Automotive-Steckverbinder: viele Risiken, große Chancen

27. April 2009, 14:51 Uhr | Corinna Puhlmann, Markt&Technik
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Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Das A und O ist R&D

Die Situation zwingt die Steckverbinderhersteller dazu, bisherige Rahmenbedingungen neu fest zu legen. »Heute bauen wir in die Verträge Rückfallsysteme ein«, beschreibt es Jürgen Keser von Radiall. »Während früher die Amortisation über den Teilepreis erfolgte, bestehen wir jetzt oftmals auf eine vertragliche Regelungen, die uns absichert, falls die Stückzahlen doch nicht in der erwarteten Höhe kommen.

Die Rest-Amortisation muss dann der Kunde tragen.« Und diese Rückfallsysteme baut man schon bei Projekten ein, die noch vergleichsweise niedrige Investitionen voraussetzen. »An solche Klauseln hat man vor zwei Jahren zum Teil noch nicht einmal gedacht«, sagt Jürgen Keser.

Ebenso geht die Branche dazu über, die Preise nicht nur an die Stückzahlen zu koppeln, sondern auch an Rohmaterialien wie Kupfer und Gold. Und man achtet penibel darauf, dass Zahlungsfristen eingehalten werden. »All das erfordert natürlich auch Fingerspitzengefühl und ist immer eine Gradwanderung«, bemerkt Richard Espertshuber von ODU Automotive. »Unser Geschäft ist viel schwieriger geworden, ganz abgesehen davon, dass es auch mehr Zeit in Anspruch nimmt.«

Das A und O ist R&D

In Forschung und Entwicklung werden die Steckverbinderhersteller trotz schwieriger Marktbedingungen weiterhin investieren. Das bekräftigen die Forumsteilnehmer. Bei ODU Automotive hat man beispielsweise neue Entwicklungsingenieure eingestellt. »Wir sind in einer speziellen Situation, weil wir noch relativ neu am Markt sind und wir in diesem Jahr die ersten Serienanläufe verzeichnen«, räumt Richard Espertshuber ein. »Der Krise versuchen wir das Positive abzugewinnen.« Ähnlich sieht das Martin Schloms von Auto-Kabel: »Gute Produkte setzen sich zu jeder Zeit durch. Im Bereich Forschung & Entwicklung sparen wir nicht.«

Derzeit verlangt der Markt beispielsweise verstärkt nach Produkten, die die Gesamtkosten reduzieren. »Man sieht heute nicht mehr nur den Komponentenpreis, sondern das Paket«, sagt Jürgen Keser von Radiall. »Mit Steckverbindern, die die Assemblierungszeit verkürzen, Qualitätsprobleme eliminieren oder logistische Vorteile bieten, lassen sich die Kunden heute mehr denn je überzeugen.«

Die Branche setzt sich daher verstärkt damit auseinander, Arbeitsprozesse beim Kunden zu vereinfachen oder zu reduzieren. Längst sehen sich die Steckverbinderhersteller nicht mehr nur als bloße Bauteile-Lieferanten. Sie sind durchaus gewillt, über Systemlösungen zu sprechen und Produkte anzubieten, die einen Mehrwert auch abseits des Produktdatenblattes bieten. »Diese Produkte sind am Markt vorhanden«, bilanziert Siegfried Braun von ITT Cannon, »nur hat sie der Kunde in den letzten zehn Jahren zum Teil nicht angenommen. Zwar fand er unsere Entwicklungen gut, die Einstiegshürde konnten wir dennoch nicht nehmen. Heute scheint uns das zu gelingen.«

Die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums:

Erik de Wit, Director Global Marketing & Sales CVI, Global Automotive Division, Tyco Electronics
Jürgen Keser, Key Account Manager Automotive, Radiall
Jürgen Reimann, Produkt Manager, Hypertac
Manuela Sprich, Division Manager Connectors, Yamaichi Electronics
Martin Schloms, Leiter Systemintegration, Auto-Kabel
Marcus Wierer, Director Global Sales, FCI Motorized Vehicles
Richard Espertshuber, General Manager, ODU Automotive
Siegfried Braun, Leiter Produktmanagement , ITT Cannon
Thomas Aurich, Leiter Unternehmenskommunikation, Delphi Deutschland
Uwe Haarscheidt, Key Account Manager, Provertha


  1. Automotive-Steckverbinder: viele Risiken, große Chancen
  2. Entwicklungen werden zielstrebiger verfolgt
  3. Das A und O ist R&D

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