Herstellerumfrage Gehäuse

Vom passiven Behälter zur aktiven Kühlkomponente

6. Juli 2026, 06:36 Uhr | Corinne Schindlbeck
Gehäuse mit passiver Kühlung: Die Nachfrage nach integrierten Lösungen in Kombination mit Simulation ist spürbar gestiegen.
© Phoenix Contact

Früher bestand die Aufgabe eines Elektronikgehäuses vor allem darin, die empfindliche Elektronik zu schützen. Heute entscheidet es über Thermomanagement, Zuverlässigkeit und sogar den Entwicklungsprozess eines Geräts, wie eine Umfrage unter fünf Herstellern zeigt.

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Energieversorgung, Netzausbau, erneuerbare Energien, Smart Grids, Wasser- und Umwelttechnik, industrielle Automatisierung sowie Verkehrs- und Infrastrukturprojekte zählen nach Einschätzung der befragten Hersteller zu den wichtigsten Wachstumsmärkten der kommenden Jahre. Hinzu kommen Anwendungen aus den Bereichen Digitalisierung, Industrial IoT und zunehmend auch Defence. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll. Die Investitionsbereitschaft vieler Kunden ist verhalten, die schwache Konjunktur und geopolitische Unsicherheiten erschweren die Planbarkeit. Stefan Wöhr, Geschäftsführer der Wöhr GmbH, bringt die Situation auf den Punkt: »Der Gehäusemarkt bewegt sich aktuell in einem schwierigen und schwer planbaren Umfeld.«

Ralf Bißmeier, Produktmarketingmanager von Phoenix Contact

Ralf Bißmeier, Produktmarketingmanager von Phoenix Contact

© Phoenix Contact

Langfristig überwiegen jedoch die Wachstumschancen. Neue Anwendungen stellen deutlich höhere Anforderungen an Elektronikgehäuse – etwa hinsichtlich Schutzart, Thermomanagement, Hygiene, EMV oder Designintegration. Gerade anspruchsvolle Industrieanwendungen treiben diese Entwicklung voran.

Das zeigt sich auch innerhalb der Phoenix-Mecano-Gruppe. Während Bopla auf modulare Gehäuseplattformen, Design und Customizing setzt – das Gehäusesystem BoVersa lässt sich aus Standardkomponenten in mehr als 600 Varianten konfigurieren –, konzentriert sich Rose Systemtechnik auf robuste Industriegehäuse für raue Einsatzbedingungen. Dazu zählen unter anderem Defence-Anwendungen mit hohen Anforderungen an mechanische Stabilität, Korrosionsschutz, EMV-Schirmung und thermisches Management sowie Projekte in der Energieversorgung, Wasser- und Umwelttechnik oder Verkehrsinfrastruktur. Zusätzliche Impulse erwartet Rose von der Modernisierung industrieller Anlagen und der fortschreitenden Digitalisierung von Produktions- und Versorgungsprozessen.

Stefan Wöhr, Richard Wöhr GmbH

Stefan Wöhr, Geschäftsführer Richard Wöhr GmbH.

© Richard Wöhr GmbH

Auch Stefan Wöhr sieht die größten Chancen in anspruchsvollen Industrieanwendungen. Dort steigen die Anforderungen an Kühlung, hohe Schutzarten, hygienegerechte Konstruktionen sowie integrierte Bedien- und Designkonzepte kontinuierlich.

Ähnlich bewertet Kay Hirmer von OKW die Entwicklung. Er beobachtet eine »leicht steigende Entwicklung der Umsätze«. Die Nachfrage nach Industriegehäusen wachse vor allem in der Prozessautomatisierung, Logistik, Sicherheits-, Umwelt- und Medizintechnik. Gehäuse entwickelten sich dabei von passiven Schutzhüllen zu energieeffizienten und digitalisierten Systemkomponenten, die das Thermomanagement aktiv unterstützen.

Auch Phoenix Contact berichtet von einer steigenden Nachfrage in den Kernmärkten. Gleichzeitig gewinnen modulare Gehäuseplattformen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Schaltschranks an Bedeutung. Durch die Kombination von Gehäuse, Anschlusstechnik und Bedienelementen entstehen komplette Systemlösungen, die den Entwicklungsaufwand auf Kundenseite reduzieren.

