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Interview mit Sebastian Thies, Elektrosil:

»Know-how ist Teil unseres Leistungsspektrums«


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

»Immer mehr Kunden werden auf die Haushaltsgeräte-Norm schwenken«

Haben Sie ein eigenes EMV-Prüflabor?

Thies: Unsere Tochterfirma MCS hat eine eigene EMV-Messkammer und auch wir hier in Hamburg werden in diesem Jahr eine Prüfkammer aufbauen. Natürlich sind wir kein zertifiziertes Labor, aber wir können sehr gute Abschätzungen machen. Liegen wir in der Messung beispielsweise 10 dB unter dem Grenzwert, wissen wir, dass wir die Prüfung in einem zertifizierten EMV-Labor sicherlich bestehen werden.

Trotz Ihrer Positionierung als Anbieter für kundenspezifische Produkte betreiben Sie aber auch noch das klassische Distributionsgeschäft, oder?

Thies: Wir unterscheiden zwischen Standard- und kundenspezifischen Netzteilen. Natürlich bieten wir auch eine Lösung in der Mitte an und modifizieren Standard-Geräte speziell für die Zielanwendung. Bei den Standard-Geräten haben wir für jeden Bereich, seien es Industrie- oder Medizinnetzteile, eine Fabrik, die sich auf die Produktion der jeweiligen Netzgeräte konzen­triert. Ein Hersteller, der Industrienetzteile produziert, kann nicht zwangsweise auch Medizinnetzteile fertigen; die Anforderungen und Zulassungen sind hier einfach zu unterschiedlich.

Welche Trends sehen Sie in den nächsten Jahren?

Thies: Natürlich werden die Netzgeräte immer kleiner und der Wirkungsgrad immer höher. Ich denke, dass immer mehr Kunden auf die Haushaltsgeräte-Norm schwenken werden. Wir sehen immer häufiger, dass Kunden, die bisher Industrie-Netzteile eingesetzt haben, jetzt auf die Netzgeräte nach der Haushaltsnorm umschwenken müssen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Wir bieten unseren Kunden daher eine Industrie-Geräteserie an, die um ein paar Komponenten erweitert wird und somit die Haushaltsnorm erfüllt. Dieses Netzteil wird dann nochmal extern zertifiziert.

Was wir weiter vorantreiben möchten, ist der Bereich LED-Netzteile. Dabei geht es nicht um die typischen IP-geschützten Netzteile, sondern um externe Netzgeräte. Im Beleuchtungsbereich haben wir viele neue Kunden und größere Projekte gewonnen; dabei geht es um Stecker- und Tischnetzteile nach LED-Norm. Hier benötigen wir eine aktive Leistungsfaktorkorrektur ab 25 W aufwärts. In diesem Bereich arbeiten wir an der Entwicklung von Netzteilen bis 180 W; größtenteils sind diese auch schon verfügbar. Ein anderer Trend am Markt kommt uns auch sehr entgegen: Da die Stromversorgungs-Entwicklung immer komplexer wird und daher mehr spezifisches Know-how voraussetzt, gliedern Großunternehmen die Entwicklung ihrer Netzgeräte wieder aus. Das ist eine Chance für uns, hier Fuß zu fassen.

Abgesehen von den LED-Treibern, welche weiteren Produkte möchten Sie auf den Markt bringen?

Thies: Wir werden eine Netzgeräte-Serie für die DIN-Schiene-Montage auf den Markt bringen. Bei 240 W Leistung wird diese eine Breite von 45 mm aufweisen; Marktbegleiter liegen in diesem Leistungsbereich bei 60 bis 70 mm Breite. Unsere Geräte werden parallelschaltbar und UL-geprüft sein. In diesem Jahr führen wir noch die Geräte bis 480 W ein, 2016 kommt dann noch das 960-W-Netzteil dazu.

Der DIN-Schienen-Markt ist ein Verdrängungsmarkt. Wie möchten Sie sich hier differenzieren?

Thies: Die Hutschienen-Netzgeräte lassen sich sehr gut vergleichen, da es einen gewissen Standard am Markt gibt; hier können wir mit einer hohen Leistungsdichte punkten. Unser Vorteil ist unsere Flexibilität: Möchte der Kunde z.B. einen speziellen IP-geschützten Stecker zu seinem Netzgerät, können wir das schon bei sehr kleinen Stückzahlen kosteneffizient realisieren.

Außerdem ist die wichtigste Frage: Was möchte der Kunde? Braucht er wirklich das teure High-Class-Netzteil mit Spitzenspezifikationen? Natürlich gibt es auch kostengünstige Netzteile, deren niedriger Preis aber zumeist eine lange Lebensdauer ausschließt. Deshalb ist es wichtig, die Anforderungen zu kennen und dementsprechend zu agieren. Meist fällt die Wahl dann auf ein Mittelklassemodell.

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Sebastian Thies
ist seit 2010 Produktmanager für Stromversorgungen und Thermodrucker bei Elektrosil. Zunächst sammelte er mehrere Jahre Erfahrung in der Hochspannungstechnik, bevor er 2007 erfolgreich seine Prüfung zum staatlich geprüften Techniker mit Schwerpunkt Informations- und Telekommunikationstechnik absolvierte und 2008 zu Elektrosil wechselte. Sebastian Thies ist Spezialist für kundenspezifische Netzteile und verfügt u.a. im Bereich Medizin-Stromversorgungen über langjährige Erfahrung. 

  1. »Know-how ist Teil unseres Leistungsspektrums«
  2. »Bei Wirkungsgradangaben muss man vorsichtig sein«
  3. »Immer mehr Kunden werden auf die Haushaltsgeräte-Norm schwenken«

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