Johann Weber, Zollner Elektronik

»Kein Selbstzweck, sondern Kundennutzen«

23. Oktober 2019, 14:55 Uhr | Karin Zühlke
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Die smarte Fabrik ist bei vielen Elektronikdienstleistern inzwischen Standard. Die Ausprägungen sind jedoch ganz unterschiedlich. Fragen an Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik.

Markt&Technik: Was bedeutet Industrie 4.0 für Zollner?

Industrie 4.0 ist für uns ein Bestandteil der digitalen Transformation. Hierzu gehört nicht nur die Produktion, sondern die Industrie 4.0 erstreckt sich bei uns bis hin zu fahrerlosen Transportsystemen und dem intelligenten Transport der Materialien. Entscheidend ist: Das Ganze ist kein Selbstzweck, sondern hat einen Nutzen, und zwar den Kundennutzen! Der muss absolut im Vordergrund sehen.

Können Sie uns Beispiele der digitalen Transformation aus dem täglichen Geschäft nennen?

Eine wichtige Ausprägung ist die Stammdatenpflege. Wenn wir vom Kunden die Stücklisten bekommen, wird über digitale Schnittstellen mit IHS oder Silicon Expert kommuniziert, um die Stücklisten auf die Richtigkeit der Bezeichnungen zu überprüfen. Das ist essenziell, damit auch exakt die richtigen Bauteile bestellt werden können.

Bei den Produktionsprozessen ist KI inzwischen ein maßgeblicher Faktor geworden. Wir haben eine eigene Software geschrieben, um die konkrete OEE (Overall Equipment Effectiveness, die Redaktion) der ganzen SMT-Linie darzustellen – also über die komplette Linie den OEE in Echtzeit abzubilden. Die Auswertungen werden unter anderem auch mithilfe der Blockchain-Technologie durchgeführt.

Das Credo von Zollner ist, die digitale Transformation in einem gesamtheitlichen Regelkreis zu betrachten. Das heißt?

Ganzheitlich heißt, dass Markttrends, die uns betreffen, auch einen Markt auf Kundenseite eröffnen, d.h. auch unsere Kunden sind mit Produkten für eben diesen neuen Markt aktiv. Wir sehen demnach für uns die Aufgabe, unsere Kunden in diesem Markt zu unterstützen und Lösungen dafür schaffen, sei es in der Industrialisierung oder der Entwicklung von Produkten. Damit das gelingt, müssen wir adäquate Prozesse hierfür bereit- und erstellen und Mitarbeiter befähigen, diese neuen Lösungen zu beherrschen. Das ist natürlich in Summe eine Herausforderung, denn die digitale Transformation ist sehr übergreifend. Entscheidend sind die Schnittstellen zwischen den Systemen.

A propos Schnittstellen: Welches MES-System setzen Sie inzwischen ein? Zollner war seinerzeit ja auch von der Kratzer-Abkündigung betroffen.

Wir haben das alte Kratzer-System inzwischen komplett abgeschaltet und inhouse selbst ein MES entwickelt.

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