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Interview mit Sebastian Thies, Elektrosil:

»Know-how ist Teil unseres Leistungsspektrums«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

»Bei Wirkungsgradangaben muss man vorsichtig sein«

Welche Rolle spielt der Wirkungsgrad?

Thies: Das Ziel unserer Kunden ist ein Wirkungsgrad größer 90 Prozent. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Kunde gewillt ist, den durch den höheren Wirkungsgrad auch höheren Preis des Netzgeräts zu zahlen. Aber über kurz oder lang wird ein Wirkungsgrad größer 90 Prozent auch im mittleren Preissegment Standard sein.

Gewiss muss man bei den Wirkungsgradangaben vorsichtig sein, ebenso bei der MTBF (Mean Time Between Failure). Natürlich gibt dieser Wert eine gewisse Auskunft über die Lebensdauer eines Geräts, doch wie wurde dieser Wert errechnet? Wir geben den MTBF-Wert bei 50 °C Umgebungstemperatur an, die meisten Wettbewerber jedoch bei nur 25 °C; das bedeutet teilweise eine Verdreifachung der MTBF. Außerdem sollte beachtet werden, dass die MTBF-Werte nach verschiedenen Standards, z.B. dem MIL- oder dem Siemens-Standard, bestimmt werden. Beispielsweise wurde der MIL-Standard seit einigen Jahren nicht mehr aktualisiert. Das bedeutet, darin werden Bauteile beschrieben, die gar nicht mehr verwendet werden bzw. tauchen neue Bauteile gar nicht erst auf. Daher ist es schwierig, einen verlässlichen Vergleich anzustellen.

Sollten dann nicht beim Aufstellen eines neuen Standards gleich die Voraussetzungen für die Bestimmung von Kennwerten wie MTBF geregelt werden?

Thies: Das wäre sinnvoll. Allerdings wird es im Stromversorgungs-Bereich durch immer mehr neue Richtlinien fortwährend komplizierter. Normen werden komplexer, Anforderungen werden höher. Gerade in der Medizintechnik wird es schwierig, da die Regelungen hier meistens alle zwei Jahre aktualisiert werden. Das bedeutet aber nicht, dass die alten Netzgeräte die neuen Vorgaben nicht erfüllen könnten, aber sie müssen eben erneut beim TÜV oder anderen Prüfinstituten nach den aktualisierten Anforderungen geprüft werden. Diese zusätzlichen Kosten müssen natürlich auf die Netzgeräte umgelegt werden.

Gerade hier ist es natürlich für unsere Kunden und auch für uns wichtig abzuschätzen, welche möglichen Updates in den nächsten fünf Jahren in der Medizintechnik auf uns zu kommen. Es gilt, ein Gerät so aufzubauen, dass es die aktuellsten Normen erfüllt und auch etwas Puffer nach oben hat.

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Sebastian Thies, Produktmanager für Stromversorgungen und Thermodrucker bei Elektrosil: „Über kurz oder lang wird ein Wirkungsgrad größer 90 Prozent auch im mittleren Preissegment Standard sein.“
Sebastian Thies, Produktmanager für Stromversorgungen und Thermodrucker bei Elektrosil: „Über kurz oder lang wird ein Wirkungsgrad größer 90 Prozent auch im mittleren Preissegment Standard sein.“
© Jeanette Rober, Elektronik

Am Ende wird doch das Gesamtsystem geprüft. Müssen die Netzgeräte trotzdem nach jedem Normen-Update erneut geprüft werden?

Thies: In der Medizintechnik wird natürlich auch das Gesamtsystem geprüft. Aber Netzgeräte werden bei Elek­tro­sil generell zertifiziert, egal, ob die Prüfung nun nach Medizintechnik-, Haushalts- oder LED-Normen erfolgt. Für unsere Kunden wird die Zertifizierung des Gesamtgerätes dadurch einfacher, weil nicht jede einzelne Komponente des Geräts überprüft werden muss.

Elektrosil möchte mehr als Lösungsanbieter denn als Distributor gesehen werden. Welche Vorteile haben Ihre Kunden durch dieses Konzept?

Thies: Wir haben eine eigene Entwicklung mit mehr als 20 Ingenieuren im Haus, auch das Produktmanagement wird technisch stark eingebunden. Seit Kurzem beschäftigen wir auch einen Konstrukteur. Außerdem haben wir eine eigene SMT-Fertigung in Deutschland. Dieses Know-how ist Teil unseres Leistungsspektrums.

Nehmen wir als Beispiel die EMV-Prüfung: Gerade für Netzteile können die EMV-Kurven sehr gut aussehen, da die Prüfungen mit einer ohmschen Last erfolgen, sprich: ich habe hier den Idealfall. Entscheidend sind die Ergebnisse im Gesamtsystem: Habe ich bei einem Netzteil beispielsweise nur 3 dB Luft nach oben, kann sich das im Endgerät ganz schnell als zu geringer Puffer erweisen und die Grenzwerte können nicht eingehalten werden. Aus diesem Grund bieten wir unseren Kunden an, ihr Endgerät inklusive unseres Netzgerätes zu überprüfen. Sollten die Ergebnisse nur minimal unter dem Grenzwert liegen oder ihn sogar überschreiten, passen wir das Netzteil an das Endgerät an. Es ist immer einfacher, wenn Kunden uns anstatt der Messergebnisse ihre Geräte für eine eigene Messung zur Verfügung stellen, denn Messdaten stellen uns immer vor die Frage, welche Messung wie durchgeführt wurde. Das gibt viel Raum für Interpretationen.


  1. »Know-how ist Teil unseres Leistungsspektrums«
  2. »Bei Wirkungsgradangaben muss man vorsichtig sein«
  3. »Immer mehr Kunden werden auf die Haushaltsgeräte-Norm schwenken«

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