Neuer LPWAN-Mitspieler Wird Mioty zum „LoRa-Killer“?

Mattias Lange, TI: »Die technischen Hürden sind genommen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Allianz die potenziellen Anwender insgesamt von den Vorteilen des Mioty-Protokolls überzeugen kann.«

Hat sich mit der Gründung der Mioty-Allianz auf der embedded world 2020 ein ernst zu nehmender Wettbewerber zu LoRaWAN in Position gebracht?

Vielen schien es so, weil Mioty technisch in wesentlichen Punkten überlegen ist, was besonders auf dem Gebiet der Campus-Netze zum Tragen kommt, wo LoRaWAN über die vergangenen Jahre sehr erfolgreich war. Einige sprachen von Mioty sogar schon als dem „LoRa-Killer“.

Das sieht Hermann Trottler, Chairman des Excecutive Board der Mioty-Allianz, denn doch etwas anders: »Wir betrachten LoRa nicht als Wettbewerber, sondern als Wegbereiter. LoRa ist eine etablierte Technik, es besteht ein umfassendes Ecosystem. Mioty steht dagegen erst ganz am Anfang.« Doch technisch habe Mioty eine neue Evolutionsebene erreicht, was ganz normal sei, weil LoRa immerhin schon zehn Jahre am Markt ist: »Da ist es ganz natürlich, dass die Technik mal wieder einen Sprung nach vorne macht«, erklärte er gegenüber Markt&Technik.

Was hat sich also die Mioty-Allianz für die nächste Zeit vorgenommen? »Wir werden die kompletten Protokolle standardisieren, um die Geräte zertifizierbar und interoperabel zu machen«, erklärt Trottler. Erst das gibt den Betreibern die Sicherheit, dass die Sensoren und sonstigen Geräte verschiedener Hersteller einfach zusammenarbeiten können. Außerdem will die Allianz neue Mitglieder aufnehmen, die die entsprechenden Sensoren, Gateways und Netze aufbauen. Einsatz soll Mioty unter anderem in Smart Cities, in der Industrie, in der Agrartechnik und im Smart Home finden. Grundsätzlich gebe es so viele Wachstumsmöglichkeiten, dass Mioty nicht im Wettbewerb zu anderen LPWAN-Techniken wie LoRa stehe. »Mioty wird seinen Platz finden, ohne andere verdrängen zu müssen«, so Trottler.

Doch technisch ist die ursprünglich im Fraunhofer IIS entwickelten Mioty-Technik einen Schritt voraus. Denn Mioty zeichnet sich gegenüber existierenden Alternativen im unlizenzierten Spektrum wie LoRaWAN und Sigfox durch hohe Robustheit aus, wie Mattias Lange, General Manager für Connectivity von TI, im Gespräch mit Markt&Technik erklärte. Die Daten werden nämlich im Sub-GHz-Band in sehr kurzen Paketen auf verschiedenen Frequenzen verschickt, sogenannten Telegrammen.
Diese patentierte „Telegram Splitting“-Technik macht Kollisionen und Interferenzprobleme bei starkem Funkverkehr relativ unwahrscheinlich. Und selbst wenn Kollisionen stattfinden, lassen sich die Daten dank Fehlerkorrekturcodes auch dann vollständig rekonstruieren, wenn nur 50 Prozent der Pakete ankommen. Zudem nimmt Mioty wenig Energie auf, sodass eine Batterie, beispielsweise in Gas- oder Wasserzählern, laut Lange 10 bis 15Jahre halte.

Weil Mioty auf MSK-Modulation basiert, können die meisten auf dem Markt erhältlichen Funk-ICs verwendet werden. Ein weiterer wichtiger Vorteil sei, dass das Software-Paket für Mioty prinzipiell auf jedem Controller läuft. »Damit sind wir von der Hardware unabhängig«, so Lange. »Und schließlich ist Mioty ein Protokoll, das die gerade veröffentlichte technische Spezifikation ETSI TS 103357 für sogenannte Low Throughput Networks erfüllt.«