Global Data Center Survey

KI treibt den Kühlbedarf in Rechenzentren nach oben

30. Juli 2026, 13:39 Uhr | Corinne Schindlbeck
Durchschnittliche Rackdichten
© Uptime Institute 2026

Die Uptime-Studie 2026 zeigt: KI verändert die Rechenzentrumsbranche derzeit stärker als jede andere technologische Entwicklung. Während Unternehmen weltweit Milliarden in neue GPU-Cluster investieren, steigen gleichzeitig die Anforderungen an Energieversorgung, Gebäudetechnik - und Kühlung.

Diesen Artikel anhören

Die Global Data Center Survey wird seit 16 Jahren jährlich vom Uptime Institute durchgeführt und gilt als eine der weltweit umfassendsten Erhebungen zum Betrieb von Rechenzentren. Für die Ausgabe 2026 wurden mehr als 800 Betreiber sowie zusätzlich über 800 Hersteller und Berater befragt; die veröffentlichten Kernergebnisse basieren auf den Antworten der Betreiber.

Das Uptime Institute hat seine neue Studie nun in einem Webinar erläutert. Fazit: Betreiber müssen heute zwei sehr unterschiedliche Infrastrukturszenarien beherrschen: klassische Unternehmensrechenzentren mit moderaten Leistungsdichten und hochverdichtete KI-Installationen mit deutlich höheren Anforderungen an Stromversorgung und Wärmeabfuhr.

KI treibt die Leistungsdichten nach oben

Die Leistungsdichte in Rechenzentren steigt weiter. Erstmals überschreitet die typische Rack-Leistungsdichte in der Uptime-Erhebung die Marke von 11 kW. Dieser Wert wird allerdings von einer vergleichsweise kleinen Zahl neuer KI- und HPC-Standorte beeinflusst. Ohne diese Hochleistungsanlagen läge der Durchschnitt bei lediglich 7,8 kW. Die am häufigsten anzutreffende Rackklasse bleibt weiterhin bei 4 bis 5 kW.

Im Webinar erläuterte Chris Brown, Technology Director beim Uptime Institute, dass Planer zwar zunehmend mit Szenarien von deutlich über 100 kW pro Rack konfrontiert würden. Solche Extremwerte seien bislang jedoch selten. Häufiger seien heute Leistungsdichten im Bereich von 40 bis 60 kW bei KI- und HPC-Anwendungen.

Für Betreiber ergibt sich daraus eine schwierige Planungsaufgabe. Einerseits müssen neue Rechenzentren für deutlich höhere Leistungsdichten vorbereitet werden. Andererseits besteht ein großer Teil der installierten IT weiterhin aus klassischen Enterprise-Workloads, die wesentlich geringere Anforderungen an Stromversorgung und Kühlung stellen. Wer heute ausschließlich auf Extremwerte auslegt, riskiert Überkapazitäten und hohe Investitionskosten.

Kühlung rückt in den Mittelpunkt der Infrastrukturplanung

Mit steigenden Leistungsdichten gewinnt die Kühlung eine neue strategische Bedeutung. Jede zusätzliche elektrische Leistung wird letztlich als Wärme freigesetzt und muss zuverlässig abgeführt werden. Stromversorgung bleibt zwar die Grundlage jeder Rechenzentrumsinfrastruktur. Gleichzeitig macht der KI-Ausbau deutlich, dass Stromversorgung und Kühlung künftig noch enger zusammengedacht werden müssen.

Nach Einschätzung des Uptime Institute entstehen derzeit zwei Infrastrukturwelten: Auf der einen Seite klassische Enterprise-Rechenzentren, auf der anderen KI-Trainingscluster und sogenannte AI Factories mit erheblich höheren Leistungs- und Kühlanforderungen. Für Betreiber und Colocation-Anbieter wird die Kapazitätsplanung dadurch deutlich anspruchsvoller. Viele Projekte setzen deshalb auf modulare Ausbaukonzepte, die sich an unterschiedliche Leistungsdichten anpassen lassen.

Neue Kühlkonzepte gewinnen an Bedeutung

Mit steigenden Wärmelasten geraten herkömmliche Kühlkonzepte zunehmend unter Druck. Im Webinar verwies Uptime auf Flüssigkeitskühlung als eine wichtige Entwicklung für besonders leistungsdichte KI-Systeme. Eine Marktanalyse der verschiedenen Kühlverfahren liefert die Studie zwar nicht. Deutlich wird jedoch, dass Betreiber ihre Infrastruktur künftig flexibler auf unterschiedliche Leistungsanforderungen auslegen müssen.

