Vom Telefax zur Videokonferenz

Wie sich die redaktionelle Arbeit verändert hat

25. Juni 2026, 06:43 Uhr | Engelbert Hopf, Heinz Arnold, Iris Stroh
Grafische Darstellung alter Technologien: Computer, Fax, Floppy-Disk
© Adobe Stock/muh

Was haben rauchende Redaktionssitzungen, Telex-Geräte und kindersarggroße Kartons gemeinsam? Sie alle gehören zur Geschichte der Markt&Technik. Drei Redakteure erinnern sich an fast 40 bewegte Jahre.

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Zusammen kommen wir, Iris Stroh, Heinz Arnold und Engelbert Hopf, auf über 110 Jahre Redaktionserfahrung bei der Markt&Technik. Auch einzeln betrachtet, sind das immer noch knapp vier Jahrzehnte, in denen sich in der redaktionellen Arbeit viel verändert hat – auch im Umgang mit Journalisten.

Als einzige Wochenzeitung im B2B-Bereich der Elektronikbranche hatte sich die Markt&Technik innerhalb kürzester Zeit als Branchenführer etabliert, und mit diesem Anspruch gingen wir unserer Arbeit nach. Ohne allzu sehr in der Vergangenheit zu schwelgen, das Leben als Redakteur bzw. Redakteurin unterschied sich doch etwas von dem der letzten Jahre. So war die Redaktion Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre fest in fränkischer Hand. Wohl knapp die Hälfte des Redaktions-Team kam damals aus dem Frankenland. Und bis Ende der 1980er Jahre waren Frauen als Fachredakteurinnen im Bereich professioneller Elektronik eher die Ausnahme.

Vor knapp 40 Jahren war die Markt&Technik-Redaktion vor allem eine Ansammlung von Twenty-Somethings. Die Zahl der »Älteren« und »Verheirateten« ließ sich an einer Hand abzählen. Geleitet wurde die Redaktion zu jener Zeit von Roland R. Ackermann, der als Ältester mit seinem markanten Schnurrbart einen Gegenpol zur fast »jugendlichen« Rasselbande der Redaktion bildete.

Engelbert Hopf

Engelbert Hopf in noch »jungen Jahren«

© WEKA Fachmedien

Von den Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1976 war niemand mehr in der Redaktion. Schließlich galt die Markt&Technik damals als “Durchlauferhitzer” der Branche. Zahlreiche andere Redaktionen bedienten sich hier, ebenso Agenturen, manch einer wechselte als Pressesprecher auf die andere Seite des Schreibtisches oder versuchte sein Glück im Marketing international expandierender Unternehmen.

Typisch für die frühen Jahre waren Redaktionssitzungen, bei denen 95 Prozent der knapp zwei Dutzend Teilnehmer rauchten. Der Volksentscheid »Nichtraucherschutz« fand erst im Juli 2010 in Bayern statt. Seither hat sich einiges geändert, Raucher findet man inzwischen unter Kollegen und Kolleginnen fast keine mehr. Schon deutlich früher hat sich aber etwas anderes geändert. Spätestens Mitte der 1990er Jahre waren Männer in der Redaktion zum Minderheitengeschlecht geworden.

Wichtigstes Arbeitsgerät für Journalisten war seit Gründung der Markt&Technik das Telefon. Marktrecherchen wurden aber auch mittels postalischer Umfragen durchgeführt. Auch das Fax-Gerät war durchaus beliebt. Die ersten Fragebögen für unsere Marktübersichten wurden per Telex verschickt. Hier war die Erleichterung groß, als diese Technik abgeschafft wurde, denn der Krach eines solchen Gerätes war schon sehr störend, weshalb es in den Flur verbannt wurde. Die armen Mitarbeiter, die dieses Gerät im Winter bedienen mussten, saßen im Wintermantel in der Kälte. Das änderte sich, als ab 1993/94 das Internet Einzug hielt, und unsere Ansprechpartner in der Branche nicht mehr nur per Telefon, sondern auch per E-Mail ansprechbar waren.

Heinz Arnold

Heinz Arnold in einer typischen Arbeitshaltung

© WEKA Fachmedien

Was seit den Zeiten der Pandemie auch kaum noch vorstellbar ist, in welchem Umfang Pressekonferenzen stattfanden. Den Unternehmen ging es gut. Wer also etwas mitzuteilen hatte, und das hatten viele, lud die Presse ein. Waren in den 1970er und 1980er Jahren Einladungen in die USA so etwas wie der Ritterschlag für M&T-Redakteure, veränderte die etwa ab 1995 beginnende Dotcom-Ära so einiges. Durch die schnelle Verbreitung des Internets und neuer Geschäftsmodelle schossen internetbasierte Unternehmen – Dotcoms – wie Pilze aus dem Boden. Geld schien in der New Economy keine Rolle mehr zu spielen.

Manchmal wurde in der Redaktion Ende der 1990er Jahre jemand verzweifelt gesucht, der bereit war, ein Wochenende in Athen, Rom, oder Madrid zu verbringen, um sich dort die neuesten Produkt- oder Dienstleistungsideen aus der Dotcom-Bubble erklären zu lassen. Dass Nachhaltigkeit damals keine Rolle spielte, lässt sich daran ablesen, dass zeppelinförmige Luftballons in kindersarggroßen Kartons verschickt wurden, um auf diese Weise Einladungen zu einem der erwähnten Wochenenden zu verschicken. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 ging es in der Branche dann wieder deutlich bodenständiger zu.

Iris Stroh

Kinderfoto von Iris Stroh

© WEKA Fachmedien

Ein fester Bestandteil der Markt&Technik über die Jahrzehnte hinweg waren die Foren. Roundtable-Gespräche, zu denen wir die Branche zu uns einluden, und mit ihr Face-to-Face über aktuelle technische und wirtschaftliche Trends zu diskutieren. In den 1990er und frühen 2000er-Jahren hatten die Teilnehmerfotos vor dem Gasthof Gut Keferloh eine fast ikonische Wirkung. Jeder Leser wusste, jetzt kommt ein Forumsbericht. Ein wichtiger Einschnitt war die Umstellung von Schwarz-Weiß-Fotos auf Farbfotos. Sie hat in den Anfängen nämlich oft dazu geführt, dass sich die Forumsteilnehmer bei uns beschwerten. Denn in den Anfängen sahen Personen auf Fotos oft leichenblass oder rotstichig aus. Heute ist das kein Problem mehr. Was nach 2010 allerdings schwieriger wurde: Plötzlich hatten Unternehmen Compliance-Vorgaben, die den einen oder anderen von der Teilnahme an den Forumsgesprächen abhielten. So sollte der Eindruck von Preisabsprachen vermieden werden, obwohl es in den Foren tatsächlich nur im allgemeine technische und wirtschaftliche Entwicklungen ging.

Eine besonders starke Veränderung für die gesamte Branche, aber natürlich auch für uns als Redaktion stellte die Corona-Pandemie dar. Umzug ins Home Office, Redaktionskonferenzen nur noch über das Internet, kein Face-to-Face-Kontakt mehr zur Branche. Mit dem sich anschließenden Siegeszug von Teams & Co. ist die Zahl der Presseveranstaltungen im Vergleich zur Vor-Coronazeit deutlich zurückgegangen. Den direkten Draht zu Branche pflegt die Markt&Technik natürlich weiterhin – auf allen nun verfügbaren Kanälen.


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