Kommentar

Abschied von der schnellen Markterholung

13. Mai 2020, 10:12 Uhr | Engelbert Hopf
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© Markt & Technik

Statt der erhofften V-Kurve der Wirtschaftsentwicklung nach dem Ende des Lockdowns wird es wohl eher eine U-Kurve mit langem Boden.

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In den letzten Wochen ging es vor allem um Maßnahmen zur Eindämmung der weltweiten Corona-Pandemie. Mit Hilfsmaßnahmen im Billionen-Bereich versuchten Regierungen rings um den Globus, in ihren jeweiligen Lockdown-Phasen ihre Wirtschaft am Leben zu erhalten. Nun, nachdem erste Lockerungen die Rückkehr zu einer Art von neuer Normalität einläuten, rücken die mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in den Vordergrund.

So verwundert es nicht, dass die Lager der Automobil- und Automotive-Hersteller gut gefüllt sind. Schließlich ruhte die Produktion für Wochen. Problematisch aber ist, dass sich kein schneller Wiederaufschwung abzeichnet. Zukunftsängste bremsen den Auto-Absatz. Darum wird sich das Hochfahren bis in den Juli hinein ziehen. Mit einem Einbiegen in einen Fertigungskorridor, der bei 70 bis 100 Prozent der Vor-Corona-Zeit liegt, wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte gerechnet.

Kurzarbeit und Homeoffice haben in Deutschland Infektionsszenarien wie in einigen anderen Ländern der Welt verhindert. Aber einen Produktionsausfall von sechs bis acht Wochen steckt auch die deutsche Wirtschaft nicht ohne Nachwirkungen weg. Dass die EU-Kommission in ihrer jüngsten Konjunkturprognose davon ausgeht, dass sich Deutschland mit einem Minus der Wirtschaftsleistung von 6,5 Prozent in diesem Jahr sehr gut schlägt, mag tröstlich sein. Das Niveau des Jahres 2019, so die EU-Kommission, wird aber auch die deutsche Wirtschaft erst Ende 2021 wieder erreichen.

Auch wenn sich Deutschland schneller erholen mag als andere Mitglieder der EU, wird kaum zu verhindern sein, dass aus einem Teil der heutigen Kurzarbeiter in den nächsten Monaten Arbeitslose werden. Erste Anzeichen dafür sind quer durch die deutsche Wirtschaft zu beobachten und betreffen auch Schwergewichte der jeweiligen Branche.

Massive, nachhaltige Einbrüche auf der Nachfrageseite werden sich nicht nur mit staatlichen Förderprogrammen wie einer Abwrackprämie ausgleichen lassen. Bleibt zu hoffen, dass die deutsche Wirtschaft, und mit ihr die Elektronikbranche, wie in der Vergangenheit gestärkt aus dieser Krise hervorgeht. Und dass der Wiederaufschwung, wenn er schon nicht schnell in Gestalt einer V-Kurve erfolgt, doch zumindest eine U-Kurve hat.

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