Regelungstechnik – Teil 6 von 6

Peak-Current-Mode-Regler

19. März 2020, 15:30 Uhr | Von Dr. Ali Shirsavar, Dr. Michael Hallworth und Florian Hämmerle, Tobias Schlichtmeier
Wie ein Peak-Current-Mode-Regler aufgebaut wird
© Omicron Lab

Im fünften Teil der Artikelreihe wurde der Voltage-Mode-Regler behandelt. Im vorliegenden Teil der Serie zeigen Omicron Lab und Biricha Digital wie ein Peak-Current-Mode-Regler aufgebaut wird. Mit diesem Teil 6 endet unsere Reihe zur Regelung von Schaltnetzteilen.

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Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Schritt 2: Bode-Diagramm der Regelstrecke ermitteln

Die graphische Darstellung ist zwar nicht zwingend erforderlich, dennoch ist ein Visualisieren der Vorgänge hilfreich. Es gibt viele Modelle für Peak-Current-Mode-Wandler. Hier wird das beliebte Ridley-Modell verwendet. Detaillierte mathematische Analysen und Gleichungen sind in [2 ]und [3] zu finden.

Bild 3 zeigt das Bode-Diagramm des PCMR-Tiefsetzstellers. Bei niedrigen Frequenzen ist die DC-Verstärkung ersichtlich. Es existiert eine niederfrequente reale Polstelle, eine ESR-Nullstelle und ein komplex konjugiertes Polstellenpaar bei halber Schaltfrequenz. Dieser Kurvenverlauf ist für alle hart schaltenden Eintaktflusswandler ähnlich. Zwar unterscheiden sich die niederfrequente Polstelle und die ESR-Nullstelle der Regelstrecke, das komplex konjugierte Polstellenpaar wird jedoch immer bei der halben Schaltfrequenz zu finden sein.

Die gestrichelte grüne Linie zeigt die komplex konjugierten Polstellen bei halber Schaltfrequenz ohne Anstiegskompensation. Bei höherem Tastgrad wäre die Spitze beziehungsweise der Peak deutlicher ausgeprägt. Wie die Resonanzüberhöhung mit der in Schritt 1 berechneten Anstiegskompensation gedämpft wird, zeigt die durchgezogene Linie. Im Gegensatz zur im vorangegangen Beitrag erläuterten Voltage-Mode-Regelung, ist die Übertragungsfunktion der Regelstrecke wesentlich einfacher geworden.

Schritt 3: Pol- und Nullstellen des Typ-II-Reglers berechnen

Parametertabelle
  
© Omicron Lab

Die hier vorgestellte Methode stellt eine einfache Annäherung dar, um die Pol- und Nullstellen für einen leistungsfähigen Regler samt angemessener Durchtrittsfrequenz (ein Zehntel der Schaltfrequenz) zu berechnen. Die hier verwendete Software zur Netzteil-Auslegung (Biricha WDS) nutzt optimale Algorithmen, in dem kurzen Beitrag wird jedoch eine Näherungsmethode zum Berechnen per Hand vorgestellt.

Aus der Übertragungsfunktion des Reglers ist ersichtlich, dass es lediglich eine Polstelle, eine Nullstelle und einen Integrator (Polstelle im Ursprung) gibt. Folgende Schritte führen zu gutem dynamischem Verhalten und ausreichend Stabilität:

fp1=12πESR·C=11,6kHz   
fz1=Fx5=2kHz    
A1=1,23FxRiL+RLTsπA2 =1-4Fx2Ts2+16Fx4Ts4A3 = 1+4π2C2F2L2RL2(Lπ+RLTs)

Schritt 4: Bauteilwerte des Reglers berechnen

Nun sind die Positionen der Pol- und Nullstellen unseres Reglers bekannt. Somit sind mit den Gleichungen 2 die Komponentenwerte für den Regler zu berechnen.

