Tempo machen mit KI

Schlüsselfaktoren für neue Rechenzentren

2. April 2026, 10:22 Uhr | Corinne Schindlbeck
© Martin Rettenberger/stock.adobe.com

Laut Schätzungen von McKinsey sind bis 2030 weltweit Investitionen von rund sieben Billionen US-Dollar für Rechenzentren nötig. Davon entfallen geschätzte bis zu 1,9 Billionen US-Dollar auf die Baukosten - nach den Ausgaben für Server die zweitgrößte Kostenposition. Lässt sich das optimieren?

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Johan Rauer, Partner im Münchner Büro von McKinsey.
»Es ist durchaus möglich, die Zeit vom ersten Spatenstich bis zur Betriebsbereitschaft um 10 bis 15 Prozent zu verkürzen«, erklärt Johan Rauer, Partner im Münchner Büro von McKinsey.
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»Es ist durchaus möglich, die Zeit vom ersten Spatenstich bis zur Betriebsbereitschaft um 10 bis 15 Prozent zu verkürzen«, erklärt Johan Rauer, Partner im Münchner Büro von McKinsey. Dabei helfen sollen KI-gestützte Tools zur Terminierung von Prozessen. 

Rauer nennt das sogenannte ,Generative Scheduling‘: »Mithilfe von Advanced Analytics und KI können Millionen von möglichen Projektplänen auf Basis von Projektumfang, Logikregeln, Einschränkungen und Ressourcenverfügbarkeit generiert und bewertet werden«, erläutert Rauer. Ausgewählt werden schließlich die Zeitpläne, die ein gewähltes Ziel am besten erfüllen – gemäß Dauer, Kosten oder Ressourceneinsatz.

Laut den Analysen von McKinsey können aber noch vier weitere Hebel den Bau von Rechenzentren beschleunigen:

  1. Frühe Standortsicherung, Machbarkeitsstudien und das Vorhalten von Grundstücken machen Zeitpläne realistisch bezüglich Wirtschaftlichkeit, Lage und Stromverfügbarkeit. Das Risiko kostspieliger Verzögerungen sinkt.
  2. Designs zu standardisieren ist zu einem zentralen Treiber für Bautempo und Kapitaleffizienz geworden. Modulare Bauweisen sind für Rohbau, Mechanik, Elektrik und Ausführungsabläufen einsetzbar.
  3. Kritische Ausrüstung wie Generatoren, Transformatoren und Schaltanlagen haben Vorlaufzeiten von 12 bis 24 Monaten oder länger. Wer solche Komponenten nicht erst unmittelbar vor Baubeginn beschafft, muss zwar frühzeitig Kapital einsetzen, vermeidet aber Engpässe in der Lieferkette und schwerwiegende Bauverzögerungen.
  4. Langfristige Partnerschaften mit einer kleinen Gruppe ausgewählter Auftragnehmer einzugehen, verkürzt die Zeit bis zur Markteinführung deutlich. Die Partner werden schon in den Planungsprozess eingebunden, Risiko wie Erfolg von Anfang an geteilt. Mit dem Erreichen von Meilensteinen oder einer vorzeitigen Fertigstellung kann man gezielt Anreize verknüpfen.

Eine der wichtigsten Zielgrößen in der Rechenzentrumsbranche besteht dabei in den Kosten pro Megawatt. Mit dem sogenannten Sollkostenmodell hat McKinsey bei Großprojekten laut eigenen Angaben Einsparpotenziale von bis zu 20 Prozent realisiert. Konstruktionsvorgaben werden dabei präzisiert, Konditionen für Lieferanten neu verhandelt oder die Ausgaben anhand externer Benchmarks überprüft.

Neue Chancen für Zulieferer

Was den Bau von Rechenzentren allerdings bremsen kann, sind die konventionell gestalteten Betriebsmodelle vieler Industrieausrüster, die bisher die Schlüsselkomponenten in der Rechenzentrum-Lieferkette bereitstellen.

Die Modelle wurden für lange Planungszyklen und die vorhersehbare Nachfrage von Versorgungsunternehmen aufgesetzt, auf die heutigen Anforderungen an Geschwindigkeit und Größenordnung sind sie nicht ausgerichtet. Wie sollen diese Zulieferer nun die Designs für Rechenzentren jährlich oder in noch kürzerer Taktung erneuern?

»Für deutsche Unternehmen, die sich für diesen Markt neu aufstellen wollen, kommt es im Wesentlichen auf drei Kernkompetenzen an«, sagt McKinsey-Experte Rauer »Ein ingenieurorientiertes Organisationsmodell, die Produktentwicklung auf Systemebene sowie strategische Ausgaben für die Qualifizierung. Vorausschauende Akteure investieren in digitale Tools und vereinfachen ihre Designs, um die Produktion zu beschleunigen und den Output zu steigern.« 

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