Laut Schätzungen von McKinsey sind bis 2030 weltweit Investitionen von rund sieben Billionen US-Dollar für Rechenzentren nötig. Davon entfallen geschätzte bis zu 1,9 Billionen US-Dollar auf die Baukosten - nach den Ausgaben für Server die zweitgrößte Kostenposition. Lässt sich das optimieren?
»Es ist durchaus möglich, die Zeit vom ersten Spatenstich bis zur Betriebsbereitschaft um 10 bis 15 Prozent zu verkürzen«, erklärt Johan Rauer, Partner im Münchner Büro von McKinsey. Dabei helfen sollen KI-gestützte Tools zur Terminierung von Prozessen.
Rauer nennt das sogenannte ,Generative Scheduling‘: »Mithilfe von Advanced Analytics und KI können Millionen von möglichen Projektplänen auf Basis von Projektumfang, Logikregeln, Einschränkungen und Ressourcenverfügbarkeit generiert und bewertet werden«, erläutert Rauer. Ausgewählt werden schließlich die Zeitpläne, die ein gewähltes Ziel am besten erfüllen – gemäß Dauer, Kosten oder Ressourceneinsatz.
Laut den Analysen von McKinsey können aber noch vier weitere Hebel den Bau von Rechenzentren beschleunigen:
Eine der wichtigsten Zielgrößen in der Rechenzentrumsbranche besteht dabei in den Kosten pro Megawatt. Mit dem sogenannten Sollkostenmodell hat McKinsey bei Großprojekten laut eigenen Angaben Einsparpotenziale von bis zu 20 Prozent realisiert. Konstruktionsvorgaben werden dabei präzisiert, Konditionen für Lieferanten neu verhandelt oder die Ausgaben anhand externer Benchmarks überprüft.
Was den Bau von Rechenzentren allerdings bremsen kann, sind die konventionell gestalteten Betriebsmodelle vieler Industrieausrüster, die bisher die Schlüsselkomponenten in der Rechenzentrum-Lieferkette bereitstellen.
Die Modelle wurden für lange Planungszyklen und die vorhersehbare Nachfrage von Versorgungsunternehmen aufgesetzt, auf die heutigen Anforderungen an Geschwindigkeit und Größenordnung sind sie nicht ausgerichtet. Wie sollen diese Zulieferer nun die Designs für Rechenzentren jährlich oder in noch kürzerer Taktung erneuern?
»Für deutsche Unternehmen, die sich für diesen Markt neu aufstellen wollen, kommt es im Wesentlichen auf drei Kernkompetenzen an«, sagt McKinsey-Experte Rauer »Ein ingenieurorientiertes Organisationsmodell, die Produktentwicklung auf Systemebene sowie strategische Ausgaben für die Qualifizierung. Vorausschauende Akteure investieren in digitale Tools und vereinfachen ihre Designs, um die Produktion zu beschleunigen und den Output zu steigern.«