Hochauflösende Displays unter 5 Zoll werden meist als reine Panels angeboten, auf die über Schnittstellen wie 24-Bit-RGB, LVDS oder MIPI-DSI zugegriffen wird. Diese Panels in Geräte für Industrie und Medizintechnik zu integrieren, ist allerdings sehr aufwendig.
Dieser Artikel zeigt, wie die 3,5-Zoll-Plug&Play-Displays von Newhaven Display dazu beitragen, den Aufwand deutlich zu reduzieren.
Entwickler, die Displays für industrielle Steuerungen, medizinische Geräte und andere kompakte Systeme auswählen, müssen mehr Informationen auf kleineren Bildschirmen unterbringen und gleichzeitig die Lesbarkeit, Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit verbessern. Zudem müssen sie die Kosten senken und die Entwicklung beschleunigen. Bei herkömmlichen Optionen ist es schon schwierig, die richtige Kombination aus Größe, Auflösung, Helligkeit und industrieller Performance zu finden. Ist das geschafft, stellt sich das Problem der Integration. Kleine Industriedisplays werden in der Regel in Form von Panels oder Modulen angeboten. Diese erfordern jedoch einen erheblichen Aufwand für Entwickler, die sich mit Low-Level-Treibern, Hintergrundbeleuchtung und der Abschwächung elektromagnetischer Störungen (EMI) herumschlagen müssen.
In der Vergangenheit mussten kleine Geräte mit Bildschirmen geringer Auflösung auskommen. Aufgrund ihrer begrenzten Funktionalität benötigten diese Altsysteme kaum mehr als einfache Menüs und grundlegende Anzeigen. Moderne Geräte erfordern jedoch hochauflösende Displays, die komplexe Daten mit einem ausgefeilten Benutzererlebnis darstellen können.
Das haben Trends wie die IoT-Vernetzung und immer ausgefeiltere Analysen weiter vorangetrieben. Typische Beispiele sind tragbare Diagnose- und Messgeräte. Diese Geräte müssen mehr können, als nur Messwerte anzuzeigen. Sie müssen visuelle Hilfestellung geben, um Probleme lösen zu können.
Die Entwicklung der Plattformen bestimmt auch die Anforderungen an die Auflösung der Bildschirme. Weil klassische eingebettete RTOS-Umgebungen modernen Plattformen wie Linux, Windows Embedded und Raspberry Pi weichen, sehen sich die Entwickler mit einer praktischen Einschränkung konfrontiert: Moderne Betriebssysteme erfordern eine Bildschirmauflösung von mindestens 640 × 480 Pixel, was herkömmliche Displays für Geräte mit kleinen Bildschirmen einfach nicht leisten können.
Aus der Entwicklungsperspektive sind höhere Auflösungen sehr praktisch, weil sie die Wiederverwendung von Benutzeroberflächen-Frameworks, Widgets und Symbolbibliotheken ermöglichen, die ursprünglich für Desktops, Tablets oder eingebettete Systeme mit größeren Displays entwickelt wurden. Diese Wiederverwendung trägt dazu bei, ein konsistentes Branding und Verhalten über Produktfamilien hinweg zu gewährleisten und gleichzeitig einmalige GUI-Arbeiten auf niedriger Ebene zu vermeiden.
Bild 2. Die NHD-3.5-HDMI-HR-RSXP-CTU integriert ein scharfes 640×480-Pixel-Panel in eine komplette Display-Baugruppe mit EMI-Abschirmung um die Hochfrequenzkomponenten.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bewegen sich die Designer weg von der bei kleinen Displays üblichen Auflösung von 320 × 240 Pixel hin zu gestochen scharfen, reaktionsschnellen TFT-Bildschirmen (640 × 480 Pixel) mit Technologien wie In-Plane-Switching (IPS) für präzise Farben und größere Betrachtungswinkel. Diese Vervierfachung der Pixelanzahl bietet eine hervorragende Benutzeroberfläche, bringt aber auch zwei miteinander verbundene Herausforderungen mit sich.
Hochauflösende Displays unter 5 Zoll werden meist als reine Panels angeboten, auf die über Schnittstellen wie 24-Bit-RGB, LVDS oder MIPI-DSI zugegriffen wird. Um diese Panels zu integrieren, müssen Entwickler mit Highspeed-Schaltungen, aufwendiger Verkabelung und EMI durch die Hochfrequenzsignale zurechtkommen. Ebenso werden kleine Displays häufig lediglich mit einer einfachen Hintergrundbeleuchtung geliefert, so dass die Designer LED-Treiber beschaffen und Dimmfunktionen implementieren müssen.
