Automotive-Steckverbinder: viele Risiken, große Chancen

27. April 2009, 14:51 Uhr | Corinna Puhlmann, Markt&Technik

Der Umsatz der Steckverbinder-Hersteller im Automobilsegment geht zurück, doch die Anfrage nach Entwicklungsprojekten steigt. Derzeit werden die Karten neu gemischt, denn eingefahrene Strukturen bei den OEMs brechen auf.

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Nach dem für alle erfolgreich angelaufenen Jahr 2008 kam der Einbruch spätestens zum vierten Quartal. Was sich als letzte Krise im Jahr 2001 noch sachte angekündigt hatte, brach nun schlagartig - und über die gesamte Industrie - ein. Und eines, darüber sind sich die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums einig, geht damit einher: Alte und eingefahrene Strukturen im Automobilsegment brechen auf.

»Die Entwicklungsprojekte, die wir auf dem Tisch liegen haben, waren mengenmäßig noch nie so groß und lukrativ wie heute«, berichtet Siegfried Braun von ITT Cannon. In den anderen Unternehmen sieht es größtenteils ähnlich aus. Zwar lahmt das aktuelle Geschäft und es wird weniger Geld in die Kassen gespült (viele Hersteller berichten von Umsatzeinbußen ab 30 Prozent), die nach vorne gerichteten Entwicklungsanfragen laufen aber weiterhin - und das zum Teil auf Hochtouren.

Deutsche OEMs überdenken die Strukturen neu

Jürgen Keser von Radiall stellt fest, dass vor allem die deutschen OEMs Strukturen und feste Beziehungen - andere mögen Seilschaften dazu sagen - neu überdenken. »Ich begleite das Geschäft seit neun Jahren und habe das in dieser Form noch nicht erlebt!« So stehen nun auch Türen offen, an denen einige Komponentenhersteller in den letzten Jahren noch vergeblich angeklopft hätten. Forderungen wie nach einem Resident-Ingenieur, der bei dem Automobilkunden alle Projekte über Monate hinweg begleiten soll, fallen heute deutlich leiser aus. Auch den Freigaben und Referenzen steht man »lockerer und offener« gegenüber. Grundsätzlich ist eine größere Bereitschaft bei den Einkäufern zu spüren, heute auf neue Lieferanten zuzugehen«, sagt Richard Espertshuber von ODU Automotive.

Europa ist treibend, China und USA lahmen

Treibend in der heutigen Situation sind vor allem die europäischen Automobilhersteller, die ihre R&D-Aktivitäten weiterhin forcieren. »Leider sieht es in den USA und vor allem auch in China anders aus«, berichtet Erik de Wit von Tyco Electronics. »In China ist beispielsweise die Entwicklung gestoppt.«

In Europa sind die Chancen für die Komponentenhersteller dafür umso größer. Und das kommt nicht von ungefähr: Einerseits sehen die Kunden jetzt die Notwendigkeit, Innovationen zuzulassen und voranzutreiben (allein schon aus Kostengründen), und anderseits will sich der Kunde selbst absichern.

»Auch unsere Branche bereinigt sich. Das darf man nicht vergessen. Viel Einkaufskapazität beschäftigt sich heute mit Lieferanten, die in die Insolvenz gehen«, gibt Erik de Wit von Tyco Electronics zu bedenken. Und weiter: »Der Kunde sucht nach Sicherheiten und Alternativen; und er verfolgt zunehmend eine Zwei-Lieferanten-Strategie.« Diesem Gedanken kann auch Marcus Wierer von FCI zustimmen: »Wir registrieren momentan, dass sich der Kunde absichern will. Einige Anfragen zielen nur auf Benchmarking ab; nicht immer steht ein Sourcing dahinter. Man plant für alle Eventualitäten.«


  1. Automotive-Steckverbinder: viele Risiken, große Chancen
  2. Entwicklungen werden zielstrebiger verfolgt
  3. Das A und O ist R&D

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