Display Week 2026

»KI beschleunigt die Display-Entwicklung spürbar!«

20. August 2026, 08:00 Uhr | Heinz Arnold
Dr. Armin Wedel, DFF und Fraunhofer Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland
Dr. Armin Wedel, Senior Manager International Cooperation in der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland, und Präsident des DFF: »Die Qualität der Gespräche auf der Display Week war hervorragend – trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten.«
© DFF

Im Gespräch mit Markt&Technik erläutert Dr. Armin Wedel, Präsident des DFF und in der Fraunhofer Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland in Berlin tätig, welche Trends die Branche derzeit bewegen.

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Und warum KI zum Innovationstreiber wird und weshalb mittelständische Messtechnikunternehmen eine wichtige Rolle spielen.

Markt&Technik: Sie haben die Display Week 2026 in Los Angeles verfolgt, bei der auch zwei Fraunhofer-Institute als Aussteller im German Pavillon vertreten waren. Wie ist Ihr Eindruck von der diesjährigen Messe?

Dr. Armin Wedel: Die Display Week ist die weltweit wichtigste Messe und Konferenz für Display-Technologien. Hier trifft sich die weltweite Community zum Austausch. An sich war die Stimmung gut, es wurden sehr viele Kontakte geknüpft und qualitativ hervorragende Gespräche geführt. Allerdings war zu spüren, dass die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen und die wirtschaftlich angespannte Situation zu großer Unsicherheit führen. Wahrscheinlich ist deshalb die Zahl der Besucher nach meinem Gefühl etwas zurückgegangen. Das hat die hohe Qualität der Kontakte allerdings kompensiert.

Welche technischen Trends waren auf der Display Week zu sehen?

Der Trend geht weiterhin zu sehr großen Displays (bis zu 130 Zoll), parallel wird kontinuierlich an der Verbesserung der Hintergrundbeleuchtungen von LCD-Displays gearbeitet. Die Displayhersteller entwickeln etablierte Technologien wie OLED und QD-(O)LED weiter. Quantum Dots (QD) stehen im Mittelpunkt der Materialentwicklungen: So bewährt sich die Inkjet-Technologie zunehmend als kostengünstiges Herstellungsverfahren für OLED- und QD-LED-Displays. Weiterhin wurden auf der Display Week zwei- und dreifach faltbare Displays sowie Lösungen für unterschiedlichste Anwendungsbereiche – darunter Automotive, Medical, Marine und Defense – präsentiert. Auch bekannte Technologien wie E-Paper wurden weiterentwickelt und zeigten eine noch bessere Farbdarstellung.

electronic displays Conference 2027 - jetzt Vortrag einreichen!

Am 17. und 18. März 2027 wird sich in Nürnberg wieder die Display-Community treffen - zur electronic displays Conference 2027. Für das bedeutendste Display-Konferenzevent in Europa lädt der Konferenzbeirat wieder ein zur Einreichung von Beiträgen aus den Bereichen Forschung, Entwicklung, Anwendungen, Systemintegration und Marktperspektiven im Zusammenhang mit Displaytechnologien und visuellen Systemen. Besonders willkommen sind anwendungsorientierte Beiträge, die aufzeigen, wie Displays, Schnittstellen und eingebettete visuelle Systeme in realen Produkten und aufstrebenden Märkten zum Einsatz kommen. Interessenten reichen ihre Vorschläge bitte hier ein, die ultimative Deadline ist der 5. Oktober 2026.

Was tut sich auf dem Gebiet der microLEDs?

Es gab viele Aussteller, die microLED Applikationen zeigten. Derzeit ist noch nicht klar, wo die Reise hingehen wird. Eine Möglichkeit besteht darin, rote, grüne und blaue LEDs einzusetzen. Problematisch ist immer noch, dass die drei aus verschiedenen Materialien aufgebauten LED-Typen unterschiedliche Effizienzen aufweisen. Das lässt sich umgehen, indem nur blaue LEDs mit zusätzlichen Farbfiltern auf Basis von Quantum Dots verwendet werden. Diese müssen jedoch temperaturstabil sein. Jede Technologie hat ihre Vor- und Nachteile, es zeichnet sich noch nicht ab, welche das Rennen machen wird.

Eine große Schwierigkeit besteht darin, dass bisher noch kein kostengünstiges Verfahren für die Fertigung von microLEDs zur Verfügung steht. Ist das nach wie vor so?