Wie bereits im vorangegangen Beitrag über den Voltage-Mode-Regler erläutert, sind R1 und Rb basierend auf der Stromstärke und der für den integrierten Regler-IC benötigten Referenzspannung (in diesem Fall 2,55 V) zu berechnen. Mit einer Stromstärke von 1 mA, die über den Spannungsteiler fließen soll, ergeben sich:

R1 = 750Ω

R2 = 2,55kΩ

Die Gleichungen 2 können umgestellt werden, sodass C1, C3 und R2 wie folgt zu berechnen sind:

C1 = ωp1 -ωz1R1ωp0ωp1 = 6,8nFC1 = ωz1R1ωp0ωp1 = 1,4nFR2 = R1ωp0ωp1(ωp1-ωz1)ωz1 = 11,7kΩ

Die Software WDS kann im Modus »manual pole/zero placement« (manuelle Platzierung von Pol-/Nullstellen) verwendet werden, um die Berechnungen zu überprüfen. WDS liefert alle wichtigen Stabilitätsparameter sowie das Bode-Diagramm – das aus dem WDS stammende Bode-Diagramm ist in Bild 4 dargestellt.

Simulierte Schleifenverstärkung mit Durchtrittsfrequenz und Phasenreserve
Bild 4. Simulierte Schleifenverstärkung mit Durchtrittsfrequenz und Phasenreserve.
© Omicron Lab

Aus Bild 4 ist ersichtlich, dass die angestrebte Durchtrittsfrequenz von 10 kHz und eine hohe Phasenreserve von 74° erreicht wurde. Der Anstieg bei Durchtrittsfrequenz beträgt -20 dB pro Dekade und die Amplitudenreserve ist größer als 20 dB. Somit wurde ein äußerst stabiles Netzteil mit einer respektablen Durchtrittsfrequenz und einer großen Phasenreserve entworfen.

Schnelle Berechnung des Reglers

Mit dem vorgestellten Näherungsverfahren lassen sich in den meisten Fällen zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Der Vorteil der hier vorgestellten Methode liegt in der schnellen Berechnung. Ein Nachteil ist hingegen die fehlende Kontrolle über die Phasenreserve. Ein anschauliches Rechenbeispiel bis hin zur Wahl der Komponentenwerte zeigte beispielhaft, wie sich ein Peak-Current-Mode-Regler aufbauen lässt.

Literaturverzeichnis

[1] Biricha Digital’s Analog Power Supply Design Workshop Manual.
[2] Ridley, R.B.: A New Continuous-Time Model for Current-Mode Control. IEEE Transactions on Power Electronics. April 1991. S. 271-280.
[3] Microcontroller Based Peak Current Mode Control. PhD Thesis. M. Hallworth.

Die Autoren

Dr. Ali Shirsavar
Dr. Ali Shirsavar ist ein Experte für das Design von digitalen Netzteilen. Er kombiniert einen fundierten akademischen Hintergrund in der Theorie des Netzteildesigns mit den praktischen Fähigkeiten, die erforderlich sind, um analoge und digitale Netzteildesigns zum Laufen zu bringen.
© Bild: Omicron Lab
Dr. Michael Hallworth
Dr. Michael Hallworth ist Senior Design Engineer bei ctrlPower. Er hat einen Doktortitel in der digitalen Steuerung von Schaltnetzteilen und ist Autor wissenschaftlicher Arbeiten und Fachartikel auf dem Gebiet des digitalen Strom- und Netzteildesigns. Hallworth gibt regelmäßig Workshops für Biricha Digital Power, wo er Gruppen von Ingenieuren im Design von robusten, stabilen analogen und digitalen Stromversorgungen schult.
© Bild: Omicron Lab
Florian Hämmerle
Florian Hämmerle arbeitet für Omicron Lab und konzentriert sich auf Frequenzgang-Messgeräte. Er verfügt über fundierte Kenntnisse und praktische Erfahrungen in der Vektor-Netzwerkanalyse in Leistungselektronik-Anwendungen.
© Bild: Omicron Lab

  1. Peak-Current-Mode-Regler
  2. Schritt 2: Bode-Diagramm der Regelstrecke ermitteln


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