Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren aufgebauten Produktionskapazitäten, speziell im Lithium-Ionen-Akku-Bereich, sprechen die Diskussionsteilnehmer derzeit eindeutig von einem Käufermarkt. »Es gibt keine wirklichen Engpässe am Markt, alle Zellen sind verfügbar«, stellt Heiner fest, »trotzdem gestaltet sich die Preisentwicklung auch 2011 im wesentlichen stabil«. Eine Erosion der Preise, wie sie zuletzt im Krisenjahr 2009 aufgetreten war, sei sowohl in diesem Jahr als auch 2012 nicht zu erwarten.
Als Grund dafür nennen die Diskussionsteilnehmer die Entwicklung der Rohstoffpreise. Auch wenn sich die Situation in den letzten Wochen etwas entspannt haben mag, so weist doch Edward Pytlik, General Manager der Varta Microbattery, darauf hin, dass die Situation bei Silber nach wie vor schwierig sei.
Das größte Problem stellen für die Batterie- und Akku-Hersteller jedoch die Seltenen Erden dar. Zwar sei es möglich, die Speicherlegierungen für NiMH-Akkus direkt in China zu kaufen und den Preisdruck damit etwas zu entschärfen, »wir mussten aber letztlich trotzdem die Preise für NiMH-Akkus erhöhen«. Um welche Dimension der Preissteigerung es bei denen Seltenen Erden geht, verdeutlicht Siegmann: »Während sich der Preis für Nickel von Mitte 2009 bis Mitte 2011 verdoppelt hat, stieg der Preis für Seltene Erden nach Angaben der Financial Times Deutschland im selben Zeitraum um das Zwölffache!«
Eine Möglichkeit, diesem Kos-tentreiber zu entgehen, wäre die Komposition von neuen Speicherlegierungen. Nach Auskunft von Pytlik dauert so etwas 6 bis 12 Monate. »Kritisch daran ist, dass es sehr schwierig sein dürfte, die gleiche Leistungsperformance zu erreichen. Hinzu kommt, dass ich damit ein neues Produkt erhalte und eine neue Spezifikation benötige«, gibt der Varta-Microbattery-Manager zu bedenken, »die Anwender müssten dieses Produkt erst freigeben, und dieser Prozess kann durchaus ein halbes Jahr dauern«. Wie Dr. Heydecke feststellt, sei bisher noch kein Weg gefunden worden, die Seltenen Erden aus der für NiMH-Zellen erforderlichen Speicherlegierung herauszubekommen.
Mit einem ganz anderen Problem haben all diejenigen zu tun, die sich dem E-Mobility-Boom verschrieben haben, und eben nicht Opel/GM, VW, BMW oder Daimer heißen, um nur einmal die großen Player in Deutschland zu benennen. Eine Entwicklung, die auch Georg Koch, Battery Experte bei Siemens und zuvor im Entwicklungsbereich für Elektrofahrzeuge tätig, bestätigt. All diejenigen, die zur Motorisierung ihre Off- und On-Road-Lösungen große Lithium-Ionen-Batterien, benötigen, so der als Consultant im Batterie- und Akku-Bereich tätige Dr. Michael Gnann, bekommen derzeit keine Zellen.
Nachdem sie in den letzten Jahren von einer Reihe von Anbietern mit fast schon kundenspezifischen Lösungen in Dosen- oder Tütenform angeködert wurden, wie Dr. Gnann das provokant ausdrückt, konzentrieren sich die Großen der Branche auf ihre exklusiven Partnerschaften mit Automobil-Herstellern, und der Rest kann zusehen, wo er Zellen herbekommt.
Natürlich seien Flachzellen innerhalb von zwei Wochen von chinesischen Anbietern zu bekommen, werden die Diskussionsteilnehmer ein, aber die traut sich letztlich niemand zu verbauen. Auch wer zu den Glücklichen gehört, der Zellen des koreanischen Herstellers Kokam erhält, wird feststellen, dass ihm das vergleichsweise wenig hilft, wenn es um eine Automotive-Applikation, weil diese Zellen nach Auskunft von Dr. Gnann die dafür notwendigen Standardtests nicht erfüllen. »Die werden aber dann trotzdem verbaut, weil keine anderen da sind«, beschreibt er den Fatalismus der sich inzwischen in der Szene breit gemacht hat.
Dr. Heydecke weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass viele Hersteller mit der Gleichmäßigkeit ihrer großen Zellen Probleme haben. Wenn man 100 Zellen braucht, sollten die nach Möglichkeit gleichmäßig sein, so sein Statement, »dafür müssen Sie aber 700 bis 1000 Zellen bauen, um die dann entsprechend zuordnen zu können«. Einzeln, so seine Einschätzung, lassen sich die heute am Markt verfügbaren großen Lithium-Ionen-Zellen durchaus benutzen, »wenn man dann aber anfängt, 100 davon zusammenzuschalten, dann fängt es an, kritisch zu werden«.