So unterschiedlich die Zielmärkte der Hersteller auch sind – die technischen Herausforderungen ähneln sich zunehmend. Elektronik kommt heute deutlich häufiger im Außenbereich, in Energieanlagen, Verkehrsinfrastrukturen oder anderen anspruchsvollen Industrieumgebungen zum Einsatz. Hohe Schutzarten, Korrosionsbeständigkeit, EMV, Temperaturwechselbeständigkeit und eine lange Lebensdauer gehören deshalb längst zu den Grundanforderungen moderner Geräte.

Damit verändert sich auch die Rolle des Elektronikgehäuses grundlegend. Es schützt nicht mehr nur die Elektronik, sondern übernimmt zunehmend Funktionen, die Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Entwicklungsaufwand eines Geräts unmittelbar beeinflussen. Früher folgte das Gehäuse der Elektronik. Heute entstehen Elektronik, Thermik und Gehäuse zunehmend gemeinsam.

Andreas Metten, Leiter Konstruktion und Entwicklung bei Rose Systemtechnik

Andreas Metten, Leiter Konstruktion und Entwicklung bei Rose Systemtechnik

© Rose Systemtechnik

Thermomanagement wird zur Entwicklungsaufgabe

Am deutlichsten zeigt sich dieser Wandel beim Thermomanagement. Steigende Leistungsdichten, KI-Anwendungen, Hochvolttechnik und immer kompaktere Bauformen führen dazu, dass auf immer kleinerem Bauraum deutlich mehr Verlustwärme entsteht. Gleichzeitig erschweren hohe Schutzarten und geschlossene Gehäusekonzepte den Einsatz nachträglich integrierter Kühlsysteme. Damit rückt die Wärmeabfuhr bereits in einer frühen Phase der Geräteentwicklung in den Fokus.

Für die befragten Hersteller ist die Entwicklung eindeutig. Das Elektronikgehäuse wird zunehmend selbst zum Bestandteil des thermischen Gesamtkonzepts.

Andreas Metten, Leiter Konstruktion & Entwicklung bei Rose Systemtechnik, bringt diesen Wandel auf den Punkt: »Das Industriegehäuse hat sich vom passiven Behälter zur aktiven Kühlkomponente entwickelt.«

Früher seien Elektronik und Gehäuse weitgehend unabhängig voneinander entwickelt worden. »Vor einigen Jahren haben Elektronikentwickler ihre Einbauten fertiggestellt und wir sollten am Ende eine Box drumherum bauen. Wenn es zu heiß wurde, hat man einfach einen Lüfter nachgerüstet. Das funktioniert heute weder im Ex-Bereich noch bei HV-PDUs in Fahrzeugen.«

Stattdessen wird das Gehäuse selbst Teil des Wärmepfads. »Das Gehäuse ist heute die primäre thermische Schnittstelle zur Umgebung. Wir nutzen die Gehäusestruktur selbst als Kühlkörper (...) und koppeln Leistungselektronik über Thermal Interface Materials direkt an die Außenhaut an«, erläutert Metten.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Stefan Wöhr. Das Gehäuse sei heute fester Bestandteil des thermischen Gesamtdesigns und trage wesentlich dazu bei, Funktion und Lebensdauer der verbauten Komponenten sicherzustellen. Es sei damit längst mehr als ein Schutz- oder Designelement, sondern ein funktionaler Bestandteil des gesamten Gerätekonzepts.

Bopla verfolgt dafür einen Materialmix aus Kunststoff und Aluminium. Nach Angaben von Vertriebs- und Marketingleiter Thomas Lüke lassen sich hohe Schutzarten und eine effiziente passive Wärmeabfuhr in vielen Anwendungen wirtschaftlich nur mit Aluminium realisieren. Das Entwicklungsprinzip beschreibt er prägnant mit den Worten: »Nach vorne funken und nach hinten kühlen.« Ergänzend entwickelt das Unternehmen transparente Gehäuseheizungen, um Beschlag und Kondensation auf Displays oder Kamerasystemen zu verhindern.

