Entwicklungen werden zielstrebiger verfolgt
Thomas Aurich von Delphi beobachtet indessen, dass »Themen wie beispielsweise Hybrid- und Elektrofahrzeuge von den OEMs sehr zielstrebig verfolgt werden. Es ist nicht mehr so, wie es manchmal in der Vergangenheit geschah, dass Entwicklungen angeschoben wurden, aber es an der Notwendigkeit mangelte, sie bis zur Großserienreife zu Ende zu führen.« Die Industrie fokussiert sich allerorts. Und das trifft auch auf die Steckverbinderlieferanten zu. Manuela Sprich von Yamaichi Electronics: »Die Frage, die wir uns heute alle stellen, ist: Welche Projekte sind zukunftsfähig und welche sind es nicht?«
Und damit sind wir bei den Risiken. »Der Umsatz ist nicht mehr da, die Kosten aber schon«, drückt es Erik de Wit von Tyco Electronics überspitzt aus. Jetzt gilt es auch für die Komponentenhersteller, die verbliebenen Ressourcen - bei dem einen sind es mehr, bei dem anderen weniger - punktgenau und an strategisch wichtiger Stelle einzubringen. »Über den Tellerrand hinausblicken«, sagt Martin Schloms von Auto-Kabel dazu.
Die Branche nimmt längst nicht mehr jeden Auftrag an
»Wir hatten Aufträge, die wir bei uns im Haus schon extrem gefeiert hatten. Allerdings zielten die Projekte auf schwere Trucks und Pick-ups ab. Heute sehen wir, dass das vielleicht doch keine so gute Idee ist. Wir müssen uns jetzt in die Lage der OEMs versetzen und uns genau überlegen, was der Endkunde in drei bis fünf Jahren kaufen wird«, sagt Martin Schloms. Eigenes Benchmarking ist also angesagt, um das richtige Produkt für den richtigen Kunden und zur richtigen Zeit zu entwickeln.
»Im Endeffekt führt das bei uns sogar dazu, dass es uns heute leichter fällt, die Projekte auszuwählen«, bemerkt Siegfried Braun von ITT Cannon. Wir fokussieren uns stark auf unsere Kernkompetenz. »Aufträge, bei denen wir uns in eine neue Richtung wandeln und Kompromisse eingehen müssen, und unser Kunde vielleicht auch, scheiden meist von vornherein aus!« Andere Unternehmen können wiederum profitieren, wenn sie genau in diese Lücke hineinstoßen. Das ist heute eine große Chance, vor allem für die kleinen Liefanten.
Man achtet penibel darauf, dass Zahlungsfristen eingehalten werden
Eine Voraussetzung, um von der derzeitigen Situation profitieren zu können, ist das nötige Kapital. Projekte, an denen die Komponentenhersteller heute arbeiten, laufen im Automobilbereich oft erst in zwei oder drei Jahren an. »Im LKW-Segment ist das sogar noch extremer«, berichtet Erik de Wit von Tyco Electronics. »Hier entwickeln wir heute für 2012 und 2013. Und einige Kunden verlangen, dass bereits ein Jahr vor Serienstart sämtliche Werkzeuge vorhanden sind.« Vorerst fallen also nur hohe Investitionen an.