ermittlung dieser wichtigen Informationen stellt im Entwicklungsprozess oft einen erheblichen Aufwand für die Entwicklungsabteilungen dar. Hier bietet productware einen gesonderten Service, der die Kunden entlastet und dafür sorgt, dass sie zum richtigen Zeitpunkt alle benötigten Informationen bezüglich REACH, RoHS, Prop65, US-Exportkontrolle und Co. zur Verfügung haben. Dies erfolgt bestenfalls bereits in der Entwicklungsphase, also vor der Prototypenfertigung

»Durch die Vielzahl von Gesetzen, Richtlinien oder Verordnungen und den daraus resultierenden Anforderungen steigt die Komplexität bei der Entwicklung eines neuen Produkts. Mit unserem Service schaffen wir die erforderliche Transparenz und entlasten den Kunden zeitlich, so dass er sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann. Das geschieht zum Beispiel durch die Auswahl geeigneter Bauteile oder indem wir für definierte Bauteile die erforderlichen Informationen liefern«, erklärt Marco Balling, Geschäftsführer der productware. »Den Kunden bieten wir diese Informationen auch in einer Form, die den Import der Daten in ihre ERP-Systeme gestattet. So können sie sukzessive die Qualität ihrer Stammdaten und somit auch ihre Entscheidungsfähigkeit verbessern.«

Fazit

Die von productware etablierten Services, die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden und die frühe Einbindung des EMS-Dienstleisters in den Entwicklungsprozess unterstützen die Kunden bei der Erreichung ihrer Ziele hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Qualität, Risikobewertung und -minimierung. productware entlastet diese bei kritischen Prozessen, sorgt für Sicherheit und schafft Zeit, damit sich der Kunde auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann. Das Unternehmen öffnet sein Dienstleistungs-Portfolio weiter und bietet nicht nur Fertigungskunden die Möglichkeit, Services wie das Obsoleszenz-Management und die Material Compliance Analyse stärker zu nutzen. (zü)

TERMINOLOGIE:

REACH: Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals – Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien

RoHS: Restriction of Hazardous Substances – Beschränkung (der Verwendung bestimmter) gefährlicher Stoffe

ECCN: Export Control Classification Number – Klassifikationsnummer für die Ausfuhrkontrolle

MITGLIED DER COGD

productware ist bereits seit April 2019 Mitglied der Component Obsolescence Group Deutschland e.V. (COGD). Der Industrie-Interessenverband fördert den Informationsaustausch zwischen seinen Mitgliedsfirmen über den Umgang mit abgekündigten oder auslaufenden Bauelementen und entwickelt Strategien und Methoden zur Unterstützung seiner Mitglieder in deren täglichen und langfristigen Geschäftsvorhaben. Ziel ist es, die durch Abkündigungen verursachten wirtschaftlichen Folgekosten zu minimieren.

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