Auch wenn der Pedelec-Hype spektakulär sein mag, so hebt Dr. Jürgen Heydecke, Managing Director bei Batteries and Power Solutions, Varta, doch hervor, dass es noch andere E-Mobility-Segmente gibt, die sich verstärkter Nachfrage erfreuen: »Vergessen Sie nicht den Bereich Scooter, und dann gibt es da noch den Trend, Elektrorollstühle verstärkt von Blei auf Lithium umzurüsten.« Donnert verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Phänomen der Elektro-Bikes. »Da gibt es Straßenmaschinen und Trial-Angebote. Mit einem Elektro-Bike können Sie ihre Trial-Fahrten auch am Wochenende machen, da gibt es keine Probleme durch Lärmbelästigung der Anwohner!«
Dr. Heydecke und Baum machen auch noch darauf aufmerksam, dass auch der Bedarf an tragbaren Medizinelektronik-Lösungen spürbar steigt: »In den USA werden neben tragbaren Ultraschallgeräten auch tragbare Herz-Lungen-Maschinen angeboten«, berichtet Dr. Heydecke, »da sind entsprechend komplexe Batterien mit Fuel-Gaging-Überwachung drin«. Auch diese neuen Lithium-Anwendungen, betont Dr. Heydecke, »sind erst in den letzten Jahren hinzugekommen«. Eine Entwicklung, die so auch Baum bestätigt: »Neben dem Bereich Erneuerbarer Energien zählt das Medizin-Segment mit Sicherheit zu den sich derzeit am interessantesten entwickelnden Wachstumsmarkt - neben dem alles überstrahlenden E-Bike-Segment«.
Wie Dr. Heydecke und Hack betonen, vollzieht sich parallel zum Bedeutungszuwachs neuer Wachstumsmärkte aber auch eine grundsätzliche Veränderung im Packaging-Bereich. Ging es in früheren Jahren darum, Einzelzellen zusammenzuschweißen und mit einem Stecker zu versehen, hält inzwischen immer mehr Kommunikation in die Akku-Packs Einzug. Das Batteriegeschäft, pflichtet ihm Dr. Heydecke bei, ist immer mehr zu einem Designgeschäft geworden, das Elektronik und Ladetechnik beinhaltet. Unabhängig davon, ob die Ladung dann intern oder extern durchgeführt wird, bedarf es nach seiner Einschätzung auch schon bei kleinen Projekten einer Anpassung der Zellen.
Mit der wachsenden Bedeutung der Ladeelektronik kommt mehr Arbeit auf die Entwicklungsabteilungen zu, wie auch Donnert bestätigt: »Die Taktung ist schneller geworden, wir konzentrieren uns derzeit vor allem drauf, unsere Projekte schneller aufs Gleis zu bekommen, damit wir unsere Terminpläne besser einhalten können«. Wenn dann spezielle MOSFETs oder ICs nur schwer zu bekommen sind, verschärft das die Situa-tion noch zusätzlich, wie auch Baum zu berichten weiß: »Wenn Sie im kleineren Bereich von einigen hundert Stück Elektroniken fertigen lassen, dann können da echte Probleme auftreten, die benötigten Bauelemente zu bekommen. Besonders kritisch ist die Situation nach wie vor bei Elektrolyt-Kondensatoren, um hier nur ein Beispiel zu nennen.«
Auch wenn andere Diskussionsteilnehmer der Ansicht sind, dass sich Probleme dieser Art bei entsprechender Vorplanung in den Griff bekommen lassen, weist Dr. Heydecke darauf hin, dass die Vorlaufzeiten für Elektroniken in der Vergangenheit bei 2 Monaten lagen, »heute reden wir dagegen über Lieferzeiten von bis zu 6 Monaten«! Die Probleme der Lieferkette im Bauelementebereich führen die Konfektions- und Packaging-Spezialisten in erster Linie auf die nach wie vor noch nicht wieder ausgeglichen Einbrüche des Jahres 2009 zurück. Die Dreifachkatastrophe von Fukushima, so ihre einheilige Meinung, hat damit kaum etwas zu tun.
Zwar hatte die Katastrophe, je nach Standort der Fertigungen auch keinen Einfluss auf die Produktionskapazitäten der am Diskussionstisch versammelten Batterie- und Akku-Hersteller, dass es trotzdem zu partiellen Problemen in der Lieferkette kommt, hat vor allem damit zu tun, dass Zulieferer betroffen sind. So berichtet Siegmann davon, dass Panasonic nach wie vor Probleme mit zylindrischen Primär-Lithium-Zellen habe. Verantwortlich dafür seien Lieferanten aus der Gegend um Fukushima, die Komponenten für die Dichtungen der Zellen liefern. »Es handelt sich um Single-Sourcing-Lösungen«, erläutert der Panasonic-Manager, »wir sind derzeit fieberhaft auf der Suche nach Alternativen.«.
Auch bei Sanyo musste der eine oder andere Zulieferer aus den betroffenen Regionen ersetzt werden, wie Heiner bestätigt. »Natürlich ist es dadurch zu einer Überlastung der Lieferanten gekommen, die wir derzeit einsetzen«, schildert er die Konsequenzen, »die sind nicht mehr so flexibel wie früher«. In der Konsequenz bedeutet das: Lag der Vorlauf bei Zellen ohne Forecast vor Fukushima bei Sanyo bei drei bis vier Monaten, müssen Kunden heute mit sechs bis sieben Monaten rechnen.