Nach einer turbulenten Führungsphase mit drei Wechseln in weniger als vier Jahren holt Carl Zeiss eine erfahrene internationale Medtech-Managerin an die Spitze seiner Meditec-Sparte - die Irin Bronwyn Brophy O'Connor ist ein klares Signal für die laufende Neuausrichtung des kriselnden Unternehmens.
Bronwyn Brophy O'Connor (51) wurde zum neuen Vorstandsmitglied der Carl Zeiss AG für die Sparte Medical Technology berufen. Parallel hat der Aufsichtsrat der börsennotierten Carl Zeiss Meditec AG sie zur neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Damit endet eine fünfmonatige Übergangsphase, die durch das abrupte Ausscheiden ihres Vorgängers Maximilian Foerst ausgelöst worden war.
Foerst hatte die Sparte Medical Technology erst im Juni 2025 übernommen - als Nachfolger von Dr. Markus Weber, der auf eigenen Wunsch ausgeschieden war. Doch schon im Dezember 2025 einigten sich der Aufsichtsrat und Foerst einvernehmlich auf die Beendigung seiner Vorstandstätigkeit zum 31. Dezember 2025: Grund war ein von Foerst eingeräumter Verstoß gegen den Zeiss-Verhaltenskodex im Zusammenhang mit einem Interessenkonflikt im Umgang mit einer Person innerhalb des Unternehmens.
Andreas Pecher übernahm als damaliger Aufsichtsratsvorsitzender der Meditec AG und Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG, notgedrungen ab dem 1. Januar 2026 auch den Meditec-Vorstandsvorsitz interimistisch — und legte dafür sein Aufsichtsratsmandat nieder. Die häufige Wechsel an der Spitze der Medical-Technology-Sparte, gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten - haben Unruhe verursacht und sind ungewöhnlich für ein Unternehmen, das eigentlich als stabiler Langläufer gilt.
Die Nachfolgerin Bronwyn Brophy O’Connor bringt eine beeindruckend breite Medtech-Biografie mit. Die aus Irland stammende Managerin startete ihre Karriere 1997 bei Johnson & Johnson, wo sie bis 2012 Positionen mit wachsender Verantwortung bekleidete — zuletzt als General Manager der Cardiovascular Care Group für das Vereinigte Königreich und Irland. Danach wechselte sie zu Covidien, das später von Medtronic übernommen wurde.
Von 2013 bis 2018 war sie zunächst als Vice President Early Technologies für die EMEA-Region tätig, dann als President of Women's Health bei Medtronic in Boston. Es folgte 2019 der Wechsel zu Thermo Fisher Scientific, zunächst als President für die EMEA-Region, dann als Global President der Immunodiagnostics Division in Uppsala. Seit August 2023 ist sie CEO der an der NASDAQ Stockholm notierten Vitrolife Group in Göteborg.
Sie kennt sich als aus in Sachen Strategieentwicklung, Turnarounds, geographischer Expansion sowie M&A-Aktivitäten — und kennt die damit verbundene Verantwortung, die sie nun bei Carl Zeiss Meditec in einer weit größeren Dimension erwartet.
Für die Carl Zeiss Meditec AG, die im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 2.228 Mio. Euro erwirtschaftete und 5.784 Mitarbeitende weltweit beschäftigt, ist das ein klares Signal: Mit O'Connor holt sich Zeiss eine Managerin, die globale Skalierung und operative Neuausrichtung kennt.
Aufsichtsratsvorsitzender Michael Bolle betonte, sie werde »mit ihren exzellenten Kompetenzen die begonnene Neuausrichtung der Zeiss Medizintechnik entscheidend gestalten« - eine Formulierung, die aufhorchen lässt. Die Meditec-Sparte steht unter erheblichem Druck: Schwaches China-Geschäft und ein angekündigtes Restrukturierungsprogramm von bis zu 1.000 Stellen weltweit zeigen, dass O'Connor kein ruhiges Fahrwasser übernimmt.
Der genaue Starttermin ist noch offen - er ist Gegenstand laufender Verhandlungen mit ihrem bisherigen Arbeitgeber Vitrolife. Bis zu ihrem Amtsantritt bleibt Andreas Pecher interimistischer Meditec-Chef, kann sich aber dann endlich wieder vollständig seiner eigentlichen Aufgabe widmen: der Steuerung des knapp-12-Milliarden-Konzerns Zeiss als Ganzes. (uh)