Der Markt für Passive – Momentaufnahme

Zwei Quartale als Bestellhorizont

26. Januar 2023, 13:00 Uhr | Engelbert Hopf
Grafik Passive
© Componeers GmbH

Der Ausnahmezustand ist vorbei, aber von der Normalität des Jahres 2019 ist die Branche der passiven Bauelemente noch weit entfernt. So haben sich die Lieferzeiten für Standardprodukte häufig gegenüber 2021 fast halbiert, aber es gibt immer noch Produktgruppen mit verlängerte Lieferzeiten.

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Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht fürchten« – dieses Zitat aus Sun Tzus »Die Kunst des Krieges« lässt sich nahtlos auf den Markt für passive Bauelemente übertragen. Zu Beginn des vierten Jahres der Corona-Pandemie haben die damit verbundenen Herausforderungen ihren Schrecken für die Branche verloren. Man kennt den Gegner, man hat sich auf ihn eingestellt, mit Überraschungen ist nicht mehr zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Antworten in unserer aktuellen Branchenumfrage nach den Auswirkungen der abrupt veränderten chinesischen Covid-Strategie zu verstehen. Aus Sicht der Hersteller und Distributoren passiver Bauelemente wird die Branche damit in Zukunft kalkulierbarer, auch wenn sich in der ersten Phase durch den hohen aktuellen Infektionsgrad in China durchaus Schwierigkeiten in Produktionsstätten ergeben können.

So spricht etwa Annette Landschoof, Produktmanager für passive, elektromechanische Bauteile, Komponenten und Geräte bei Schukat electronic, von ersten zu beobachtenden Auswirkungen der neuen Corona-Politik in China: »Beispielsweise sind die üblichen Werkschließungen anlässlich der chinesischen Neujahrsfeiern kurzfristig teilweise um zwei Wochen vorgezogen worden oder die bestätigten Versandtermine wurden kurzfristig verschoben«.

Gerfer Alexander
Alexander Gerfer, Würth Elektronik eiSos: »Wir haben unsere Lager gut gefüllt, sodass wir im ersten Quartal 2023 mit unseren Produkten für die Kunden sehr gut verfügbar bleiben.«
© Würth Elektronik eiSos

Thomas Heel, Director Head of Sales Central Europe der Yageo-Gruppe, sieht aktuell in den eigenen Werken in China noch keine großen Einschränkungen; »andererseits gibt es Risiken in der gesamten Lieferkette durch hohe Krankenstände in produzierenden oder zuliefernden Unternehmen«. Generell, so seine Einschätzung, »überwiegt jedoch die Erwartung an eine stabilere und besser planbare Produktion in der Industrie, insbesondere sobald auch in China eine bessere Immunisierung vorhanden ist«.

»Es war sicher nicht zu erwarten, dass die chinesische Regierung von heute auf morgen so eine Kehrtwende in ihrer Corona-Politik hinlegt«, gibt sich auch Alexander Gerfer, CEO und CTO der Würth Elektronik eiSos, überrascht. »Einerseits sind wir froh, dass die Maßnahmen dort wegfallen und keine Lockdowns und Reisebeschränkungen mehr gelten. Aber die Welle, die nun vor dem anstehenden Neujahrsfest durchs Land rauscht, muss uns Sorgen machen!« Sein Unternehmen sieht er aber für die nächsten Wochen gut gerüstet: »Wir haben unsere Läger gut gefüllt, sodass wir im ersten Quartal 2023 für unsere Kunden sehr gut verfügbar bleiben.«

»Ich denke, für China war die Null-Covid-Strategie sehr teuer«, so Rüdiger Scheel, Vice President Mobility bei Murata. »Aus diesem Grund werden sie voraussichtlich von weiteren Beeinträchtigungen der Wirtschaft absehen.« Vonseiten Muratas sieht er bislang keine Probleme in den chinesischen Fabriken, »und wir erwarten dies auch nicht für die nächsten Wochen«.

