Seit 120 Jahren steht die Marke Osram für technologischen Fortschritt – von der Glühlampe bis zu modernen Licht- und Sensortechnologien.
Im Interview erklärt Dr. Dieter Boss, Vice President Intellectual Property bei ams Osram, warum Patente und Markenrechte das Fundament nachhaltiger Innovation sind, wie sie Verbraucher schützen und faire Wettbewerbsbedingungen im Markt gewährleisten.
Markt&Technik: Die Marke Osram feiert in diesem Jahr ihr 120 jähriges Bestehen. Welche Rolle spielen geistiges Eigentum und Patente in dieser langen Innovationsgeschichte?
Dr. Dieter Boss: Geistiges Eigentum ist die Basis nachhaltiger Innovationsarbeit – damals wie heute. Ohne Schutzmechanismen wie Patente, Markenrechte oder Designs wäre die kontinuierliche Weiterentwicklung der Lichttechnologie kaum möglich gewesen. ams Osram verfügt heute über rund 12.000 Patente und Patentanmeldungen. Neben Technologien, Designs und Patenten ist aber auch die Marke Osram selbst ein zentraler IP Vermögenswert. Sie steht seit 120 Jahren für Technologieführerschaft – von der Glühlampe bis hin zu modernen halbleiterbasierten Licht und Sensorlösungen. Diese Innovationskraft beruht wesentlich auf einem konsequenten Schutz unseres geistigen Eigentums.
Dr. Dieter Boss, ams Osram: »Die Zukunft der Marke Osram liegt in der Verbindung von Licht und Sensorik zu intelligenten Systemlösungen.«
Wie profitieren Verbraucher und andere Marktteilnehmer vom Schutz geistigen Eigentums?
Der Schutz geistigen Eigentums kommt nicht nur den Rechteinhabern zugute, sondern schafft klare Vorteile für den gesamten Markt. Er sichert Investitionen in Forschung, Entwicklung und Qualität ab und fördert damit nachhaltige Innovation. Das Ergebnis ist ein breites, verlässliches und technologisch hochwertiges Produktangebot. Gleichzeitig stärkt IP Schutz faire Wettbewerbsbedingungen, indem Nachahmung und unlauterer Wettbewerb begrenzt werden. Verbraucher profitieren von Transparenz, geprüfter Qualität, Sicherheit und klarer Herkunft – Unternehmen von planbaren Rahmenbedingungen für Kooperationen, Lizenzmodelle und Marktzugang.
Dennoch scheinen immer mehr Nachahmerprodukte im Umlauf zu sein. Welche Risiken bergen diese – insbesondere bei licht- und sensorbasierten Technologien?
Nachahmerprodukte können erhebliche Risiken mit sich bringen, weil sie häufig nicht die erforderlichen Sicherheits-, Qualitäts- und Zuverlässigkeitsstandards erfüllen. Gerade bei licht- und sensorbasierten Technologien kann das kritisch sein: Es drohen elektrische Probleme wie Überhitzung oder Kurzschlüsse, optische Gefahren etwa durch Blendung oder unzureichende Sichtbarkeit sowie material- oder chemiebedingte Risiken. Im schlimmsten Fall kommt es zu Fehlfunktionen in sicherheitsrelevanten Anwendungen.
Wie geht Ihr Unternehmen gegen Verletzungen seiner IP Rechte vor?
Wir überwachen die Märkte, in denen wir aktiv sind, kontinuierlich auf mögliche IP Verletzungen – insbesondere bei Patenten und Marken. Dafür stehen uns vielfältige Instrumente zur Verfügung. Als etabliertes Unternehmen mit einem über Jahrzehnte gewachsenen IP Portfolio verfügen wir über entsprechend starke Möglichkeiten. Wenn wir Verstöße feststellen, handeln wir konsequent. Unser Ansatz ist dabei klar: Wir suchen faire und einvernehmliche Lösungen, setzen unsere Rechte aber entschlossen durch, wenn Schlüsseltechnologien unautorisiert genutzt werden. Im Mittelpunkt stehe der Schutz unserer Innovationen, unserer Kunden und ein fairer Wettbewerb.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, bei dem ams Osram seine IP Rechte erfolgreich durchgesetzt hat?
Ein aktuelles Beispiel ist die Durchsetzung unserer Patentrechte in der Pflanzenbeleuchtung. Im August 2025 haben wir in Deutschland und den USA Klagen gegen „Spider Farmer“-Leuchten eingereicht, weil unsere Hyper Red LED Technologie mit 660 nm darin unautorisiert eingesetzt wurde. Ziel war es, die Nutzung unserer geschützten Technologie zu unterbinden und faire Marktbedingungen sicherzustellen. Im Februar 2026 konnten wir den Streit schließlich einvernehmlich beilegen: Der Hersteller Meizhi Optoelectronics Technology bezieht künftig LEDs direkt von ams Osram. Das zeigt, dass klar definierter und durchsetzbarer IP Schutz nicht nur Konflikte klärt, sondern auch konstruktive Lösungen ermöglicht.
ams Osram betreibt ein umfangreiches Markenlizenzprogramm. Wie trägt es zur Weiterentwicklung der Marke Osram bei?
Unser Markenlizenzprogramm ist ein zentraler Bestandteil unserer Markenstrategie. Es ermöglicht ausgewählten Partnern weltweit, die Marke Osram in definierten Produktkategorien zu nutzen. Gleichzeitig bleibt die Marke vollständig in unserem Eigentum. Wir stellen sicher, dass alle Lizenznehmer unsere Qualitätsstandards und Markenwerte erfüllen. Das stärkt die Markenintegrität, erhöht die globale Sichtbarkeit und eröffnet neue Marktzugänge – ohne Kompromisse bei Qualität oder Positionierung.
Die Marke Osram hat sich technologisch immer wieder neu erfunden. Wie blicken Sie aus IP Sicht in die Zukunft?
Die Zukunft der Marke Osram liegt in der intelligenten Verbindung von Licht und Sensorik. Unter dem Dach von ams Osram entwickeln wir Lösungen, die etwa die Verkehrssicherheit erhöhen, mobile Geräte leistungsfähiger machen oder präzise Anwendungen in der Robotik ermöglichen. Licht wird dabei zunehmend auch zum Informationsträger – ein Ansatz, der beispielsweise mit unserer „Digital Light“-Technologie ausgezeichnet wurde. Unser Anspruch ist es, auf Basis von 120 Jahren Erfahrung neue Technologien aktiv mitzugestalten. Mit unserer Marke und unserem IP Portfolio schaffen wir den Rahmen dafür, dass Innovationen geschützt, gezielt eingesetzt und gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt werden – für eine sichere, effiziente und lebenswerte Zukunft.