EU-Projekt: »MOBILITIES FOR EU«

Erster autonomer On-Demand-Bus mit regulärem Fahrgastbetrieb

9. Juli 2026, 09:06 Uhr | Iris Stroh
Autonomer Bus Madrid
© Projekt Mobilities For EU / Alsa Madrid

Das EU-Projekt MOBILITIES FOR EU bringt autonome Mobilität in den Alltag: In Madrid ist Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus im regulären Fahrgastbetrieb gestartet. Das Projekt erprobt in sieben europäischen Städten innovative Mobilitätslösungen für den urbanen Verkehr der Zukunft.

Diesen Artikel anhören

Das EU-Projekt MOBILITIES FOR EU zeigt neue Ergebnisse in Madrid, ein bedeutender Meilenstein für vernetzte, autonome und emissionsfreie Mobilität. Spaniens erster autonomer On-Demand-Bus hat offiziell den regulären Fahrgastbetrieb auf dem Gelände von Mercamadrid, dem größten Lebensmittelgroßmarkt des Landes, aufgenommen. Der neue Service wird im Rahmen des Projekts MOBILITIES FOR EU umgesetzt, das in Madrid vom Stadtrat von Madrid über dessen Digital Office gemeinsam mit Mercamadrid koordiniert und von Alsa betrieben wird.

Als eines der größten europäischen Projekte im Mobilitätssektor vereint MOBILITIES FOR EU sieben Städte: Madrid und Dresden als Vorreiter und fünf Nachahmer Städte. In 11 Piloten werden 27 innovative Lösungen erprobt, darunter autonome Fahrdienste, elektrische Busflotten, intelligente Verkehrs- und Parkraummanagementsysteme sowie smarte Logistikansätze. Die Replication Cities entwickeln eigene Urban Transport Labs, analysieren lokale Bedarfe und übertragen erfolgreiche passende Konzepte aus Madrid und Dresden.

Das Steinbeis Europa Zentrum verantwortet die Entwicklung erster Geschäftsmodelle für geeignete Projektergebnisse sowie die Durchführung von Marktanalysen und Business Modelling. Im Rahmen von Exploitation- und Business-Modelling‑Workshops strukturiert das Steinbeis Europa Zentrum gemeinsam mit den Ergebnisinhabern den Pfad vom Piloten zur Skalierung, definiert Zielsegmente und Value Proposition und dokumentiert die Ergebnisse in Business‑Model‑Canvas‑Formaten. Aufbauend darauf führt Steinbeis Marktanalysen durch, die insbesondere die Beschaffungs- und Vertragslogik sowie zentrale Adoptionshürden wie Sicherheits-/Genehmigungsfragen, Haftung und Nutzerakzeptanz herausarbeiten und so die Grundlage für weitere Verwertungsentscheidungen schaffen.

Vernetzte, autonome und emissionsfreie Mobilität in Madrid

Der autonome Elektrobus in Madrid bietet eine innovative Mobilitätslösung für Beschäftigte und Besucher, die sich auf dem weitläufigen Gelände von Mercamadrid bewegen, auf dem täglich mehr als 20.000 Menschen und 15.000 Fahrzeuge unterwegs sind. Durch die Kombination von autonomem Fahren mit einem flexiblen On-Demand-Betrieb zeigt der Service, wie digitale Technologien Mobilität effizienter, nachhaltiger und nutzerorientierter gestalten können – selbst in komplexen realen Einsatzumgebungen.

Im Gegensatz zu bisherigen Demonstrationen autonomer Shuttlebusse wird der neue Service als reguläre öffentliche Verkehrslösung betrieben, die auf die täglichen Mobilitätsbedürfnisse der Nutzer zugeschnitten ist. Während der Hauptverkehrszeiten (04:30–09:00 Uhr) verkehrt der Bus nach einem festen Fahrplan, um die verkehrsreichsten Zeiten abzudecken. Zwischen 09:00 und 10:30 Uhr können Fahrgäste ihre Fahrt über die mobile App »Alsa Mobilities« buchen, indem sie ihren Start- und Zielhalt auswählen. Das System bündelt die Fahrgastanfragen automatisch und berechnet die effizienteste Route für das Fahrzeug.

Das Projekt ist eine internationale Premiere, da es den regulären autonomen Betrieb mit einem On-Demand-Verkehrsmodell in einer offenen und realen Betriebsumgebung kombiniert. Gleichzeitig demonstriert es autonomes Fahren in einem der verkehrsreichsten Logistikzentren Spaniens, dessen Verkehrsbedingungen deutlich komplexer sind als die typischen Einsatzszenarien autonomer Shuttlebusse.

Das Fahrzeug fährt auf SAE-Level 4+ und wird derzeit von einer geschulten Aufsichtsperson an Bord überwacht. In den kommenden Projektphasen wird eine Fernüberwachung aus einem eigens eingerichteten Kontrollzentrum in Madrid eingeführt, wodurch der Weg für noch höhere Automatisierungsgrade geebnet wird.

Der Bus ist vollelektrisch, verursacht keinerlei lokale Emissionen und bietet Platz für mehr als 30 Fahrgäste – und damit eine deutlich höhere Kapazität als herkömmliche autonome Shuttlefahrzeuge. Ausgestattet ist er mit modernster Sensor- und Kommunikationstechnologie, darunter 5G-Konnektivität, mehrere LiDAR-Sensoren, Kameras, Ultraschallsensoren sowie hochpräzise Positionierungssysteme, die einen sicheren Betrieb unter unterschiedlichsten Verkehrs- und Wetterbedingungen ermöglichen.

Der neue Service wurde zudem mit den bestehenden Buslinien der EMT Madrid, die Mercamadrid bedienen, abgestimmt und nahtlos in das öffentliche Verkehrsnetz integriert.

Der Einsatz erfolgt im Rahmen von MOBILITIES FOR EU, einem Projekt des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizont Europa der Europäischen Kommission. Ziel des Projekts ist es, skalierbare, digital unterstützte Mobilitätslösungen zu demonstrieren, die sowohl den Herausforderungen des Klimawandels als auch den Anforderungen moderner Städte begegnen. Die Lösungen werden derzeit in den Leitstädten Madrid und Dresden erprobt. Replikationsaktivitäten in Ioannina, Espoo, Danzig, Trenčín und Sarajevo sorgen dafür, dass die Ergebnisse europaweit übertragen und weiterentwickelt werden können.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Lesen Sie mehr zum Thema