Lieferketten im Krisenmodus

Warum Einkauf plötzlich zur geopolitischen Schaltzentrale wird

16. April 2026, 14:48 Uhr | Karin Zühlke
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Geopolitische Spannungen katapultieren Einkauf und Supply Chain Management in eine neue strategische Rolle: Was früher primär Kosten-, Qualitäts- und Verfügbarkeitsfragen waren, entwickelt sich zu einem geopolitischen Steuerungsinstrument. Der BME bezieht Stellung.

Aus Sicht des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) ist die Lage eindeutig. Konflikte, Energiepreisschocks, unsichere Handelsrouten sowie steigende Transport- und Versicherungskosten treffen Unternehmen gleichzeitig – und verstärken sich gegenseitig. Diese Kumulation macht Risiken nicht nur schwer kalkulierbar, sondern oft auch kaum noch voneinander abgrenzbar.

„Einkauf und Supply Chain Management sind heute ein strategischer Stabilitätsfaktor“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg. Die Funktion entwickelt sich damit vom operativen Beschaffer zum zentralen Risikomanager für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Energie und Logistik werden zum Stresstest

Besonders deutlich zeigen sich die Verwerfungen bei Energie und Logistik. Hohe und volatile Energiepreise treiben die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zur Lagerhaltung. Parallel sorgen schwankende Frachtraten und steigende Risikoprämien für sinkende Planbarkeit.

Aktuelle geopolitische Brennpunkte wie die Straße von Hormus verdeutlichen, wie unmittelbar politische Spannungen auf Lieferketten durchschlagen. Für Einkaufsabteilungen bedeutet das: klassische Beschaffungslogik reicht nicht mehr aus. Gefragt sind geopolitisches Verständnis, belastbare Lieferantennetzwerke und konsequente Diversifizierung.

Einkauf fordert mehr Einfluss – und klare politische Leitplanken

Vor diesem Hintergrund fordert der BME, Einkauf und Supply Chain Management stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Unternehmen seien auf verlässliche energiepolitische Rahmenbedingungen, stabile Handelswege und resilienzfördernde Regulierung angewiesen.

Gleichzeitig treibt der Verband die internationale Vernetzung voran. Beim European Procurement & Supply Chain Excellence Summit 2026 in Berlin stehen geopolitische Verschiebungen und neue Handelsordnungen im Fokus. Parallel tagt die internationale Dachorganisation IFPSM.

Die Botschaft ist klar: In einer Welt wachsender Unsicherheiten wird der Einkauf zur strategischen Schlüsselfunktion – und zum Gradmesser für die Krisenfestigkeit von Unternehmen und ganzen Volkswirtschaften.


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