Hackathon in Karlsruhe Schlaflos im Museum

Programmieren, pitchen, 28 Stunden lang und ohne Schlaf: Das ist ein Hackathon. Hack & Söhne, eine von Studenten geführte gemeinnützige Organisation, hat »Open Codes«, den größten nur von Studenten organisierten Hackathon, auf die Beine gestellt.

Einen besonderen Ort hat sich die Studentengruppe für ihre Veranstaltung ausgesucht: Der Hackathon fand im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe mit 170 Teilnehmern statt. Das ZKM ist ein kleines Medienmuseum, das mit seinen regelmäßig wechselnden Ausstellungen die Brücke zwischen Kunst, Technik und Design schlägt. Hack & Söhne nennt den Wettbewerb Hacktival, quasi Hackerfestival. Aus gutem Grund: Auf diesem Event wurde mehr geboten als reine Programmierarbeit. Neben dem Grundnahrungsmittel eines jeden Hackers, nämlich Koffein in allen Formen und Farben, gab es am Abend Cocktails und um 6 Uhr morgens eine Yoga-Stunde gegen die Schreibtischschultern. Streetfood und Elektromusik haben für Stimmung gesorgt. Die Schlaflosigkeit soll sich schließlich auszahlen.

Programmierst Du noch oder codest Du schon?

Ein Hackathon ist ein Erfinderwettbewerb, bei dem die Teilnehmer in möglichst kurzer Zeit einen Prototypen programmieren – oder wie die Profis sagen: coden – und einer Jury vorstellen. Der Name war Programm. Bei Open Codes traten Teilnehmer nicht ausschließlich aus der IT gegeneinander an. Auch Teilnehmer aus Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaft, sogar Künstler waren gerne gesehen. Am Ende zählte nur eins, die Idee musste die Jury vom Hocker reißen.

Historische Technik und Innovation vereint

Im ZKM lief während dem Hackathon die Ausstellung „Code 2“, in der die ersten Computer, wie der Kultrechner Z22 von Konrad Zuse aus dem Jahr 1957, präsentiert wurden. Die beiden Veranstaltungen waren kaum voneinander getrennt. Museumsbesucher konnten den Studenten über die Schulter schauen und sich die Pitches anhören. So wurden die Hacker Teil der Ausstellung.

And the winner is…

Nachdem die Hacker die ganze Nacht durchprogrammiert haben, konnten sie ihre Entwürfe am Nachmittag den Juroren vorstellen. Jeder dieser Juroren beurteilte die eingereichten Ideen nach seinem Fachgebiet und wählte einen Sieger in seiner jeweiligen Kategorie. Die Sieger der einzelnen Kategorien hatten dann nur eine Stunde, um ihren finalen Pitch vorzubereiten. Der wurde einer Gesamtjury fachübergreifend auf der Bühne präsentiert. Pitches durften keine Sekunde länger als zwei Minuten dauern, sollten aber kreativ und unterhaltsam sein. Gleich im Anschluss wurde der finale Sieger gekürt.

Dieses Mal hat „Rolling 5G“ gewonnen. Die Gruppe hat einen Algorithmus geschrieben, der basierend auf Lidar-Satellitendaten (Light Detection and Ranging) die Position von 5G- Antennen optimiert und so deren Anzahl reduziert. Die Kostenersparnis hat die Jury überzeugt. Dem Gewinnerteam des „Open Codes Hacktivals“ winkte ein Preisgeld von 3000 Euro, die Zweit- und Drittplatzierten erhielten 1500 Euro beziehungsweise 1000 Euro.

Twitter-Filterblasen zerstören

Eine der vielen, spannenden Ideen war der Versuch einer Gruppe, die Twitter-Filterblase zu zerstören. Im Prinzip soll ein Algorithmus Kontakt- und Interessensvorschläge von Twitter beeinflussen und über die eigentliche Blase hinaus „springen“, sodass ein neuer Vorschlag in einem anderen Interessensgebiet weitere Wellen schlagen kann und die Blase auflöst. Im Ergebnis würde ein User also nicht nur neue Interessensgebiete erkunden können, sondern seine Follower würden die gleichen wahrnehmen und ebenfalls ihre Gebiete erweitern können.

Unendlich viele Ideen kamen an dem Wochenende in Karlsruhe unter hunderten Hackern zustande. Nicht jedes Projekt hat gewonnen, doch wurden zahlreiche Kontakte geknüpft, um die Projekte weiter zu verfolgen.

Weiter geht’s hier mit einem Interview mit einem Hacker, der mitten drin und dabei war.

Bilder: 8

Das war das Hacktival in Karlsruhe

Der größte nur von Studenten organisierte Hackathon.Hier sind die Bilder!