Messtechnik / Energiecharakteristik Ein Startup unter Experten?

Qoitechs Unternehmensgründerin Vanja Samuelsson beantwortete einige Fragen zur DESIGN&ELEKTRONIK-Preisverleihung »Innovator des Jahres«

#IdJ18-Preisträger Qoitech erfährt, für eine neuartige Testlösung auf dem etablierten Leistungsanalyse-Markt, erstaunlich viel Resonanz. Doch wie sieht der Anwendungsfall für das Testgerät tatsächlich aus?

DESIGN&ELEKTRONIK: Energieoptimierung wuchs zu einem zentralen Thema im Embedded-Segment und es existieren einige etablierte Testlösungen (z.B. Leistungsanalysatoren). Wieso treten Sie gerade auf diesem Markt mit einer Embedded-Eigenentwicklung auf?
Qoitech: Das Qoitech-Team hat seine Wurzeln im Mobilfunksektor, in dem die Energieoptimierung schon immer eine wichtige Rolle spielte, da der Wettlauf um eine immere effizientere Akkunutzung auf dem Mobilfunkmarkt entscheidend war und ist.

Unserer direkten Entwicklungserfahrung nach, ist es nicht so einfach, die bestmögliche Akkulaufzeit für ein Gerät zu gewährleisten. In den meisten Fällen ist die Energieoptimierung eine Aufgabe für einen Hardwareentwickler, der mit aufwändiger Laboreinrichtung und komplexen Messgeräten arbeiten kann. Unser Ziel war es, die Energieoptimierung von der Hardware- hin zur Softwareentwicklung zu verlagern.

Dazu ist ein kollaborativer Arbeitsablauf notwendig, in dem Messergebnisse mühelos ausgetauscht und sowohl aus Hard- als auch aus Softwaresicht, betrachtet werden können. Dafür haben wir uns nicht nur auf die allgemeine Bedienbarkeit konzentriert, sondern auch das Preisniveau im Auge behalten.

Letztendlich erlaubt Otii Arc das Studium der Energiecharakteristik an einem Schreibtischplatz. Diese neue Generation von Leistungsanalysatoren ist auch für Softwareentwickler mit kurzen Entwicklungszyklen adaptierbar.  

D&E: Welche Testschnittstellen und Hardwarefunktionalität bietet Ihre Lösung?
Qoitech: Die Hauptanschlüsse des Otii Arc arbeiten in zwei Modi: Spannungsquelle und Stromsenke. Als Stromsenke kann eine Batterie an die Messbuchsen angeschlossen und charakterisiert werden, wodurch ein Batterieprofil erstellt wird. Dieses Batterieprofil kann dann im Spannungsquellenmodus verwendet werden, wenn die Hauptanschlüsse mit dem Prüfling zur Stromversorgung verbunden sind.

Ein Erweiterungsstecker stellt einen zusätzlichen Spannungs-/Strommesskanal, digitale und analoge Ein- und Ausgänge und einen seriellen UART-Anschluss, über den Debug-Protokolle gesammelt und das Messobjekt gesteuert werden können.

Die gleichzeitige Erfassung von Spannungs- und Strommessungen ermöglicht es der Lösung, den Energieumsatz realistisch zu berechnen.

D&E: Könnten Sie einige generische Testaufgaben für Otii Arc skizzieren?  
Qoitech: Ein typischer Anwendungsfall wäre ein Softwareentwickler, der die Otii-Lösung zur Stromversorgung des Prüflings einsetzt. Die Otii-Lösung würde eine Tischstromversorgung ersetzen und gleichzeitig den Zugriff auf die Debug-Protokolle des Prüflings über UART ermöglichen. Die Betrachtung des Energieumsatzes im Zeitverlauf und der Vergleich mit früheren Aufzeichnungen liefert dem Entwickler eine visuelle Darstellung und Zahlenwerte des tatsächlichen Energieumsatzes.

Da Otii für die Zusammenarbeit zwischen Soft- und Hardware-Ingenieuren konzipiert ist, wäre der nächste Anwendungsfall ein Hardware-Ingenieur, der einen kurzen Blick auf ein aufgezeichnetes Otii-Projekt eines Kollegen aus der Softwareentwicklung wirft, und prüft, ob der Energieumsatz im Schlafmodus den erwarteten Werten entspricht.

D&E: Das GUI hält gängige Designkonzepte im Messgerätebau nicht ein - Worauf beruhen die Unterschiede?
Qoitech: Unser Ziel war es, eine Lösung sowohl für Hard- als auch für Softwareentwickler zu entwickeln. Wir wollten die Bedienbarkeit für beide Seiten vereinfachen und die Softwareentwickler ermutigen, auch mit den Messungen zu beginnen. Wir wollten weiterhin eine Lösung entwickeln, die auch in der Zusammenarbeit intuitiv bleibt, um diese Lücke im Entwicklungszyklus zu schließen.

