Deutsche Stromversorgungsbranche

Vorfreude, gepaart mit vorsichtigem Optimismus

5. Oktober 2020, 12:47 Uhr | Engelbert Hopf
Der neue DC/DC-Wandler von Recom ist eines der kleinsten Module seiner Klasse.
Kompakte AC/DC- und DC/DC-Wandler-Module erfreuen sich nicht nur in der Medizintechnik reger Nachfrage.
© Recom Power
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..."digitale Prozesse wurden beschleunigt"

Auch bei MTM Power ging man zu Jahresbeginn von einer vorübergehenden Erscheinung aus; »aktuell«, so Heinrich, »müssen wir davon ausgehen, dass sich das gesellschaftliche Verhalten auch nach dieser Pandemie nachhaltig verändern wird«. Wobei man sich auch in der Stromversorgungsbranche in weiten Teilen darüber einig ist, »dass Corona etwa im Fall der Digitalisierung als Beschleuniger eines Umbruchs gewirkt hat, der sich schon eine ganze Weile abgezeichnet hat«, wie Krause feststellt. Eine Einschätzung, die auch Traum teilt: »Wenn man Corona etwas Positives abringen will, dann, dass es die digitalen Prozesse beschleunigt hat und uns am Standort Deutschland auch die Schwachstellen, teilweise durchaus schmerzhaft, in der Infrastruktur aufgezeigt hat.«

»Bei Themen, bei denen man nicht zwingend persönlich vor Ort sein muss«, so Benjamin Dirmhirn, Business Development Manager bei Avnet Abacus, »werden virtuelle Meetings auch künftig vermehrt Einzug in unsere Arbeitsweise halten«. Doch bei aller positiven Sichtweise auf Videokonferenzen und Homeoffice, Heinemann dürfte für viele aus der Branche sprechen, wenn er darauf hinweist, »dass der Kontakt zu den Kunden auch auf digitalem Wege im Tagesgeschäft recht gut läuft, aber dass auch bei Kunden Projekte weiterhin darunter leiden, dass Mitarbeiter dort immer noch im Homeoffice sind«.

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Georg Beretitsch, Phoenix Contact Power Supplies: »Neben den Produktions- und logistischen Herausforderungen waren für uns die nicht mehr stattfindenden Kundenbesuche eine der größten Herausforderungen der Corona-Krise.« 
© WEKA-Fachmedien
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Sebastian Fischer, Traco Power: »Ich rechne nicht damit, dass sich die Einbußen vollständig wieder aufholen lassen, dazu ist die Unsicherheit und die Zurückhaltung der Kunden noch deutlich zu hoch.«
© WEKA-Fachmedien

Wird sich die Situation zeitnah verbessern? »Letztlich hängt gesamtwirtschaftlich betrachtet eine Erholung von zwei wesentlichen Faktoren ab: Impfstoffe sowie die Fortführung der lockeren Geldpolitik zur Finanzierung der Wirtschaft«, stellt Widdel nüchtern fest. Die Frage, wann wirklich mit einer Normalisierung der Geschäftsentwicklung zu rechnen ist und ob sie dann in etwa zeitgleich alle Anwendungsbereiche betreffen wird, beantworten die Power-Spezialisten durchaus unterschiedlich. »Ich gehe davon aus, dass es einen Strukturwandel gibt, der rein wirtschaftlich sicher noch zwei Jahre benötigt«, so Püthe, »um Umsätze wieder in die Vor-Corona-Zeiten zu bewegen«.

»Einen wirklichen allgemeinen Rückgang in der Industrieelektronik können wir bei Stromversorgungskunden nicht erkennen«, versichert denn auch Andreas Hanausek, Product Manager/FAE Power Conversion Products bei Codico. »Natürlich schieben viele Kunden geplante Investitionen nach hinten, andere sind von Kurzarbeit betroffen. In bestimmten Teilbereichen ist sogar klares Wachstum zu erkennen. Wir würden darum die Stimmung derzeit wohl am besten mit Vorfreude gepaart mit vorsichtigem Optimismus bezeichen.«

»Wir gehen bei Traco von einer Erholung ab dem 2. Quartal 2021 aus«, meint Fischer. »Diese wird sich jedoch je nach Region und Branche zeitlich sicherlich unterschiedlich darstellen.« Ähnlich sieht das Kirbach: »Wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft 2021 gegenüber dem laufenden Geschäftsjahr weiter erholen wird, allerdings erwarten wir keine Nachholeffekte im Sinne eines zusätzlichen Umsatzanstiegs, sondern gehen eher davon aus, dass sich die Geschäftsentwicklung um einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten verschiebt.« Eine positive Umsatzentwicklung 2021 erwartet auch Stocker für Schukat, »spürbare Nachholeffekte in Bezug auf verlorenes Geschäft in diesem Jahr erwarte ich jedoch nicht«.

Eine deutliche Erholung der Märkte erwartet auch Beretitsch für 2021, „bis dahin heißt es weiter: einen kühlen Kopf bewahren!« Eine Normalisierung im ersten Halbjahr 2021 erwartet Schwarz; »dabei gehen wir von einem Niveau auf der Höhe des zweiten Halbjahres 2020 aus, um dann für die zweite Jahreshälfte 2021 mit einer deutlichen Erholung zu rechnen«. Aus Sicht von Frischknecht wird der »wiedererwachte Maschinen- und Anlagenbau, E-Mobility sowie Railway und Transportation unser Key-Driver für das Wachstum in 2021 sein. In Summe wird uns das dann mit Sicherheit wieder ein zweistelliges Wachstum bringen«.

Etwas vorsichtiger argumentiert Cubasch: »Ich rechne nicht damit, dass die Branchen, die besonders stark von Corona betroffen sind und waren, 2021 wieder auf das Niveau von 2019 zurückkehren werden. Ich rechne auch nicht damit, dass es zu einer Aufholentwicklung der Reduktion des Jahres 2020 kommen wird.« Ähnlich vorsichtig blickt Vogel in die Zukunft: »Wir erwarten keine Nachholeffekte und gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft vermutlich nur in langsamen Schritten erholen wird. Wir gehen deshalb für 2021 von einem ähnlichen Auftragseingang wie 2020 aus.«


  1. Vorfreude, gepaart mit vorsichtigem Optimismus
  2. ..."digitale Prozesse wurden beschleunigt"
  3. Branchenbarometer
  4. ..."Konzepte der virtuellen Messen haben nicht überzeugt"


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