Studie von Deloitte

Auf die Chipkrise folgt der Fachkräftemangel

2. Februar 2022, 07:30 Uhr | Ralf Higgelke
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Weltweit haben Chiphersteller große Investitionen in neue Fabriken angekündigt, um der Chipkrise zu beenden. Dadurch öffnet sich aber eine neue Schere: Um nur den dringlichsten Fachkräftebedarf für die neuen Fabs zu decken, sind zigtausende zusätzliche Arbeitskräfte nötig.

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Weiterbildung als Lösung

Eightfold.ai, Skill Shortage
Eine Studie von Eightfold.ai fand mehrere Bereiche, in denen Fachkräfte im Chipsektor weiter- oder umgeschult werden müssen.
© Eightfold.ai

Die Studie von Eightfold.ai fand mehrere Bereiche, in denen die Arbeitnehmer weiter- oder umgeschult werden müssen. Nebenstehendes Bild zeigt nicht nur eine Anzahl an Arbeitsplätzen in der Branche, die durch die Technologie zunehmend überflüssig werden, sondern auch die Bereiche, in denen Personal weitergebildet werden muss.

Einer der größten Engpässe in der Branche betrifft auch Wissenschaftler. In China steigt der Bedarf an Akademikern weiter. Auch das Durchschnittsgehalt in der chinesischen Halbleiterindustrie ist bis 2021 um neun Prozent gestiegen – und das mitten in dem anhaltenden Handelskonflikt zwischen China und den USA.

Um diese Lücke zu schließen, hat die Peking University eine School of Integrated Circuits eingerichtet, um Ingenieure und Techniker für die Chipindustrie auszubilden. Zu den anderen Universitäten, die sich an Pekings Bestrebungen beteiligen, die Autarkie im Halbleiterbereich zu erhöhen, gehören die Tsinghua-Universität, die im April 2021 ebenfalls eine School of Integrated Circuits einrichtete, sowie die Shenzhen Technology University (STU). Die STU hat in Zusammenarbeit mit SMIC, Chinas größter Chip-Foundry, eine auf integrierte Schaltkreise spezialisierte Akademie eingerichtet.

In Taiwan wurde ein Gesetz verabschiedet, um Innovation und Bildung in Hightech-Sektoren wie Halbleitern zu fördern. Dies führte dazu, dass mehrere taiwanesische Universitäten gemeinsam mit Unternehmen wie TSMC spezialisierte Halbleiterhochschulen gründeten. In Malaysia wird Micron Technologies mit einer lokalen Universität zusammenarbeiten, um mehr Kompetenzen im Bereich der Halbleiter zu entwickeln sowie Forschung und Entwicklung in diesem Bereich zu betreiben.

Zu den weiteren Programmen gehört die SEMI Foundation, ein gemeinnütziger Arm der SEMI, des weltweit größten technologieorientierten, gemeinnützigen Industrieverbands. Dieser verbindet über 2400 Mitgliedsunternehmen und 1,3 Millionen Fachleute weltweit. Die SEMI Foundation unterstützt die Weiterbildung von Fachkräften in der Halbleiterindustrie.

Da Regierungen, Chipfirmen und Technologieunternehmen mit Hochschulen und Universitäten zusammenarbeiten, um mehr Talente in der Halbleiterbranche weiterzubilden, umzuschulen und auszubilden, stellt sich jetzt nur noch die Frage, ob es ihnen gelingen wird, neue Talente für die Branche zu gewinnen.

Im Allgemeinen zahlt die Halbleiterindustrie qualifizierten Arbeitnehmern ein üppiges Gehaltspaket. Vielleicht muss sie jetzt nur noch Wege finden, um mehr Menschen für diesen Bereich zu gewinnen und die vorhandenen Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Auch wenn die Technik die Prozesse automatisieren und die Arbeitsbelastung erleichtern kann, dürfte es möglich sein, diese Lücke zu schließen, aber es dürfte einige Zeit dauern, bis dieses Ziel erreicht ist.


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