Heute sehen die Anforderungen etwas anders aus: Statt einer Elektroleitung sollen nun deren drei mitgeführt werden, was eine andere Kettenbauart bei unveränderter Außenbreite notwendig macht. Gleichzeitig ist der zur Verfügung stehende Bauraum durch konstruktive Änderungen an den Auslegern knapper bemessen.
Mit einer Standard-Energiekette ist es also bei diesen Anforderungen nicht getan; vielmehr benötigte Putzmeister eine Spezialkonstruktion, die auf die spezifischen Anforderungen zugeschnitten ist. Eine Grundbedingung war, dass die beiden Hydraulikschläuche nebeneinander in der Kette geführt werden müssen und nicht diagonal im Kettenquerschnitt liegen dürfen. Zusätzlich müssen die Elektrokabel strikt von den Hydraulikschläuchen getrennt sein – bei den bekannt engen Einbauverhältnissen.
Die Lösung, die in Zusammenarbeit der Firmen Putzmeister, Kabelschlepp und Schmidberger – der Generalvertretung Süd für Bayern und Baden-Württemberg von Kabelschlepp – gefunden wurde, ist im Grunde simpel: eine Vollkunststoffkette, bei der aus Gründen der Steifigkeit auf die Möglichkeit verzichtet wurde, die Kettenstege zu öffnen. Obwohl die Bestückung von Energieführungsketten sonst in der Regel so erfolgt, dass die Stege geöffnet und Leitungen sowie Schläuche eingelegt werden, ist die geschlossene Lösung bei Putzmeister dennoch kein Problem: Zwar müssen Schläuche und Leitung eingefädelt werden, doch ist dies bei den kurzen Kettenlängen und der geringen Anzahl von Leitungen und Schläuchen einfach. Und da im Wartungsfall ohnehin die komplette Kette getauscht wird, um die Funktionssicherheit der gesamten Einheit zu gewährleisten, entfällt auch die Notwendigkeit, die Kette für Reparaturzwecke zu öffnen.
Wegen der geschlossenen Bauweise ließ sich die Materialstärke der Kettenlaschen deutlich reduzieren, was ein größeres Raumangebot im Inneren der Kette zur Folge hat und so die gewünschte Platzierung der Hydraulikschläuche ermöglicht. Zusätzlich unterteilt ein dritter, horizontal fest eingespritzter Steg den Kettenquerschnitt etwa im Verhältnis 2:1 in zwei Kammern. Dieser und der gegenüberliegende äußere Steg sind nach innen gewölbt und wirken wie ein Platz sparendes „virtuelles Trennstegsystem“. Aufgrund der Wölbung werden die beiden Hydraulikschläuche voneinander getrennt, so dass sie sich nicht verkreuzen können. Die kleinere Kammer dient zur Führung der Elektroleitungen. Die Befestigung der Kette übernimmt ein von Schmidberger entwickeltes spezielles Befestigungselement.
![]() | Thomas Ameis ist Produktmanager Energieführungssysteme bei Kabelschlepp. |