Bedientechnik: das Beste aus zwei Welten

Touchscreen und Taster – gemeinsam sind sie stark

16. November 2022, 8:00 Uhr | Andreas Knoll
Der Schurter TTS ist präziser, berührungsloser Metal-Line-Taster in optischer ToF-Technik.
© Schurter

Weil elektromechanische Bedienelemente klare taktile Rückmeldung geben, die direkte Bedienung bestimmter Funktionen vereinfachen und Blindbedienung ermöglichen, sind sie immer häufiger gemeinsam mit einem Touchdisplay in demselben HMI-System integriert. Doch wie lässt sich beides zusammenführen?

Experten aus fünf Unternehmen nehmen Stellung.

Rolf Klingler, Vertriebsleiter von Elma Electronic: »Kombinationen von Touchdisplays mit traditionelleren Eingabemethoden sind ein absolutes Paradebeispiel für besonders stark nachgefragte kundenspezifische Anpassungen. Und diese Kombination hat absolut Sinn, denn die Kombination von Touchdisplays mit Drehschaltern bietet mitunter Möglichkeiten für buchstäblich lebenswichtige Fallback-Bedienung für kritische Situationen.

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Klingler Rolf
Rolf Klingler, Elma Electronic: »Touchdisplays und elektromechanische Eingabemöglichkeiten bilden eine gute Kombination.«
© Elma Elctronic

Neben der Luft- und Raumfahrt (bzw. dem Transport) ist hier der Markt für Medizingeräte ein topaktuelles Beispiel: Der Drehregler bietet eine wesentlich schärfere Auflösungsebene und ermöglicht somit präzisere Schalteingaben. Außerdem lassen sich Geräte während einer Krankenwagenfahrt über unbefestigte Wege mit ihm bedeutend präziser bedienen als mit einem Touchdisplay. Kommt es sogar hart auf hart und das Touchdisplay fällt aus, ist immer noch der Drehregler als intuitiv bedienbares Eingabegerät verfügbar. Die Möglichkeit eines haptischen Feedbacks gibt dem Bedienpersonal auch hier mehr Sicherheit im Umgang. Generell geht es aber auch darum, durch flexible Konfigurationen unterschiedliche Situationen zu reflektieren. Wir sehen somit Touchdisplays und elektromechanische Eingabemöglichkeiten immer seltener als Konkurrenten, sondern vielmehr als ideale Ergänzungen zueinander.«

Genz Dominik
Dominik Genz, N&H Technology: »Die Verbindung von Touchscreen und Folientastatur wird durch eine hochtransparente Klebeschicht realisiert.«
© N&H Technology

Dominik Genz, Technischer Leiter von N&H Technology: »Wenn mehr Funktionalität oder ein komplexeres Bedienmenü erwünscht sind, lässt sich eine Kombination von Folientastatur und moderner Touchscreen-Lösung einsetzen. Das zusätzliche Tastenfeld neben dem Touchscreen fördert eine benutzerfreundliche Menüführung, indem Eingabebefehle oder voreingestellte Parameter einfach und übersichtlich abrufbar sind. Dafür werden Sichtfenster in die Folientastatur integriert, die sich je nach Anforderung individuell spezifizieren lassen. Die Verbindung von Touchscreen und Folientastatur wird durch eine hochtransparente Klebeschicht realisiert.

Eine ähnliche Kombination ist auch mit einer Silikonschaltmatte möglich. Dabei wird das Tastenlayout direkt auf einen Kunststoffrahmen als Frontrahmen aufgespritzt. Somit entsteht ein optimaler Verbund zwischen den beiden Komponenten und eine vollständig geschlossene Oberfläche. Display und die Elektronik werden in einem weiteren Bearbeitungsschritt mit dem entstandenen Rahmen kombiniert. Vorteil der Mehrkomponentenspritzguss-Technik ist, dass nur ein Bauteil konstruiert werden muss. Dies verringert die Investitionen in und den Aufwand für Produktion und Qualitätssicherung wesentlich.«

Fleischer Frank
Frank Fleischer, Rafi: »Die Zukunft der industriellen Eingabetechnik besteht aus einer Kombination aus Touchscreen-Eingabe und integrierten elektromechanischen Bedienelementen.«
© Rafi

Frank Fleischer, Head of Technology & Innovation bei Rafi: »Die Zukunft der industriellen Eingabetechnik besteht aus einer Kombination aus dynamischer und flexibler Touchscreen-Eingabe einschließlich integrierten elektromechanischen Bedienelementen. Touchdisplays machen die Anzeige- und Bedieneinheit sehr flexibel; es fehlt allerdings an Bediensicherheit, Taktilität und Präzision bei der Steuerung von Maschinen und Anlagen.

Mithilfe taktiler Bedienelemente, die direkt auf der Touch-Oberfläche appliziert werden, ist es möglich, elektromechanische Eingabeelemente durch flexiblen Display-Inhalt dynamisch zu konfigurieren. Zudem bekommen Bediener die gewohnte greifbare Taktilität zur Maschinensteuerung. Vor allem für Anwendungen, bei denen Blindbedienung ein wichtiges Kriterium ist, ist eine solche Kombination aus Touchscreen und Elektromechanik eine ideale Lösung. Dies trifft sowohl bei der Maschinensteuerung und bei Fahrzeugen als auch in der Medizin zu. Die Integration ist ideal anpassbar für jegliche Applikationen, weil die Bedienelemente flexibel in Anzahl und Position auf dem gesamten Touchscreen platzierbar sind. Auch Design und Optik sowie das Rastverhalten lassen sich individuell anpassen.«


  1. Touchscreen und Taster – gemeinsam sind sie stark
  2. Kombination aus Touchscreen und Elektromechanik oft die ideale Lösung

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