D&E: Insbesondere Embedded-Softwareentwickler würden versuchen, die Messung hauptsächlich über die Kommandozeilen-API zu automatisieren.
Könnten Sie kurz die grundlegenden Skripting-, Ein- und Ausgabeschnittstellen in einem generischen Workflow beschreiben?

Qoitech: Aus Sicht des Softwareentwicklers kann die Otii-Lösung verwendet werden, um einen kompletten Zyklus der Flash-Programmierung zu automatisieren, indem ein bestimmtes Testmuster zur Ausführung instrumentiert wird. Im Anschluss wird bewertet, ob der Energieumsatz innerhalb der Testgrenzen liegt. Daran haben unsere Anwender großes Interesse gezeigt, und wurde im September als Funktion im Premium-Paket der Otii-Lösung hinzugefügt.

D&E: Was halten Sie für die relevantesten DUTs im Embedded-Segment?  
Qoitech: Primäre Lithium-Batterien (meist Knopfzelle) und Alkalibatterien sind in der Sensor- und Beacon-Elektronik üblich, hier wird eine mehrjährige Lebensdauer der Batterie erwartet. Für Wearables, bei denen die Akkulaufzeit vergleichsweise kurz ist, sind es meist Lithium-Polymer-Batterien.

D&E: Könnten Sie Testaufgaben benennen, in denen Sie die Otii-Plattform zu den Industrielösungen konkurrenzfähig halten? Welche Testaufgaben liegen definitiv außerhalb der Otii-Plattform?
Qoitech: Bei der Entwicklung von Otii wollten wir die Bedienung so einfach und intuitiv wie möglich gestalten, aber das Gerät sollte auch tragbar sein! Damit ist unsere Lösung für einfache Feldtests und Pre-Sales-Anwendungen geeignet. Wir sehen einen großen Bedarf an der Darstellung des Energieumsatzes im Feld.

D&E: Sie haben an der Startup Demo-Night in München teilgenommen?  
Qoitech: Wir verstehen uns als Teil der rapide wachsenden und sehr enthusiastischen Startup-Gemeinschaft. Die Präsentation von Otii vor Entwicklern und Herstellern gibt uns die Möglichkeit, die Bedürfnisse der neuen Entwicklergeneration besser kennenzulernen und unser Produkt darauf hin anzupassen.

Darüber hinaus schaffen wir dort das Bewusstsein für die Energieoptimierung von Produkten. Die meisten Startups stehen noch am Anfang ihres Entwicklungszyklus', und der Wettbewerbsvorteil einer längeren Akkulaufzeit ist an dieser Stelle nicht ohne Hürde erreichbar. Deshalb nehmen wir gerne an Hardware Pioneers-Veranstaltungen in London und München teil.

In diesem Herbst besuchten wir aber auch weitere internationale Ausstellungen wie MWC Americas und den IoT Solutions World Congress in Barcelona. Der Auftritt muss aber auch sinnvoll gestaltet werden. So waren wir beispielsweise während des IoT Solutions World Congress an den Ständen von Orange und Sony mit Low-Power-Lösungen und an einem Telefonica-Workshop vertreten.

Für ein Startup ist es wichtig, ein spezifisches Thema konsequent zu verfolgen und dabei verlässliche Partner zu haben.

D&E: Glauben Sie, dass es im Embedded-Segment einer Community bedarf, die sich der Energieoptimierung annimmt?
Qoitech: Wir glauben, dass viele Unternehmen das Thema nur angehen, wenn ein unmittelbarer Fehlerfall auftritt. Als Beispiel haben wir schon viele Anwendungsfälle kennengelernt, in denen die Batterien nach Software-Updates entladen wurden.

So etwas lässt sich leicht vermeiden. Eine Entwicklergemeinschaft, die sich dem Thema auf einer offenen Plattform widmet, scheint derzeit nicht vorhanden zu sein.

D&E: Wie wird die nächste Erweiterung der Otii-Plattform aussehen?
Qoitech: Wir arbeiten ständig an Verbesserungen und neuen Features und nutzen das Feedback sowie die Wünsche unserer Anwender. Die nächsten großen Schritte, dürfen wir aber noch nicht bekannt geben.


Für Qoitech antwortete die Unternehmensgründerin Vanja Samuelsson,
die Fragen stellte Constantin Tomaras für DESIGN&ELEKTRONIK.