Überlebenshilfen für Dinosaurier gefährden den Mittelstand

23. März 2009, 14:31 Uhr | Engelbert Hopf, Markt&Technik
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Krisenzeiten sind auch immer Outsourcing-Zeiten. Unterstützungspakete für die Großindustrie könnten sich deshalb negativ auf den Mittelstand auswirken. Gestärkt durch höhere Eigenkapitalquoten, nutzt der Mittelstand die Krise derzeit gezielt als Chance, um sich mit hoch qualifizierten Mitarbeitern zu verstärken.

»Das Einzige, was derzeit sicher gestützt werden muss, sind die Banken«, darüber waren sich die Teilnehmer des Mittelstandsforums der Markt&Technik einig. Von Förderprogrammen für die Großindustrie halten Eigentümer und Manager mittelständischer Elektronikunternehmen dagegen wenig. Die Hoffnung der Politik, die Mittel, die derzeit über die Großindustrie ausgeschüttet werden, würden über die Vernetzung mit der Zulieferbranche auch dem Mittelstand zugute kommen, teilen sie nicht.

»Die Rettung der Banken war absolut notwendig«, versichert Bernhard Huber, Business Line Manager Standard Komponents bei ZMD, »um sicherzustellen, dass das Geld weiter fließt und die Wirtschaft am Laufen gehalten wird.« Darüber hinaus sollte sich der Staat nach Ansicht von Ulrich Gehrmann, CEO und Vorstandsvorsitzender von Kontron, »so weit wie möglich aus der Wirtschaft raushalten und nur sehr selektiv eingreifen.« Schließlich, so die Diskussionsteilnehmer, »haben staatliche Rettungsmaßnahmen, wie etwa im Fall Holzmann, eigentlich nie geklappt.«

Ein klares Kriterium für die Unterscheidung, ob staatliche Förderung ja oder nein, gibt es für Christof Zollitsch, Geschäftsführer von Stemmer Imaging: »Geht es darum, einen Markt zu stützten, der nur virtuell aufgebläht war und der auf normales Produktionsniveau zurückgeführt werden muss – wie im Fall des Automobilmarktes – oder geht es darum, Märkte aus einem spezifisch europäisch-nationalen Interesse heraus zu unterstützen – wie es etwa bei der europäischen Halbleiterindustrie?«

Aus dem Dotcom-Crash hat der Mittelstand der deutschen Elektronikbranche für Michael Mitezki, Geschäftsführer der Phytec Messtechnik, die richtigen Konsequenzen gezogen, um auf zukünftige Ereignisse besser vorbereitet zu sein: »Die Steigerung der Eigenkapitaldecke und die Transparenz der Unternehmensführung gegenüber den Mitarbeitern sind die entscheidenden Faktoren, die den Mittelstand heute besser durch die Krise kommen lassen als viele Großkonzerne.«

Einseitige Bevorzugung von Fremdkapital gegenüber Eigenkapital

Als grundlegendes, ordnungspolitisches Problem sieht Lothar Lauterbach, General Manager Lauterbach Datentechnik, die einseitige Bevorzugung von Fremdkapital gegenüber dem Eigenkapital: »Das hat dazu geführt, dass alle stillen Reserven rausgekehrt wurden, und mittelsständische, börsennotierte Unternehmen heute, wenn zwei Wochen lang der Umsatz ausfällt, mit dem Rücken zur Wand stehen«.

Hans Knürr, Advisor to Entrepreneurs, sieht die größte Gefahr nicht nur für den Mittelstand in der aktuellen Situation darin, »dass wir uns durch staatliche Einschnitte die Freiheiten nehmen, die uns in der Vergangenheit stark gemacht haben«. Zudem müsse man lernen zu akzeptieren, dass Marktwirtschaft auch grausam sein kann, »vielleicht können nicht alle dem Wettbewerb bestehen, aber Ausfilterungsprozesse gibt es auch in Phasen der Hochkonjunktur«.

Einig sind sich die Vertreter des Mittelstands der deutschen Elektronikindustrie in ihrer Forderung an die Politik, sich bei ihren Unterstützungsmaßnahmen nicht nur darauf zu beschränken, Dinosaurier am Leben zu erhalten, sondern vor allem auf zukunftsfähige Unternehmen und Branchenbereiche zu setzen. Dass dies in einem Wahljahr nicht immer ganz leicht sein dürfte, ist den Diskussionsteilnehmern klar.