Auf der Softwareseite fehlt es an standardisierten Erkennungsmechanismen für bloße Panels. Entwickler müssen die Display-Timings manuell konfigurieren und eigene Treiber für die Berührungseingabe und die Steuerung der Hintergrundbeleuchtung entwickeln. Diese Arbeit erfordert spezielles Grafik- und Betriebssystem-Know-how, das möglicherweise nicht zum Kernbereich des Produktteams gehört, und erschwert das Testen, die Herstellung und den Außendienst.
Bild 3. Das NHD-3.5-HDMI-HR-RSXP bietet ein vorintegriertes 640×480- Pixel-Display mit einer Rahmenöffnung anstelle von kapazitiver Berührungssensorik.
Die 3,5-Zoll-IPS-HDMI-TFT-Displays (Bild 1) von Newhaven Display lösen diese Probleme, indem sie ein Panel mit 640 × 480 Pixel, einen Treiber für helle Hintergrundbeleuchtung, EMI-Abschirmung und optionale kapazitive Berührungssensorik in eine komplette Display-Baugruppe integrieren. Mit einer Pixeldichte von 228 Pixeln pro Zoll (PPI) liefern diese Panels die Auflösung, die für informationsdichte Mensch-Maschine-Schnittstellen (HMIs) benötigt wird, ohne dass die herkömmliche Hardwareentwicklung Probleme bereitet.
Die HDMI-Videoschnittstellensoftware vereinfacht die Einrichtung des Systems. Aus der Sicht des Hostsystems verhalten sich die Displays wie Standard-HDMI-Monitore und nicht wie unbekannte nackte Panels, die benutzerdefinierte Timing-Tabellen erfordern. Wie jeder Standard-HDMI-Monitor verwendet die Schnittstelle »Extended Display Identification Data« (EDID), um einen 640×480-Pixel-Modus anzuzeigen, was eine automatische Erkennung unter Windows, Linux und Einplatinencomputern wie dem Raspberry Pi ermöglicht. Dadurch entfällt die Arbeit mit Low-Level-Grafiktreibern und das Risiko falsch konfigurierter Auflösungen wird minimiert.
Das berührungsempfindliche NHD-3.5-HDMI-HR-RSXP-CTU (Bild 2) erweitert die Philosophie der Standardschnittstellen auf die projiziert-kapazitive (PCAP) Touch-Eingabe. Hier liefert ein Micro-USB-Anschluss sowohl die 5-V-Versorgung als auch Berührungsdaten für die kapazitive Variante. Der Touch-Controller erscheint unter Windows und Linux als standardmäßiges »USB Human Interface Device« (USB-HID), so dass das Betriebssystem seine eigenen Treiber automatisch installiert, ohne dass herstellerspezifische Kernelmodule erforderlich sind.
Die Module vereinfachen auch den gesamten Montageprozess. Bei nackten Panels müssen die Designer eine mehrstufige Integration vornehmen: Das TFT-Glas muss in einen kundenspezifischen Rahmen eingebaut werden, eine separate Treiberplatine muss an anderer Stelle im Gehäuse befestigt werden, empfindliche Flachbandkabel müssen zwischen den Komponenten verlegt werden und es muss Platz für die diskreten LED-Treiberschaltungen gefunden werden. Die 3,5-Zoll-IPS-HDMI-TFTs reduzieren dies auf eine einzige Baugruppe mit vier Befestigungslöchern in den Ecken.
Die Architektur mit zwei Kabeln (HDMI für Video und Micro-USB für Stromversorgung und Berührungssensorik) ersetzt anfällige flexible Flachband- durch Standardkabel, und die Anschlüsse sind entlang einer Kante der Leiterplatte positioniert, um ein einfaches Routing zu ermöglichen. Die integrierte EMI-Abschirmung reduziert die Anforderungen an die Abschirmung auf Gehäuseebene weiter.
Bild 4. Zu den wichtigsten Merkmalen der 3,5-Zoll-IPS-HDMI-TFTs gehören eine HDMI- (1) und eine USB-Micro-B-Schnittstelle (2), LED-Anzeigen für HDMI, Gleichstrom und Berührungserkennung (3 bis 5) sowie ein Anschlussblock für die Hintergrundbeleuchtung (6).
Die Verwendung von IPS-Displays ermöglicht eine hervorragende optische Leistung im Vergleich zu herkömmlichen TN- (Twisted Nematic) oder VA-Panels (Vertical Alignment). IPS bietet einen weiten Betrachtungswinkel von 85° in alle Richtungen und sorgt für gleichbleibende Farben und Kontraste in allen Betrachtungspositionen. Eine typische Leuchtdichte von 810 cd/m² für das kapazitive Modell unterstützt den Einsatz in Umgebungen mit starkem Umgebungslicht und ermöglicht eine klare Sichtbarkeit für Handinstrumente, Bedienfelder und andere Anwendungen im Freien und in industriellen Umgebungen.