Für die Fertigung von großen microLED-Bildschirmen sind die zur Verfügung stehenden Fertigungsmethoden nach wie vor zu teuer. Deshalb eröffnen sich ihnen nur wenige Einsatzgebiete, eben dort, wo kleine Displays verwendet werden, beispielsweise in Smart Watches oder AR-Brillen. Das Fraunhofer IPMS hat beispielsweise ein OLED-Mikrodisplay mit 2028 x 2048 Pixeln auf 1,07 Zoll gezeigt. Das Schöne daran: Sie lassen sich in kleinen Foundries in Deutschland herstellen. Immerhin passen einige hundert Exemplare auf einen 300-mm-Wafer. Später könnten die Foundries dann auch die Fertigung übernehmen.

Welche Rolle spielte die KI auf der Display Week?

Eine sehr große Rolle auf vielen Ebenen. Alle großen Hersteller treiben KI-Projekte voran, um die Materialauswahl und die Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und die Produktion zu verbessern und effizienter zu machen.

Kennen Sie ein Beispiel, wo die KI schon nutzbringend eingesetzt wird?

Für die Entwicklung von OLED- und QD-LED-Displays müssen oft sehr viele Schichten verschiedener Materialien aufeinander abgeschieden werden. Um die richtigen Materialien und Schichtfolgen zu finden, waren bisher sehr viele Versuche erforderlich, was sehr viel Zeit und viel Geld kostete. Jetzt können die Parameter in ein KI-System eingegeben werden, das auf Basis der Daten der vorausgegangenen Experimente viel schneller zu Ergebnissen kommt, als es nur über reale Versuche möglich wäre. Das spart deutlich Zeit und Ressourcen. Das Thema hat über die vergangenen Monate enorm an Fahrt aufgenommen. Alle glauben daran und die Fortschritte werden sichtbar.

Was ist im German Pavillon besonders aufgefallen?

Dieses Jahr konnten wir mit dem DFF – Global Network for Display Professionals – wieder 11 Firmen für den German Pavilion gewinnen. Vertreten waren sowohl etablierte Stammgäste der letzten Jahre als auch Erstaussteller wie die exceit GmbH, die sich zum ersten Mal auf der Display Week präsentierten. Hervorzuheben ist in diesem Jahr die Novaled AG, ein Pionier in der OLED-Entwicklung, die nach einigen Jahren wieder im German Pavililon vertreten war. Die Fraunhofer-Institute aus Dresden (Fraunhofer IPMS) und Potsdam (Fraunhofer IAP) sind seit Jahren regelmäßig dabei, ebenso wie die ISRA Surface Vision GmbH, tesa, die si-OPTICA GmbH und die TechnoTeam GmbH.

TechnoTeam stellte auf der diesjährigen Display Week Messsysteme für Automotive-Displays, OLED- und MicroLED-Displays, sowie AR/VR- und Near-Eye-Displays vor. Besonders interessant waren ihre robotergestützten Messsysteme, bei denen eine Messkamera auf einen 6-Achs-Industrieroboter montiert wird. Damit lassen sich komplexe Automotive-Displays, gekrümmte Displays und AR/VR-Displays automatisch vermessen.

Zudem präsentierten sich DFF-Mitglieder aus den Niederlanden auf der Display Week, darunter die Firma Admesy: Sie setzt auf kompakte, automatisierungsfreundliche Geräte, die sehr schnell und präzise messen.

Diese mittelständischen Unternehmen beliefern die großen Display-Hersteller weltweit, treiben Standards in der optischen Messtechnik voran – und können damit durchaus etwas auf globaler Ebene bewirken. Sowohl in den entsprechenden Arbeitsgruppen des DFF als auch international in der IEC (International Electrotechnical Commission) und dem ICDM (International Committee for Display Metrology) arbeiten diese Firmen mit.

Ich finde es faszinierend zu sehen, welche technischen Entwicklungen sie hinsichtlich Geschwindigkeit und Genauigkeit vorantreiben. Sie sind hochinnovativ und reagieren sehr schnell auf Marktanforderungen. So haben sie innerhalb kürzester Zeit die USB-Schnittstellen in ihre Geräte integriert – als die Großen der Branche noch zögerten und länger auf die traditionellen Schnittstellen setzten. Deshalb bieten sich für agile Mittelständler hier große Chancen!

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