Liefersituation bei Passiven angespannt

„Bestellungen für das 2. Quartal 2022 sind ein Muss“

15. Juli 2021, 13:18 Uhr | Engelbert Hopf
Die TDK Corporation hat MLCCs mit Soft-Terminierung und geringem ESR entwickelt. Eine Schicht aus leitfähigem Kunstharz auf den Anschluss-Elektroden sorgt bei der neuen CN-Serie für eine hohe mechanische Robustheit zum Schutz vor Leiterplattenverwind
© TDK/Epcos

Hersteller passiver Bauelemente sind auch zu Beginn des 3. Quartals 2021 mit einer massiven Nachfrage konfrontiert, wie eine aktuelle Umfrage von Markt&Technik ergab.

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Lokale Lockdowns in Indien, Taiwan, Vietnam, Malaysia und Singapur haben die Situation zuletzt zusätzlich verschärft. Aus Sicht von Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, “sichert sich heute schon ein großer Teil unserer Kunden im Hinblick auf zukünftige Bedarfe ab“. Für TDK sei es damit schwer einzuschätzen, welche Mengen wirklich in die Produktion, und welche zur Absicherung ins Vorratslager gehen.

„Aktuell können wir einfach nicht abschätzen, wann eine Beruhigung der Situation eintreten wird“, sagt Alexander Gerfer, CTO Würth Elektronik eiSos, „geprägt wird die aktuelle Situation durch weiter steigende Rohmaterialkosten, begrenzte und somit teure Frachtkapazitäten und nationale Lockdowns“. Eine langfristige und verbindliche Bedarfsplanung sei damit ein Muss! Das unterstreicht auch Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe: „Wir sind jetzt bereits in den Verhandlungen für die Kapazitätsreservierungen für 2022.“ Sauer: „Unsere Bedarfsmeldungen aus dem Markt für 2022 liegen 30 Prozent über den diesjährigen.“

Ähnlich die Aussage von Rüdiger Scheel, Vice President Mobility bei Murata Europe: „Wir treffen zurzeit bereits mit vielen Kunden Mengenvereinbarungen für 2022. Als Weltmarktführer im Automotive-Bereich haben wir hier eine besondere Verantwortung für eine faire Verteilung der 2022 zur Verfügung stehenden Produktionskapazitäten.“ Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay, setzt für 2022 auf weltweite Kapazitätserweiterungen. „Hinzu kommt, dass wir uns in einem zyklischen Industrieumfeld bewegen, und es somit auch zu einer Normalisierung des Marktes in den nächsten Quartalen kommen kann“, so seine Hoffnung.

Anton Roth, Leiter Vertrieb Bauelemente bei der Isabellenhütte Heusler rechnet mit einer sukzessiven Entspannung der Marktsituation ab dem zweiten Halbjahr 2022. Aus heutiger Sicht hält er es für dringend geboten, jetzt schon Bestellungen für das 1. und 2. Quartal 2022 zu tätigen. Das sieht so auch Asushi Omoto, Geschäftsführer von Susumu Deutschland: „Bestellungen für das 1. und 2. Quartal 2022 sind jetzt auf jeden Fall ein Muss!“ Stefan Sutalo, Director Product Marketing Passive Components bei Rutronik, stellt ganz klar fest: “Für das 1. Quartal 2022 kann es mit Bestellungen heute schon zu spät sein, da Lieferzeiten über 30 Wochen heute Standard sind. Bestellungen für das 2. Quartal 2022 sind noch möglich, müssen aber schnellstens geschehen!“

Thomas Heel, Head of Sales Central Europe bei der zur Yageo-Gruppe gehörenden Kemet Electronics, warnt angesichts der aktuellen Marktsituation vor Fehleinschätzungen: „Es ist derzeit sicherlich nicht ratsam, in der angespannten Marktsituation Mengen zu stornieren oder zu verschieben, da sonst bei einem erneuten Bedarfsanstieg die notwendigen Priorisierungen nicht mehr möglich sein werden.“

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Stefan Sutalo, Rutronik: „Bestellungen für das 1. Quartal 2022 können heute schon zu spät sein. Bestellungen für das 2. Quartal 2022 sind aus heutiger Sicht noch machbar, müssen aber schnellstens geschehen.“
© Rutronik

Der Schlüssel zur Entspannung der Lieferkette, darin sind sich alle einig, liegt im Aufbau zusätzlicher Produktionskapazitäten. Aktuell dürften sich die weltweiten Investitionen dazu für die Jahre 2021/22 im niedrigen einstelligen Milliarden-Dollar-Bereich bewegen, wie eine aktuelle Umfrage von Markt&Technik ergab. „Der aktuelle Boom ist nachhaltig, er speist sich nicht nur aus einem einzelnen, stark wachsenden Wirtschaftszweig oder einer geografischen Region“, so TDK-Manager Vissing, „für den nötigen Kapazitätsaufbau nehmen wir ordentlich Geld in die Hand“. Jedoch: „Fallweise ist die Verfügbarkeit von Fertigungsmaschinen und Rohmaterialien beeinträchtigt.“

Murata, Marktführer in vielen Produktsegmenten passiver Bauelemente, investiert nach Darstellung von Manager Scheel, jährlich zwischen ein und 1,5 Milliarden Euro in den Fertigungsausbau - aktuell vor allem in China, Thailand, Malaysia und den Philippinen für MLCCs, Induktivitäten und EMI-Filter. „Je nach Produkt und Markterwartung wächst die Fertigungskapazität jährlich um zehn bis 20 Prozent.“

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  2. Allseits große Investitionen


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