Cloud-orchestrierte Subscriptions

Abomodelle erobern die Industrie

25. November 2022, 8:07 Uhr | Veit Brücker
Zuora
Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle auf agile Abonnements stützen, wachsen Studien zufolge deutlich schneller als ihre traditionell wirtschaftenden Pendants, die auf reinen Produkt- und Servicevertrieb setzen.
© Zuora

Industrieunternehmen müssen ihre digitale Transformation nicht nur technisch umsetzen, sondern auch monetarisieren. Hierfür bieten sich Subscription-Modelle an, denn sie ermöglichen Agilität, Flexibilität und wirtschaftlichen Erfolg – für die Hersteller und ihre Kunden gleichermaßen.

Brücker Veit
Veit Brücker, Zuora: »In Deutschland ist die Skepsis gegenüber einer umfassenden Digitalisierungsstrategie mittels agiler Subscription-Clouds noch immer groß.«
© Zuora

Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle auf agile Abonnements stützen, wachsen Studien zufolge fast fünfmal schneller als ihre traditionell wirtschaftenden Pendants, die auf reinen Produkt- und Servicevertrieb setzen. Die Subscription Economy gewinnt dabei in allen Branchen rasant an Bedeutung – ganz gleich ob im B2B- oder im B2C-Geschäft, denn das neue Paradigma ist das B2H-Geschäft: Der Mensch (Human) und seine Bedürfnisse und positiven Nutzungserfahrungen stehen im Zentrum aller Überlegungen. Es ist völlig gleich, ob er diese Erfahrungen als Privatperson oder im Rahmen eines Geschäftsbetriebs macht.

Doch in Deutschland ist die Skepsis gegenüber einer umfassenden Digitalisierungsstrategie mittels agiler Subscription-Cloud noch immer groß. Die »German Angst« vor Kontrollverlust und Datenschutzproblemen ist riesig und lähmt das Innovationspotenzial der deutschen Wirtschaft, während international immer mehr Unternehmen eine Cloud-First-Strategie fahren. Sie installieren Cloud-gehostete Subscription-Management-Plattformen, KI-Analytik-Tools und BI-Lösungen (Business Intelligence), die Daten aus unterschiedlichen Quellen verknüpfen, um eine ganzheitliche Sicht auf die Kundenbeziehungen zu erlangen. Im Ergebnis erzielen sie hohes Wachstum, wie beispielsweise der von Zuora erhobene Subscription Economy Index seit vielen Jahren eindeutig zeigt.

Der Nutzen solch agiler Business-IT, die bedarfsgerecht modellierbar sein sollte, ist also groß. Gleichzeitig ist die Angst, Daten nicht mehr im eigenen Haus, »On Premises«, hosten zu können, unbegründet: Es gibt schließlich höchstrichterliche Urteile, dass selbst deutsche Behörden auf US-Clouds wie Amazon, Microsoft oder Google zurückgreifen dürfen – wenn die Anbieter zusichern, dass die Daten in Deutschland verarbeitet werden. Und IT ist, wenn sie nicht völlig abgeschottet als Insel betrieben wird, in sicheren Clouds deutlich effizienter zu hosten und zu warten. Ein Paradigmenwechsel ist daher das Gebot der Stunde, will man nicht selbst zu den Dinosauriern gehören, die den digitalen Wandel zu lange nur beäugen, statt ihn aktiv voranzutreiben.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+
Caterpiller
Muss man Produkte nicht mehr kaufen, sondern im Rahmen einer Subscription nur für die Nutzung bezahlen, senkt das die Anschaffungskosten (CAPEX) und wandelt sie zu variablen Betriebskosten (OPEX). Bezahlt wird dann beispielsweise nach Abraum oder Betriebsstunden. Der Wartungsservice ist bei Subscriptions meist inklusive.
© Caterpiller

In Krisenzeiten muss man agil sein

Die aktuelle Situation ist zudem ein Paradebeispiel dafür, dass Fähigkeiten zur umfassenden Modellierung und Orchestrierung agiler Geschäftsbeziehungen von essenzieller Bedeutung sind: Logistik- und Lieferkettenprobleme, Rohstoff- und Energiekrise, Inflation und Klimawandel sind gewaltige Herausforderungen für Unternehmen in Deutschland und anderswo, die zwingend schnelles Agieren erfordern. Firmen jeglicher Branche und Größenordnung sind von der daraus entstehenden, zunehmenden globalen Unsicherheit in ähnlichem Maße betroffen.

Diese Gemengelage trifft nun aber auf die Unfähigkeit vieler Unternehmen, schnell zu reagieren und neue Angebote zu schnüren. Das Paradebeispiel eines attraktiven Subscription-Angebots für Kunden ist sicherlich die Option, Produkte nicht mehr kaufen zu müssen, sondern nur für die Nutzung zu bezahlen. Das senkt die Anschaffungskosten (CAPEX) und wandelt sie zu variablen Betriebskosten (OPEX) um, was wiederum Kapital bei den Kunden freisetzt. Mit diesem Kapital lassen sich weitere Innovationen vorantreiben oder Material teurer einkaufen, um trotz Krise weiterhin lieferfähig zu bleiben.

Ein weiterer großer Hemmschuh für Innovationsfreude sind derzeit die vollen Auftragsbücher. Auch sie lähmen Unternehmen, wenn es darum geht, neue Wege zu beschreiten. Warum auch, wenn man schon der aktuellen Nachfrage nicht nachkommen kann und Lieferzeiten von vielen Monaten hat? Der ganze Aufwand, der für Beschaffung und Allokation der begrenzten Ressourcen betrieben werden muss, um die Produktion zumindest in einem gewissen Maß aufrechterhalten und die wichtigsten Kunden bedienen zu können, reduziert zudem das Potenzial einer angemessenen Management Attention zur Implementierung einer nachhaltigen, agilen und skalierbaren Digitalisierungsstrategie. Für die großangelegte Transformation des eigenen Unternehmens sind kaum noch Zeit oder Ressourcen vorhanden.

Gleichzeitig sitzen nicht wenige der verantwortlichen Führungskräfte selbst im gehobenen Mittelstand und in Großkonzernen einem gravierenden Missverständnis auf: Die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells ist nämlich nicht nur ein nettes Add-on zum bestehenden Geschäft oder Kosmetik zum Aufhübschen der Corporate Identity. Es geht auch nicht nur um schön anzusehende Apps und im Sinne der User Experience »convenient« gestaltete Portale, die als Front End den Subscribern zur Verfügung gestellt werden. Im Gegenteil: Die digitale Transformation umfasst die gesamte Art und Weise, wie Unternehmen ihre Waren und Dienstleistungen künftig entwickeln, produzieren, vermarkten, finanzieren und den Informationsfluss hierüber auswerten und steuern. Doch selbst wenn Unternehmer das erkannt haben, bleibt immer noch die Frage nach dem »Wie« m Raum stehen.


  1. Abomodelle erobern die Industrie
  2. Falsches Verständnis von Besitz und Eigentum
  3. IT-Struktur muss aufgebrochen werden

Verwandte Artikel

Zuora Inc.

Digitale Industrie