Die Elektronikdistribution verzeichnet laut FBDi e.V. im ersten Quartal 2026 einen deutlichen Aufschwung. Mit einem Umsatzplus von 10,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal und einem Book to Bill Index von 1,44 zeigt der Markt eine klare Belebung.
Besonders bemerkenswert ist der Anstieg des Auftragseingangs um 63,7 %, der auf eine spürbare Erholung und eine zunehmende Projektaktivität hinweist.
Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll: Sorgen über kapazitätsbedingte Verfügbarkeiten, fragile Lieferketten und ein globaler Elektronikmarkt, der laut WSTS im Februar 2026 um 61,8 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist, prägen die Lage. Insbesondere die Preisexplosionen im Memory Segment wirken sich unmittelbar auf den deutschen Markt aus.
„Der positive Trend aus dem späten Vorjahr setzt sich fort, getragen von stabilen Preisen und einer spürbaren Nachfragebelebung,“ konstatiert Andreas Falke, Geschäftsführer FBDi e.V. „Gleichzeitig nehmen die Sorgen über Verfügbarkeit und Lieferketten wieder zu. Globale Instabilität, regionale Konflikte und volatile Energiemärkte schaffen Unsicherheit, ohne jedoch das zugrunde liegende Wachstumspotenzial zu überdecken. Europa bleibt stärker an industrielle Anwendungen gebunden als an die KI getriebenen Nachfragewellen in den USA und Asien. Das macht unsere Entwicklung kontinuierlicher, sie bleibt dennoch anfällig für externe Schocks.
Die Halbleiter zeigten im ersten Quartal eine dynamische, aber hochvolatile Entwicklung. Mit 577,6 Mio. € Umsatz (+8,4 %) bleibt das Segment ein zentraler Wachstumstreiber. Besonders herausragend ist das Memory Segment, das mit +115,8 % nahezu explodierte. Die globale KI Nachfrage führt hier – ebenso wie bei Teilen der Logik Bauelemente – zu massiven Kapazitätsengpässen, steigenden Preisen und einem außergewöhnlich hohen Booking. Das spiegelt sich im Book to Bill von 1,62 wider, während Memory mit einem Wert von 3,42 und einem nahezu versechsfachten Auftragseingang (+590 %) alle historischen Vergleichswerte sprengt.
Auch Opto Bauelemente, MOS Micro und programmierbare Logik verzeichneten deutliche Zuwächse bei den Auftragseingängen von jeweils über 60 %.
Diese Dynamik ist zweischneidig: Neben den Auswirkungen der Preissteigerungen spielt auch strategische Bevorratung eine große Rolle. Für die kommenden Quartale sind daher erhebliche Marktverwerfungen möglich, sowohl nach oben als auch nach unten. Ob hier ein Ansteckungsrisiko für andere Produktgruppen entsteht oder eine Bremse für die weitere Marktentwicklung, bleibt offen.
Die IP&E Segmente präsentierten sich dagegen deutlich stabiler und weniger volatil. Mit einem Gesamtumsatz von 320,7 Mio. € (+11,8 %) und einem Book to Bill von 1,17 zeigt sich eine breit abgestützte Erholung.
Passive Bauelemente erzielten 137,4 Mio. € Umsatz (+11,8 %), getragen von einer soliden industriellen Nachfrage und einem Auftragseingang, der um 28,1 % zulegte.
Die Elektromechanik bleibt ein verlässlicher Wachstumspfeiler: 149,6 Mio. € Umsatz (+14,8 %), ein Book to Bill von 1,22 und ein Auftragseingang von +33,4 % unterstreichen die Bedeutung dieses Segments für Automatisierung, Energie und Gebäudetechnik.
Insgesamt zeigt IP&E ein robustes, nachhaltiges Wachstum, das stärker auf realen industriellen Anwendungen basiert und weniger von globalen Spekulationszyklen beeinflusst wird.
Die starken Auftragseingänge und die Erholung im zweiten Halbjahr 2025 bilden eine solide Grundlage für 2026, doch die Risiken bleiben erheblich: geopolitische Spannungen, volatile Lieferketten, ein KI Boom, der vor allem in den USA und Asien stattfindet, sowie steigende Anforderungen an Energie und Rohstoffsicherheit.
Gleichzeitig eröffnen sich neue Chancen – insbesondere in KI Infrastruktur, Defense & Aerospace, der Energie und Mobilitätswende sowie in Systemintegration und langlebigen Industrieanwendungen.
„Europa braucht Klarheit, Mut und gemeinsame Prioritäten, um seine industrielle Stärke aktiv in die Zukunft zu tragen“, betont Falke. „Das erste Quartal 2026 zeigt, dass der Markt wieder Tritt fasst. Jetzt gilt es, das aktuelle Momentum zu nutzen und die Basis für mehr Resilienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter zu stärken und eine bessere Position im globalen Wettbewerb zu entwickeln.“