Dabei geht es nicht allein um höhere Kühlleistung. Neue Kühlkonzepte beeinflussen auch Gebäudeplanung, Rohrleitungsinfrastruktur, Wartung und Betrieb. Die Kühlung entwickelt sich damit zunehmend von einer klassischen Gebäudefunktion zu einem integralen Bestandteil der IT-Infrastruktur.

Energieeffizienz bleibt ein zentrales Ziel

Die Zeit großer PUE-Sprünge scheint vorbei. Zwar verbessert sich die Energieeffizienz neuer Rechenzentren weiter, insgesamt fallen die Fortschritte jedoch deutlich kleiner aus als noch vor einigen Jahren. Uptime führt das vor allem auf den hohen Anteil bestehender Rechenzentren und bereits weitgehend ausgeschöpfte Optimierungspotenziale zurück. Frühere Verbesserungen wurden vor allem durch optimierte Betriebsprozesse, höhere zulässige Servereintrittstemperaturen sowie Kalt- und Warmgangeinhausungen erreicht. Heute bremsen vor allem Bestandsrechenzentren den weiteren Fortschritt.

Gerade deshalb gewinnt die Kühlung zusätzlich an Bedeutung. Sie entscheidet nicht nur über die Betriebssicherheit hochverdichteter KI-Systeme, sondern zunehmend auch über deren Energieeffizienz.

Höhere Wärmelasten erhöhen die Anforderungen an den Betrieb

Die Zuverlässigkeit der Rechenzentren verbessert sich zwar weiter. Zum sechsten Mal in Folge ist der Anteil der Betreiber gesunken, die innerhalb der vergangenen drei Jahre einen relevanten Ausfall gemeldet haben. Gleichzeitig warnt Uptime davor, diesen Trend als selbstverständlich anzusehen. Stromversorgungsprobleme bleiben die häufigste Ursache schwerer Störungen. Mit steigenden Rackdichten dürfte jedoch auch die Kühlung als Risikofaktor an Bedeutung gewinnen. Höhere Wärmelasten, steigende Außentemperaturen und teilweise ältere Bestandsgebäude erhöhen die Anforderungen an Planung und Betrieb.

Schwere Ausfälle entstehen nach Einschätzung des Uptime Institute meist nicht durch einen einzelnen technischen Defekt, sondern durch das Zusammenwirken mehrerer technischer und organisatorischer Fehler. Redundanz, klare Betriebsprozesse und qualifiziertes Personal bleiben deshalb entscheidende Voraussetzungen für einen sicheren Rechenzentrumsbetrieb.

Ohne Fachkräfte keine leistungsfähigen Kühlsysteme

Die technische Entwicklung verschärft zugleich den Fachkräftemangel. 53 Prozent der Betreiber berichten inzwischen von Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Besonders gefragt sind Fachkräfte mit elektrotechnischem Know-how, gleichzeitig steigt aber auch der Bedarf an Spezialisten, die komplexe Infrastruktur- und Kühlsysteme planen, errichten und betreiben können. Uptime empfiehlt deshalb unter anderem den Ausbau strukturierter Ausbildungs- und Mentoringprogramme.

Kühlung wird zum strategischen Erfolgsfaktor

Die neue Studie macht deutlich, dass der KI-Ausbau weit mehr verändert als die eingesetzte Servertechnik. Höhere Leistungsdichten wirken sich auf Stromversorgung, Gebäudeplanung, Kühlung und Betrieb gleichermaßen aus. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Energieeffizienz, Resilienz und Nachhaltigkeit.

Das zeigt einen grundlegenden Wandel der Infrastrukturplanung: Strom bleibt die zentrale Voraussetzung für den Betrieb moderner Rechenzentren. Mit dem Ausbau KI-gestützter Anwendungen wird jedoch die Fähigkeit, immer höhere Wärmelasten sicher und effizient zu beherrschen, zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Für Betreiber bedeutet das, Kühlung künftig nicht mehr nur als unterstützende Gebäudetechnik zu betrachten, sondern als strategischen Bestandteil moderner Rechenzentrumsinfrastrukturen.

passend zum Thema


Lesen Sie mehr zum Thema