Doch kein Feierabend-Blackout

E-Auto-Fahrer laden am liebsten morgens

11. August 2026, 12:14 Uhr | Irina Hübner
Beim Laden eines Elektroautos. Die Smartphone zeigt einen Ladezustand von 85 Prozent.
© waseemkhan / stock.adobe.com, generiert mit KI

Eine aktuelle Datenanalyse widerlegt die Angst vor dem »Feierabend-Blackout« und belegt das Stabilisierungspotenzial intelligenter Ladeinfrastruktur. Hierzu wurden mehr als 1,5 Millionen Ladevorgänge analysiert.

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Die Sorge, dass eine wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen das deutsche Stromnetz in den Abendstunden überlastet, prägt die energie­politische Debatte und hat regulatorische Maßnahmen wie §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) angetrieben. Eine neue Datenanalyse von Monta, einem Betriebssystem für EV-Ladeinfrastruktur, zeichnet jedoch ein grundlegend anderes Bild. 

1,5 Millionen anonymisierte Ladevorgänge ausgewertet

Die Auswertung von über 1,5 Millionen anonymisierten Ladevorgängen in Deutschland (Januar bis Juli 2026) an mehr als 250.000 von Monta verwalteten Ladepunkten zeigt: Die befürchtete Lastspitze im Stromnetz am Abend bleibt schlichtweg aus. Stattdessen verlagert sich die Hauptladezeit in die frühen Morgenstunden – ein positiver Effekt, der durch intelligentes Lastmanagement noch weiter verstärkt werden kann.  

Die Spitzenlast liegt am Morgen 

Die Daten widerlegen das verbreitete Szenario des gleichzeitigen »Heimkommens und Ansteckens«: Lediglich 12,4 Prozent aller deutschen Ladevorgänge entfallen demnach auf das kritische Abend­fenster zwischen 18 und 20 Uhr. Die tatsächliche Spitzenlast liegt am Morgen – 21 Prozent aller Ladevorgänge starten zwischen 6 und 8 Uhr, wenn Fahrzeuge über Nacht oder früh morgens mit dem Netz verbunden werden, bevor der Arbeitsweg beginnt. 

»Die Diskussion um §14a EnWG ist zu oft von einem Mangeldenken geprägt, bei dem es nur um die Drosselung von Verbrauchern geht«, erklärt Max Scherer, COO bei Monta. »Unsere Daten aus über 1,5 Millionen realer Ladevorgänge in Deutschland zeigen, dass die Realität das Gegenteil der öffentlichen Annahme ist: E-Auto-Fahrer laden vorwiegend morgens, in Zeiten geringer Netzauslastung. Das Netz hat dieses Problem größtenteils gar nicht – und intelligente Software kann dafür sorgen, dass es das auch in Zukunft nicht bekommt.«

Intelligentes Laden reduziert Energiebedarf um 30 Prozent 

Wo intelligentes Lastmanagement bereits aktiv eingesetzt wird, zeigt sich: Ladevorgänge mit aktiviertem Smart Charging verbrauchen im Durchschnitt 16,2 kWh – gegenüber 23,1 kWh bei ungesteuertem Laden. Das entspricht einer Reduktion des Energiebezugs pro Ladevorgang um rund 30 Prozent. Ein geringerer Energiebezug über ein kürzeres Zeitfenster entlastet unmittelbar den lokalen Netzanschluss und den entsprechenden Netzbetreiber. 

Das EV-Ladeinfrastruktur-Betriebssystem von Monta

Eine solche Steuerung ermöglicht das Betriebssystem von Monta hardwareunabhängig und im großen Maßstab durch: 

  • Dynamisches Lastmanagement: Verfügbare Leistung wird in Echtzeit auf alle aktiv ladenden Fahrzeuge an einem Standort verteilt – ohne dass ein einzelnes Fahrzeug den Netzanschluss überlastet.

  • Preisbasierte Ladeverschiebung: Ladevorgänge werden automatisch in Zeiten niedriger Strompreise und geringer Netzauslastung verschoben – ein Vorteil für Fahrer und Netzbetreiber gleichermaßen.

  • §14a-Bereitschaft: Das System ist für die Anforderungen des EnWG §14a ausgelegt und kann Steuersignale von Netzbetreibern empfangen und umsetzen. 

Potenzial des intelligenten Lastmanagement noch weitgehend unerschlossen 

Die ausgewerteten Daten offenbaren zugleich, wo die größte Chance liegt: Aktuell wird intelligentes Lastmanagement erst bei einem kleinen Teil der deutschen Ladevorgänge aktiv eingesetzt. Das Verbesserungs­potenzial durch einen breiteren Rollout ist entsprechend groß – sowohl für die Netzstabilität als auch für die Kosten, die durch den Kapazitätsausbau der Netze entstehen würden. 

»Jedes E-Auto ist eine Batterie auf Rädern – ein potenzieller Baustein der Energiewende«, betont Scherer. »Die Voraussetzung für die optimale Nutzung ist eine intelligente Infrastrukturebene, die im Hintergrund agiert. Genau diesen ‚operating layer' haben wir bei Monta gebaut – offen, hardwareunabhängig und bereit für die nächste Phase der Energiewende in Deutschland.«

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