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Warum Technologie heute demokratisiert ist

12. November 2020, 09:26 Uhr   |  Karin Zühlke

Warum Technologie heute demokratisiert ist
© EBV

Antonio Fernandez, EBV: »Die Kosten für das Integrieren von Elektronik in neue Produkte sind heute sehr niedrig, ebenso wie für die Entwicklung von Elektroniksystemen.«

Durch sinkende Kosten für Elektronikkomponenten und einfachen Zugang zum Know-how kann heute jeder die Möglichkeiten neuer Technologien für seine Produkte nutzen. Dazu Antonio Fernandez, Vice President Technical Development und Frank-Steffen Russ, Senior Director Market Segments, beide EBV.

Anlässlich der electronica virtual haben hat Markt&Technik die beiden Experten befragt: Inwieweit hat die Halbleitertechnik die Möglichkeiten der Technologie bzw. den Zugang dazu vereinfacht bzw. verändert?

Frank-Steffen Russ: Smarte Helferlein – vorneweg das Smartphone – sind ein gutes Beispiel, wie weit die Demokratisierung von Technologie heute geht. Neue Sharing-Konzepte, die über das Internet für jedermann und zu geringen Kosten Technologie zugänglich machen, wären ohne Halbleiter nicht denkbar.
Antonio Fernandez: Die Kosten für das Integrieren von Elektronik in neue Produkte sind heute sehr niedrig, ebenso wie für die Entwicklung von Elektroniksystemen. Unsere Fertigungspartner bieten ausgezeichnete, kostengünstige Entwicklungs-Tools, und auch wir als EBV unterstützen unsere Kunden dabei, neueste Technologien einfach, schnell und erfolgreich zu übernehmen.

Wie viel Halbleiter-High-Tech-Wissen muss eine Firma also vorhalten, um an den neuesten Trends partizipieren zu können?

Fernandez: Das für den Entwurf von Elektronik erforderliche Budget ist deutlich gesunken, selbst für hochkomplexe Halbleiter. Dennoch handelt es sich hierbei um eine Ingenieurwissenschaft, es ist weiterhin umfangreiches Know-how erforderlich. Das Entscheidende ist, dass es jetzt einfacher ist, sich das Know-how anzueignen. Man benötigt nur den richtigen Partner bei der Einführung der Technologie und Ingenieure, die motiviert sind, sich der Herausforderung zu stellen.

Wie begegnet die Halbleiterindustrie den immer kürzer werdenden Lebenszyklen, gerade bei smarten Produkten bzw. IoT-Anwendungen aus dem Consumer-Segment?

Russ: Guter Punkt, oft steigt zudem die Komplexität der Produkte. Für uns ist es hier wichtig, die Trends zu erkennen und entsprechend frühzeitig die technische Unterstützung für unsere Kunden zur Verfügung zu stellen. Die Anforderungen im IoT gehen aber oft über die reine Halbleiterlösung hinaus. Sprich, wir müssen in der Lage sein, uns in das Gesamtsystem des Kunden hineinzuversetzen und gleichzeitig das Angebot an Unterstützung zu erweitern. Zum Beispiel durch Module oder Referenzdesigns. Zudem müssen wir in den Bereichen Cloud Connectivity und Security die passenden Antworten kennen und die Kunden entsprechend unterstützen oder vernetzen.
Fernandez: Es geht aber nicht immer um Consumer-Produkte, die alle 18 Monate durch eine neue Generation ersetzt werden. Wir haben viele Kunden, die Produkte herstellen, die mehr als zehn Jahre lang voll funktionsfähig sein müssen – zum Beispiel in der Industrie, im Transportwesen oder in der Luft- und Raumfahrt. Wir bei EBV unterstützen daher auch Langlebigkeitsprogramme mit unseren Fertigungspartnern, die die Lieferung ausgewählter Schlüsselhalbleiter für mehr als zehn Jahre garantieren.