Thomas Lüke, Bopla

Thomas Lüke, Bopla

© Bopla

Auch Phoenix Contact beobachtet den Trend zu integrierten passiven Kühllösungen. Nach Angaben von Produktmarketingmanager Ralf Bißmeier lassen sich insbesondere bei Steuerungsmodulen durch passive Entwärmung sowie eine optimierte Anordnung der Bauteile auf Leiterplatte und Gerät deutliche thermische Vorteile erzielen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach thermischen Simulationen und Kühllösungen, die bereits früh in die Geräteentwicklung einbezogen werden.

Ähnlich argumentiert OKW. Dort entwickelt sich das Gehäuse von der klassischen Schutzhülle zu einer funktionalen Systemkomponente. Aluminiumgehäuse übernehmen je nach Anwendung gleichzeitig die Funktion eines Kühlkörpers oder unterstützen die Wärmeabfuhr durch eine gezielte Luftführung.

Die Aussagen der Hersteller führen zu derselben Schlussfolgerung: Das Elektronikgehäuse wird heute nicht mehr allein nach mechanischen Kriterien ausgewählt. Material, Geometrie, Einbausituation und Wärmeabfuhr werden von Beginn an gemeinsam betrachtet – und beeinflussen die Auslegung des gesamten Geräts.

Der Entwicklungsprozess verändert sich

Mit der wachsenden Bedeutung des Thermomanagements verändert sich auch der Entwicklungsprozess. Während früher zunächst Elektronik und Mechanik ausgelegt und anschließend ein passendes Gehäuse ausgewählt wurden, fließen thermische Anforderungen heute bereits in der Konzeptphase in die Konstruktion ein. Darin sind sich alle befragten Hersteller einig.

Andreas Metten, Leiter Konstruktion und Entwicklung bei Rose Systemtechnik, sieht darin einen grundlegenden Wandel: »Absolut, und zwar ganz am Anfang der Konzeptionsphase. Der Grund ist simpel: Wenn man thermische Probleme erst im Prototypenstadium feststellt, ist es meist zu spät für grundlegende Änderungen.« Nachträgliche Optimierungen hätten weitreichende Folgen. »Eine im Nachhinein hinzugefügte aktive Kühlung ruiniert oft das Packaging, das Gewicht, das Ex-Schutz-Zertifikat und natürlich die Kostenkalkulation.«

Auch Phoenix Contact beobachtet diesen Trend. Nach Angaben von Produktmarketingmanager Ralf Bißmeier werden thermische Anforderungen heute deutlich früher berücksichtigt, um aufwendige Änderungen im späteren Entwicklungsverlauf zu vermeiden. Thermische Simulationen und passive Entwärmungskonzepte unterstützen dabei bereits in einer frühen Projektphase die Auslegung des Geräts.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Stefan Wöhr. Leistungsfähigere Komponenten, höhere Rechenleistungen und steigende Verlustleistungen auf immer kleinerem Bauraum machten eine frühzeitige thermische Auslegung unverzichtbar. Würden thermische Fragestellungen erst spät berücksichtigt, seien konstruktive Änderungen, zusätzliche Kosten und Verzögerungen häufig die Folge. Deshalb empfiehlt das Unternehmen, mechanisches Konzept, Einbausituation und späteres Einsatzumfeld von Beginn an gemeinsam zu betrachten und die Entwicklung durch Evaluierungstests zu begleiten.

Hinzu kommen regulatorische Anforderungen. Neue Normen beeinflussen heute nicht nur Konstruktion und Materialauswahl, sondern ebenso Dokumentation, Nachweisführung und Wirtschaftlichkeit eines Produkts. Stefan Wöhr bringt den Entwicklungsalltag auf den Punkt: »Spannend wird es immer dann, wenn technische Funktion, Normenkonformität, gutes Design und wirtschaftliche Herstellung gleichzeitig gefordert sind.«

Robuste Kunststoffgehäuse mit hohem IP-Schutz von OKW

Robuste Kunststoffgehäuse mit hohem IP-Schutz von OKW

© OKW

Rose Systemtechnik nennt dafür konkrete Beispiele. Anwendungen in explosionsgefährdeten Bereichen oder Hochvoltsysteme stellen hohe Anforderungen an Dichtigkeit, mechanische Stabilität und thermische Auslegung. Gleichzeitig müssen hermetisch geschlossene Gehäuse erhebliche Verlustleistungen sicher abführen. Daraus entstehen neue Lösungen wie integrierte Fluid-Kühlkanäle oder Membranen zum Druckausgleich.

