Umfrage bei passiven Bauelementen

Droht der perfekte Sturm?

22. Januar 2021, 09:06 Uhr | Engelbert Hopf
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Im Windschatten der Halbleiterlieferprobleme im Automotive-Bereich deutet sich auch eine Verknappung bei den passiven Bauelementen an. Einige Experten erwarten für das erste Halbjahr 2021 eine noch größere Allokation als 2017 bis 2019.

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VW, Audi, Daimler, Hella – den ersten Automobilbauern und ihren Zulieferern gehen die Halbleiter aus. Grund dafür: Unter dem Eindruck der Lockdowns in den Automobilwerken und der folgenden Absatzeinbrüche orientierten sich viele Halbleiterhersteller im letzten Jahr offensichtlich auf die besser laufende Konsumelektronik um. Mit der Konsequenz, dass nun offenbar die Produktionskapazitäten für die wieder besser laufenden Kunden im Automobil- und Automotive-Bereich fehlen. Konsequenz dieser Situation: Deutsche Automobilbauer und ihre Zulieferer müssen Kurzarbeit beantragen und ihre Produktionen drosseln oder zur Stop-and-Go-Produktion übergehen.

Traditionell folgen Lieferproblemen im Halbleiterbereich mit einem gewissen Zeitversatz auch die passiven Bauelemente nach. Wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik bei Anbietern passiver Bauelemente auf dem deutschen Markt zeigt, scheint das auch dieses Mal der Fall zu sein. Auch in der Argumentation gibt es gewisse Parallelen zur Halbleiterwelt. »Automotive war bei Bourns mit –50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im 2. Quartal am stärksten betroffen«, erinnert sich Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns; »gleichzeitig begann unser Business in Asien mit Produkten für Notebooks und Tablets massiv anzusteigen«.

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Josef Vissing, TDK: »Momentan sehen wir zwar steigende Lieferzeiten, aber noch keine wesentliche Verknappung am Markt. Allerdings führt die angespannte Situation auf den Transportwegen zu kurzfristigen Lieferverzögerungen und erhöhten Transportkosten.« 
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Thomas Schmidt, Marketing Manager Passive bei Avnet Abacus, beschreibt die aktuelle Situation am Markt so: »Aus meiner Sicht kommt es derzeit am Markt zur Addition folgender Faktoren: steigende Lieferzeiten bei den Herstellern, die Auslastung der Transportwege sowie die kurzfristige Steigerung der Kundenbedarfe.« Als Konsequenz dieser Entwicklung rechnet nicht nur er mit einer Verschärfung der allgemeinen Liefersituation. Die Frage, ob die Produktionen speziell in Asien nicht unter dem Eindruck der Auswirkungen der Corona-Pandemie vielleicht zu langsam wieder hochgefahren wurden, verneinen die Befragten. »Die meisten Hersteller haben in den letzten Jahren massiv in den Kapazitätsausbau investiert«, versichert etwa Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay.

Gleichwohl macht eine Mehrheit der Befragten unmissverständlich deutlich, dass die Lieferprobleme im Bereich passiver Bauelemente nicht erst kommen werden, sondern bereits da sind. »Wir sind bereits mitten in Versorgungsproblemen«, stellt etwa Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe, fest. »Bislang war das meist noch auf kleine Bauformen limitiert, doch Automotive ist in den letzten Wochen stark zurückgekommen, deshalb wird das dann jetzt auch auf die großen Bauformen durchschlagen.« – »Aktuell sehen wir bereits bei Widerständen und teilweise auch bei Auto-MLCCs eine stark wahrnehmbare Erhöhung der Lieferzeiten«, bestätigt auch Uwe Reinecke, Regional Vice President Sales TTI Europa. »Auch die Hersteller von Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren und Induktivitäten sind sehr gut ausgelastet.«

Aus Sicht von Annette Landschoof, Produktmanager bei Schukat electronic, »kann es punktuell genau in den Bereichen wieder zu Engpässen kommen, die sich bereits im Zeitraum von 2017 bis ins 2. Quartal 2019 in Allokation befunden haben«. Während die einen bereits wieder das Wort Allokation bemühen und davon ausgehen, dass sich das Thema im ersten Halbjahr 2021 auf dem deutschen Markt noch verschärfen wird, sehen andere wie etwa Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, »momentan zwar steigende Lieferzeiten, aber noch keine wesentliche Verknappung am Markt«. Die derzeit angespannte Situation auf den Transportwegen vor allem von Asien nach Europa führt jedoch aus seiner Sicht »zu kurzfristigen Lieferverzögerungen und erhöhten Transportkosten«.

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Annette Landschoof, Schukat electronic: »Es kann punktuell zu Engpässen in den Bereichen kommen, die sich schon im Zeitraum von 2017 bis ins 2. Quartal 2019 in Allokation befunden haben.«
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Die Kette der aktuellen Herausforderungen im Bereich passiver Bauelemente umfasst aber nicht nur die Produktion und den Vertrieb der Bauteile; naturgemäß rückt mit deutlich steigender Nachfrage auch wieder das Thema Rohstoffe in den Fokus. »Rohmaterialien sind so knapp geworden«, berichtet Thomas Heel, Sales Director Central Europe bei Kemet, »dass sich dort Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich ergeben haben«. Für Heel ist klar, »dass der Nachfrageaufschwung auch spürbare Auswirkungen auf die Kostensituation haben wird«.

Klar ist auch, dass die Bedarfssteigerungen in Asien in den nächsten Monaten kaum zurückgehen dürften. »Viele unserer asiatischen Hersteller haben nach wie vor eine sehr hohe Fertigungsauslastung durch massiven Auftragseingang aus China und Korea«, so Falko Ladiges, Teamleader PEMCO bei WDI, »und dieser Bedarf kommt dort aus den Bereichen 5G, IoT, Smart Home und der Automobilbranche«. »Der frühe Aufschwung in China schlägt auf die Versorgung bei uns durch«, so Jens Mollitor, CTO von Endrich Bauelemente. »Die neue Allokation scheint aktuell größer angelegt als die letzte zu sein.« Die nächsten Wochen dürften deshalb nach seiner Einschätzung »schwierig bleiben«.

Massive Bedarfssteigerungen in Asien, steigende Rohstoffpreise, mit maximaler Auslastung laufende Produktionswerke, und dann noch die „Knappheit“ bei den Frachtcontainern. Auf die deutlich später als Asien wieder in die Spur findende deutsche Elektro- und Elektronikbranche mit ihren Bedarfen könnte so etwas wie der perfekte Sturm zukommen. Alexander Gerfer, CEO der Würth Elektronik eiSos, dürfte deshalb mit seinem dringenden Appell an die Kunden stellvertretend für alle in der Branche stehen: »Es muss von Kundenseite wieder langfristiger geplant werden!«

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