Heel Thomas
Thomas Heel, Yageo-Gruppe: »Durch die schwache Entwicklung im Consumer-Markt sind Standardwiderstände weltweit gut verfügbar, bei Dünnschicht- und Power-Widerständen ist das in der Breite nicht so.«
© Yageo

Aus Sicht von Josef Vissing, President von TDK Europe, ist die aktuelle Situation in China sicher kritisch zu bewerten, »aktuell sehen wir aber keine schwerwiegenden Einschränkungen im Bereich unserer Fertigungen und der Transportlogistik«. Zwar seien die tatsächlichen Covid-Zahlen in China vermutlich sehr hoch, »doch scheinbar kommt es dort auch häufig zu einem schnellen Abklingen der Infektion«. Für Vissing lässt das hoffen, »dass es im chinesischen Markt auf Sicht wieder zu einer höheren Nachfrage kommt und sich die Belastungen von Produktion und Logistik durch den Wechsel der Corona-Strategie in Grenzen halten«.

Abgesehen von dieser aktuellen Entwicklung in China blicken die befragten Hersteller und Distributoren passiver Bauelemente fast durchweg positiv auf das Jahr 2022 zurück. »Für uns war 2022 das bislang beste in Jianghais Unternehmensgeschichte«, so Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai Europe Electronic Components, »wir waren mit dem Verlauf sehr zufrieden«.

Von einem sehr guten Jahr spricht auch Herbert Blum, Product Manager bei Schurter: »2022 bedeutete für uns aber auch einen noch größeren Auftragseingang mit entsprechend langen Lieferzeiten. Grund dafür waren fehlende Produktionskapazitäten und lange Materiallieferzeiten.«

Sehr zufrieden mit 2022 zeigt sich auch Peter Kokot, Director Technical Marketing Central Europe bei Avnet Abacus. »Der Aufwärtstrend des Jahres 2021 hat sich fortgesetzt, das Wachstum bewegte sich im zweistelligen Bereich.«

Von zweistelligen Wachstumsraten spricht auch Heel und zeigt sich erfreut darüber, dass im Gegensatz zu Prognosen der letzten Monate sich Europa und insbesondere auch die deutsche Industrie robuster verhält, als das zunächst befürchtet worden war. Dass es im Markt für passive Bauelemente trotzdem 2022 noch vielerorts zu Problemen kam, hat für ihn auch damit zu tun, dass Investitionsgüter teils überdurchschnittliche Lieferzeiten aufwiesen und dadurch viele geplante Kapazitätserweiterungen weltweit nicht in dem Maße vorangetrieben werden konnten, wie das eigentlich geplant war.

Landschoof Annette
Annette Landschoof, Schukat electronic: »Zu den weiterhin kritischen Bauteilen zählen etwa SMD-Widerstände mit AEQ-200-Zulassung oder SMD-Tantal-Kondensatoren und Alu-Elektrolytkondensatoren.«
© Schukat

Von einem durchgehend sehr stabilen Jahr 2022 spricht Uwe Reinecke, Regional Vice President Sales bei TTI Europe. Aus seiner Sicht besteht der Unterschied zu 2021 vor allem darin, »dass sich viele Kunden mit der Situation arrangiert hatten und in einen größeren Vorlauf gegangen sind«.

»Im Bereich Industrie und Distribution haben wir in Europa 2022 die Erwartungen getroffen«, so Scheel. »Im Automotive-Bereich konnten wir sie leider, bedingt durch die diversen Supply-Chain-Probleme, nicht erreichen.« Scheel weist auch darauf hin, »dass alle Marktteilnehmer nicht erwartet hatten, dass sich die Verknappung der Halbleiter von 2021 auf 2022 weiter verschärfen würde«.

Bei Harald Sauer, Director Europe bei Taiyo Yuden, fällt der Rückblick kritischer aus: »Im Wesentlichen war das Jahr 2022 schwächer als erwartet.« Auch wenn es weniger Probleme mit den Logistikketten gegeben hätte und auch weniger unerwartete Probleme etwa durch Lockdowns, »so haben doch die Auswirkungen der limitierten Verfügbarkeit von Halbleitern im letzten Jahr das operative Geschäft bestimmt«.

Mag das Jahr 2022 auch aus Sicht der Hersteller und Distributoren passiver Bauelemente positiv verlaufen sein, so könnten das manche Anwender durchaus anders gesehen haben. Für sie dürften Verfügbarkeit und Preis an erster Stelle stehen. Betrachtet man die Aussagen der befragten Spezialisten, könnte man fast den Eindruck bekommen, dass sich die Lieferzeiten binnen Jahresfrist gegenüber dem Jahresbeginn 2021 deutlich reduziert, ja fast halbiert hat.

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