Das Modell NHD-3.5-HDMI-HR-RSXP ohne Berührungssensorik (Bild 3) weist dieselbe Gesamtarchitektur auf, lässt aber das PCAP-Overlay weg. Dies ermöglicht ein helleres Display mit 950 cd/m² und damit eine noch bessere Lesbarkeit bei Sonnenlicht für Anwendungen, bei denen die Eingabe über physische Tasten oder andere externe Bedienelemente erfolgt. Der Strombedarf des Non-Touch-Modells ist ebenfalls etwas geringer (460 mA typisch gegenüber 490 mA). Die HDMI- und USB-Anschlüsse bleiben erhalten, wobei die Stromversorgung ausschließlich über USB erfolgt.
Beide Modelle sind für Betriebstemperaturen von -20 °C bis +70 °C und Lagerungstemperaturen von -30 °C bis +80 °C spezifiziert. Zu den Validierungstests gehören Temperaturwechsel, Vibration und elektrostatische Entladung bis ±8 kV in Luft und ±4 kV bei Kontakt. Damit eigenen sie sich für den Einsatz in der Industrie, im Transportwesen und in Außenumgebungen mit moderaten Umweltbedingungen, ohne dass Designer eine eigene Qualifizierung auf Display-Ebene implementieren müssen.
Auf der Hardware-Ebene konzentriert sich die Integration auf drei Hauptschnittstellen (Bild 4). Ein HDMI-Typ-A-Anschluss liefert den Videoeingang, während ein USB-Micro-B-Anschluss 5 V liefert und beim kapazitiven Modell die USB-HID-Touch-Daten überträgt. Ein kleiner Anschlussblock gibt den Steuerpin für den Treiber für die Hintergrundbeleuchtung frei, der entweder ein einfaches Aktivierungssignal oder eine pulsweitenmodulierte Wellenform zwischen 5 kHz und 100 kHz akzeptiert. Status-LEDs zeigen die Stromversorgung, die Erkennung von HDMI-Verbindungen und die Berührungsaktivität bei der kapazitiven Version an, was die Inbetriebnahme und Fehlersuche vor Ort erleichtert.
Sowohl in Windows 10 als auch in Windows 11 wird der Bildschirm automatisch als gewöhnlicher HDMI-Monitor erkannt. Das kapazitive Modell wird als USB-HID-Touch-Gerät registriert, sobald die USB-Verbindung hergestellt ist. Es ist keine spezielle Treiberinstallation erforderlich, und es können die Standard-Anzeigeeinstellungen und Touch-Kalibrierungswerkzeuge verwendet werden.
Linux-basierte Systeme verwenden meist HDMI und EDID für die automatische Moduserkennung. In den meisten Konfigurationen erscheint das Modul als Standard-HDMI-Display, und das System wählt automatisch den Modus für 640 × 480 Pixel. Für Plattformen wie den Raspberry Pi enthält das Benutzerhandbuch Beispielkonfigurationszeilen, um den gewünschten Modus und das Timing zu erzwingen, falls erforderlich. Die Berührungseingabe bei der kapazitiven Variante wird über das Standard-Linux-Eingabe-Subsystem als USB-HID-Gerät dargestellt, was die Integration mit gängigen grafischen Frameworks vereinfacht.
Über den Steuerpin des integrierten LED-Treibers lässt sich die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung einstellen, ohne dass eine separate Treiberschaltung erforderlich ist. Ein statischer Logikpegel kann für eine einfache Ein-/Aus-Steuerung verwendet werden, während ein Pulsweitenmodulationseingang die Einstellung der Helligkeit für schwach beleuchtete Umgebungen oder die Reduzierung des Stromverbrauchs während der Leerlaufzeiten ermöglicht. Dieser Ansatz vermeidet das Schaltrauschen und die Layout-Komplexität, die mit diskreten Hochspannungs-LED-Treibern auf der Hauptplatine verbunden sind.
Rolf Horn ist Applikationsingenieur bei DigiKey und beantwortet entwicklungs- und ingenieurtechnische Fragen von Endkunden in DACH und BeNeLux.
Entwickler von kleinen Geräten, die ein Display benötigen, stehen vor vielen Problemen hinsichtlich Integration, Kosten und Markteinführungszeit, die mit den 3,5-Zoll-IPS-HDMI-TFT-Modulen von Newhaven Display gelöst werden können. Sie vereinen eine Auflösung von 640 × 480 Pixeln, sonnenlichttaugliche IPS-Optik, Standard-HDMI- und USB-HID-Schnittstellen, einen integrierten Treiber für die Hintergrundbeleuchtung, EMI-Abschirmung und industrielle Umweltspezifikationen in einem hoch integrierten Plug&Play-Paket.