Und wie unterstützt nun EBV bei der Umsetzung neuer Produkte?

Russ: Wir haben mit unseren Marktsegmenten das Technologie- und Systemverständnis, um die Herausforderungen unserer Kunden in Halbleiterlösungen überzuführen. Zudem können wir Kunden mit geeigneten Partnern aus unserem Netzwerk zusammenbringen, um die Lösung zu industrialisieren. Dies gilt nicht nur für etablierte Unternehmen, sondern auch für Startup-Unternehmen.
Fernandez: Wir arbeiten mit verschiedenen anerkannten Designhäusern und Auftragsherstellern in ganz Europa zusammen. Zudem kooperieren wir mit Avnet Design Services, SoftWeb Solutions und Witekio, um Kunden ohne Elektronikerfahrung bei der Einführung neuester Technologien zu unterstützen – mit Hardware, Software, schlüsselfertigen Designs und der Lieferung einsatzbereiter Elektronikplatinen.

EBV entwickelt auch eigene Module und Kits – was ist für Sie der Treiber hinter diesem Engagement?

Russ: Immer öfter stehen unsere Kunden vor der Herausforderung, Themen kurzfristig aufzunehmen und umzusetzen. Hier bieten wir mit dem EBVchips-Ansatz verschiedene maßgeschneiderte Lösungen. Beispiel Heracles – ein GSM-Modul mit GNSS und inklusive Datenpaket. Die bis dato am Markt erhältlichen GSM-Module haben eines gemeinsam – der Kunde muss sich selbst intensiv um den Netz-Provider kümmern, mit diesem dann auch einen separaten Vertrag abschließen. Wäre es nicht besser, wenn dies bereits im Modul beinhaltet wäre? Einmal kaufen und dann vergessen – dies ist unser Ansatz, der für viele Anwendungen funktioniert. Egal ob Bike Tracking, landwirtschaftliche Sensoren, Statusanzeigen für Baumaschinen, Straßenbeleuchtung oder Serviceeinheiten für Verkaufsautomaten – um nur einige Anwendungen zu nennen.

Wie hat sich die Nachfrage nach solchen „Fertiglösungen“ entwickelt?

Fernandez: Die Komplexität von Halbleitern nimmt zu, und parallel dazu steigt die Nachfrage sowie die Verfügbarkeit von schlüsselfertigen Modulen. So haben die Kunden heute die Wahl, Module selbst herzustellen oder sie fertig zu kaufen. Für Ersteres sind wir der Distributor mit den wahrscheinlich besten technischen Ressourcen zur Unterstützung komplexer Designs. Für die wachsende Zahl von Kunden, die gebrauchsfertige Module kaufen wollen, bieten wir verschiedene Lösungen aus unserem Portfolio direkt an – oder wir können Kunden an zuverlässige Modulhersteller verweisen, mit denen wir zusammenarbeiten. Was die Entwicklungs-Kits betrifft, so hat sich das Ökosystem unserer Franchisepartner stark verbessert: Inzwischen gibt es Referenzdesigns, Entwicklungs-Tools und Demo-Boards für fast alles. Manchmal sehen wir auch einen Mehrwert darin, bestimmte neue Technologien von mehreren Herstellern in einem Demonstrationssystem zu kombinieren – dann machen wir auch das. Aktuell investieren wir stark in die IoT-Cloud-Service-Fähigkeit wichtiger Plattformen.

Wie wird dieses Angebot künftig noch erweitert?

Russ: Wir werden weiter unser Angebot um das Thema Vernetzung und IoT ergänzen. Der nächste Schritt ist die Erweiterung des Heracles-Programms in der dritten Generation mit einem integrierten Secure Element. Weitere Lösungen werden folgen.
Fernandez: Dazu werden schlüsselfertige Modullösungen in den Bereichen Leistungselektronik, eingebettete Prozessoren, KI und Edge Computing gehören.
Die Fragen stellte Karin Zühlke.

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