Die Hersteller zeichnen damit ein klares Bild: Thermomanagement ist heute keine nachgelagerte Optimierungsaufgabe mehr, sondern integraler Bestandteil der Geräteentwicklung. Materialwahl, Gehäusegeometrie, Bauteilanordnung, Schutzart und Wärmeabfuhr beeinflussen sich gegenseitig und müssen von Beginn an gemeinsam betrachtet werden. Das Gehäuse wird damit zum verbindenden Element zwischen Mechanik, Elektronik, Thermik und Zulassung.

Standard reicht nicht mehr

Die gestiegenen technischen Anforderungen verändern auch die Gehäusekonzepte. Statt starrer Standardgehäuse setzen die Hersteller zunehmend auf modulare Plattformen, die sich mit vergleichsweise geringem Aufwand an unterschiedliche Anwendungen anpassen lassen. Mechanische Bearbeitungen, individuelle Oberflächen, integrierte Bedien- und Anzeigeelemente sowie projektspezifische Anpassungen gehören heute zum Standardangebot.

Stefan Wöhr beobachtet eine wachsende Nachfrage nach solchen modularen Konzepten. Ziel sei es, Kunden »keine reine Katalogware, sondern eine Gehäuselösung, die technisch und optisch zu ihren Anwendungen passt« anzubieten.

Auch Phoenix Contact setzt auf hochmodulare Gehäuseplattformen für Anwendungen innerhalb und außerhalb des Schaltschranks. Durch die Kombination von Gehäuse, Anschlusstechnik und Bedienelementen entstehen komplette Gerätesysteme, die den Entwicklungsaufwand auf Kundenseite reduzieren. »Der Anwender kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren.«

Bei Bopla zeigt sich der Plattformgedanke besonders deutlich. Das Gehäusesystem BoVersa lässt sich aus Standardkomponenten in mehr als 600 Varianten konfigurieren und anschließend durch mechanische Bearbeitung, Bedruckung oder weitere Individualisierungsmaßnahmen an die jeweilige Anwendung anpassen. Gleichzeitig gewinnt nach Angaben des Unternehmens auch das Produktdesign zunehmend an Bedeutung.

Rose Systemtechnik beobachtet ebenfalls einen klaren Trend weg von Standardgehäusen hin zu applikationsspezifischen Modifikationen. Häufig nachgefragte Sonderlösungen übernimmt das Unternehmen schrittweise in sein Standardportfolio. Das verkürze Entwicklungs- und Lieferzeiten und erhöhe zugleich die Verfügbarkeit.

Auch OKW sieht die Individualisierung bestehender Gehäuseplattformen als einen der wichtigsten Markttrends. Gleichzeitig gewinnen robuste Werkstoffe, hohe Schutzarten sowie großzügige Bearbeitungsflächen für Steckverbinder, Displays und Schnittstellen weiter an Bedeutung.

Bemerkenswert ist die große Übereinstimmung der Hersteller. Weder vollständig kundenspezifische Entwicklungen noch klassische Standardgehäuse gelten künftig als Königsweg. Stattdessen entstehen modulare Plattformen, die sich durch mechanische Bearbeitung, Systemintegration und projektspezifische Anpassungen flexibel auf unterschiedliche Anwendungen zuschneiden lassen.

PrioLine Kühlkörpergehäuse von Wöhr

PrioLine-Gehäuse von Wöhr können auf Wunsch mit einem oder mehreren Kühlkörpern ausgestattet werden.

© Richard Wöhr GmbH

Für Gerätehersteller bietet dieser Ansatz gleich mehrere Vorteile: Entwicklungszeiten verkürzen sich, Werkzeugkosten sinken und individuelle Anforderungen an Funktion, Design und Integration lassen sich dennoch wirtschaftlich umsetzen. Das Gehäuse entwickelt sich damit zunehmend zu einer Plattform für die Geräteentwicklung.

