Vier Jahre nach der Ankündigung Intel macht offenbar Foundry-Geschäft dicht

Gegen Intel braut sich was zusammen: Die esten Klagen wurden eingereicht. Außerdem beklagen Firmen eine hohe Prozessorauslastung nach den Security-Updates
Vier Jahre nach der großen Ankündigung ist jetzt offenbar Schluß für Intels Foundry-Geschäft.

Mit seinem Custom-Foundry-Programm wollte Intel seine Leading-Edge-Chip-Fertigung auch anderen Herstellern schmackhaft machen. Auf der IEDM-Konferenz in San Francisco hat Intel nunmehr angedeutet, den Geschäftsbereich zu schließen, auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht.

Über die Gründe für die Entscheidung kann derzeit nur spekuliert werden. Branchen-Insider sprechen von zu komplizierten Tools und Design-Regeln mit der Folge, dass der Prozess vom Chip-Design bis zum Silizium zu lange dauert. Dazu kommen die ewigen Verzögerungen bei Einführung des 10-nm-Prozesses, den man bereits vor Jahren beworben hatte und ursprünglich ebenfalls seinen Geschäftspartnern zur Verfügung stellen wollte. Mittlerweile ist TSMC mit 7-nm-Chips für Apple in Massenproduktion und hat Intels ehemaligen 2-Jahres-Vorsprung auf Samsung und die Foundries eingeholt.

Branchenkenner sprachen sich von Anfang an gegen die Öffnung von Intels hochmodernen Produktionsanlagen für die Fabless-Community aus, das es eine Ablenkung von Intels Kernkompetenz, der Herstellung von Mikroprozessoren, bedeuten würde. Es ist ja keine neue Erkenntnis, dass ein funktionierendes Ökosystem erfolgskritisch in dem Foundry-Geschäft ist, der Aufbau braucht Zeit, Geld und enge technische Zusammenarbeit mit den Auftraggebern, drei Dinge, die Intel offensichtlich stark unterschätzt hat.

Ein einziger größerer Kunde für 14 nm war Altera – der FPGA-Hersteller, den Intel später aufgekauft hat und damit heute für sich selbst fertigt. TSMC, das bis dahin Chips für Altera gefertigt hatte, war seinerzeit tief getroffen und hat seine Lehren gezogen. Es war TSMCs Gründer und Chip-Legende Dr. Morris Chang persönlich, der die Ankündigung bezüglich des Verlustes des Kunden Altera machte, und es fühlte sich für den außenstehenden Betrachter so an, als würden sich die Eltern scheiden lassen. Es wurde erwähnt, dass TSMC dies als Lernerfahrung betrachtete und dafür sorgen würde, dass der Verlust eines engen Partners wie Altera nie wieder vorkommen würde.

Es bestand tatsächlich eine sehr enge Beziehung zwischen Altera und TSMC, bis Xilinx bei 28 nm zu TSMC kam, da Xilinx‘ bisheriger Auftragsfertiger UMC das mooresche Gesetz nicht in derselben Geschwindigkeit mitgehen konnte wie der große Foundry-Rivale TSMC. TSMC behandelte Xilinx von Anfang an genauso gut wie seinen langjährigen Kunden Altera, was der Altera-Beziehung schadete.

Gerüchteweise hat Altera seinerzeit die erste Ausführung der von Intel aufgestellten Designregeln für 14 nm stark redigiert, was im Foundry-Geschäft absolut unüblich ist. Nach vielen Verzögerungen stellte Intel sein eigenes Implementierungsteam für das erste 14-nm-Altera-Tapeout auf, das Ergebnis war dann zweifellos ein sehr wettbewerbsfähiger FPGA-Chip. Ohne die anhaltenden Verzögerungen hätte Xilinx sicher große Probleme bekommen, da das Intel 14-nm-FPGA den 16-nm-Xilinx-Chip von TSMC sowohl in der Dichte als auch der Performance der Transistoren deutlich übertroffen hat. TSMCs erster FinFET-Chip war im Grunde genommen nur ein 20-nm-Chip, bei dem die planaren Transistoren gegen FinFETs ausgetauscht wurden, die Geometrien wie Gate-Länge etc. blieben aber unverändert. Intels 14-nm-Prozess war hingegen eine echte Schrumpfung gegenüber der 20/22-nm-Generation.

Wo Intels Custom-Foundry-Geschäft heute stehen würde, wenn es die fortlaufenden Probleme und vor allen Dingen Verzögerungen nicht gegeben hätte, ist spekulativ. Fest steht, viele gebrochene Zusagen wie die Verfügbarkeit des 10-nm-Prozesses (die Massenproduktion der eigenen CPUs wird voraussichtlich in Q2 oder Q3 2019 starten), haben offenbar dazu geführt, dass das Foundry-Geschäft zum Erliegen gekommen ist und bald auch offiziell eingestellt wird.

Fabrikerweiterungen an drei Standorten

Immerhin gibt es für Intels Brot-und-Butter-Geschäft, nämlich den Bau eigener CPUs, auch gute Nachrichten. In Israel, Irland und im US-Bundesstaat Oregon werden bestehende Fabriken erweitert. Die drei Fabs sind derzeit primär für 14-nm-Chips ausgelegt. Fab 42 im US-Bundesstaat Arizona wird in diesen Wochen ausgerüstet und könnte ab 2019 erste Produkte fertigen. Die Fabriken in New Mexico werden für Flash und 3D XPoint ausgelegt. Intel bestätigt aber auch, dass in Zukunft noch mehr auf Auftragsfertiger zurückgegriffen wird, „wo es Sinn ergibt“. So könnte TSMC Chipsätzen fertigen, um die voll ausgelastete Produktion in den Intel-Fabs zu entlasten.