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Deutschland gründet schneller als USA

Gründungen beruhen selten auf radikalen Innovationen

13. August 2020, 08:33 Uhr   |  Selina Doulah

Gründungen beruhen selten auf radikalen Innovationen
© Pixabay

Insgesamt dauert es in den untersuchten Branchen hierzulande im Durchschnitt rund 29 Monate, bis aus einer Idee ein Unternehmen entsteht.

Gründungsprozesse in den Branchen Alternative Energien und Informationstechnologien verlaufen in Deutschland schneller als in den USA. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Gründenden in Deutschland, USA, Italien und Großbritannien des IfM Bonn und der Universität Utrecht.

»Offenkundig wagen es Gründende hierzulande erst, eine sichere Beschäftigung aufzugeben, wenn ihre Gründungsidee bereits relativ ausgereift ist. Daher scheinen sie bei der späteren Umsetzung ihres Gründungsvorhabens auf weniger Hemmnisse zu stoßen, wodurch letztlich der Gründungsprozess von Anfang an beschleunigt wird«, erläutert Dr. Nadine Schlömer-Laufen das Studienergebnis, dass Gründungsprozesse in den Branchen Alternative Energien und Informationstechnologie in Deutschland schneller verlaufen als in den USA. Die IfM-Wissenschaftlerin hat gemeinsam mit Associate Prof. Dr. Andrea Herrmann (Universität Utrecht) das Forschungsprojekt »Von der Idee bis zum Gewinn – eine empirische Analyse der Entwicklungsprozesse von Neugründungen« geleitet.

Von der Idee zum eigenen Unternehmen in 29 Monaten

Insgesamt dauert es in den untersuchten Branchen hierzulande im Durchschnitt rund 29 Monate, bis aus einer Idee ein Unternehmen entsteht, das substanzielle Gewinne erwirtschaftet: Davon entfallen durchschnittlich ungefähr 12 Monate auf die Vorgründungsphase, 6 Monate auf die Realisierungsphase und knapp 11 Monate auf die Reifungsphase.

Die Gesamtzeit der Gründung kann jedoch stark variieren: Während einige Neugründungen in den untersuchten Branchen bereits nach wenigen Monaten die Gewinnzone erreichten, dauert es in anderen Fällen mehrere Jahre. »Prinzipiell gilt: Je innovativer ein Geschäftsmodell ist, desto länger dauert der Gründungsprozess«, berichtet Dr. Nadine Schlömer-Laufen. »So weisen Gründungen, die auf radikalen Innovationen beruhen, eine fast 16 Monate längere Dauer auf als imitative Gründungen. Dies ist nicht überraschend: Schließlich benötigen radikale Innovationen meist mehr Zeit für die Marktetablierung, da die Produkte oder Dienstleistung häufig noch unbekannt sind.«

Allerdings basiert nur jede neunte Neugründung in den alternativen Energien beziehungsweise in der Informationstechnologie auf einer radikalen Innovation. Rund jede dritte Gründung beruht auf einer Verbesserung eines bestehenden Produkts oder einer Dienstleistung, jedes zweite auf einer Imitation. Die aus einer Imitation oder einer Verbesserung erwachsenden Geschäftsmodelle etablieren sich entsprechend deutlich schneller auf dem Markt als solche, die auf einer radikalen Innovation beruhen. Ihr schneller Erfolg ist ein Indiz dafür, dass der Fokus der Wirtschaftspolitik weit über die Förderung alleinig innovativer Gründungen hinausgehen sollte.

Beschleunigende Wirkung durch Krisen

»Inwieweit sich die Corona-Krise aktuell auf das Gründungsverhalten und den Gründungsprozess auswirkt, lässt sich aktuell noch nicht absehen. Zusätzliche Analysen legen nahe, dass Krisen eine beschleunigende Wirkung besitzen«, berichtet die IfM-Projektleiterin. So verkürzte sich während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in 2008/2009 der gesamte Gründungsprozess von Unternehmen im Durchschnitt um 10 Monate. Möglicherweise sind Gründende in Krisenzeiten zum Beispiel aufgrund drohender Arbeitslosigkeit eher bereit, alles auf eine Karte zu setzten und die Gründung schneller voran zu treiben. »Dieser beschleunigende Effekt könnte sich bei einigen Gründungsvorhaben jetzt auch zeigen – allerdings vermutlich nur in solchen Branchen, die nicht so stark von der Pandemie betroffen sind«, so Dr. Nadine Schlömer-Laufen.

Die Studie ist auf der Homepage des Institut für Mittelstandsforschung abrufbar. Der Policy Brief »(Krisenhafte) Einflussfaktoren auf den Gründungsprozess« mit den zusätzlichen Studienanalysen wird in Kürze veröffentlicht.

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (ifM)

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