Das Gehäuse übernimmt immer mehr Funktionen

Beim Blick auf die kommenden Jahre zeichnen die Hersteller ein bemerkenswert einheitliches Zukunftsbild. Das Elektronikgehäuse entwickelt sich weiter von der passiven Schutzhülle zu einer funktionalen Systemkomponente. Neben Schutz und Wärmeableitung übernimmt es künftig zunehmend zusätzliche Aufgaben – von integrierter Sensorik über intelligente Kühlkonzepte bis hin zu neuen Werkstoffen mit erweiterten Funktionseigenschaften.

Bopla erwartet, dass sich Gehäuse »immer stärker zu einem integralen Bestandteil der Anwendung« entwickeln. Als Beispiele nennt das Unternehmen integrierte Beleuchtungssysteme zur Anzeige von Betriebszuständen, optimierte Rippengeometrien für die passive Wärmeabfuhr sowie Kühlkanäle, die bereits in die Gehäusestruktur integriert werden. Thomas Lüke bringt diese Entwicklung auf den Punkt: »Das Gehäuse entwickelt sich damit von einer reinen Schutz- und Montagekomponente hin zu einer aktiven Schnittstelle zwischen Technik, Anwender und Umgebung.«

Auch Rose Systemtechnik sieht den Funktionsumfang weiter wachsen. Andreas Metten erwartet intelligente Gehäuse mit integrierter Sensorik für Temperatur, Feuchtigkeit und Druck sowie Hybrid-Kühlkonzepte, die passive und aktive Kühlverfahren kombinieren. Solche Systeme sollen künftig die Grundlage für Predictive-Maintenance-Konzepte bilden.

Phoenix Contact richtet den Blick auf neue Anwendungsfelder wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Cybersecurity und Energie-Resilienz. Mit der steigenden Komplexität elektronischer Systeme werden nach Einschätzung des Unternehmens auch die Anforderungen an Gehäuse weiter zunehmen.

Kay Hirmer, Strategisches Produktmanagement/Marketingleitung bei OKW Gehäusesysteme

Kay Hirmer, Strategisches Produktmanagement/Marketingleitung bei OKW Gehäusesysteme

© OKW Gehäusesysteme

OKW sieht die größten Innovationspotenziale bei den Werkstoffen. Leitfähige Kunststoffe und neue Materialkombinationen könnten künftig zusätzliche Funktionen übernehmen und beispielsweise EMV-Eigenschaften bereits durch den Werkstoff selbst bereitstellen. Gleichzeitig gewinnen Rezyklate und biobasierte Kunststoffe im Zuge der Kreislaufwirtschaft an Bedeutung.

Auch Stefan Wöhr nennt nachhaltige Werkstoffe und den Einsatz Künstlicher Intelligenz als wichtige Zukunftsthemen. KI-gestützte Entwicklungs- und Fertigungsprozesse könnten dazu beitragen, individuelle Kundenanforderungen schneller umzusetzen und Entwicklungszeiten weiter zu verkürzen.

Zwar beschäftigen sich alle Hersteller intensiv mit Nachhaltigkeit und neuen Werkstoffen. Im Mittelpunkt stehen derzeit jedoch vor allem höhere Leistungsdichten, zuverlässiges Thermomanagement, modulare Plattformkonzepte und kürzere Entwicklungszeiten. Nachhaltigkeit wird damit nicht als eigenständige Disziplin verstanden, sondern als Bestandteil leistungsfähiger und wirtschaftlicher Produktentwicklung.

Fazit

Das Elektronikgehäuse hat seine klassische Rolle als reine Schutzhülle endgültig hinter sich gelassen. Es beeinflusst heute Thermomanagement, EMV, Mechanik, Zulassung und Systemintegration gleichermaßen und wird bereits in der frühen Konzeptphase zum integralen Bestandteil der Geräteentwicklung. Gleichzeitig ersetzen modulare Plattformen zunehmend starre Standardgehäuse und schaffen die Grundlage für kürzere Entwicklungszeiten sowie wirtschaftliche Individualisierung.

Das Elektronikgehäuse ist damit längst nicht mehr nur Verpackung für Elektronik – es wird selbst zu einer aktiven Systemkomponente und entscheidet zunehmend über Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Entwicklungsaufwand moderner Geräte.

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