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Kommentar zur Supply Chain

"Versicherungen abschließen, bevor man sie benötigt"

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© Abels&Kemmner

Sicherheitsbeständen stellen die 20 % des Supply Chain Risk Managements dar, mit denen 80 % der Risiken abgesichert werden können. Das Drama der Lieferketten liese sich demnach relativ einfach abmildern.

Die Wirren der letzten Monate in den weltweiten Supply-Chain-Netzen, bedingt durch Corona, Unfälle in Produktionsanlagen, Frachterhavarien und Naturkatastrophen, haben nochmals verdeutlicht, dass auch die weltweit vernetzten Supply Chains sich wie ein Ökosystem verhalten. Alle Teile stehen in einer ausgeglichenen Balance zueinander.

Wegen einer Pandemie wird mit einbrechender Nachfrage gerechnet, die Kunden stornieren Aufträge und die Hersteller passen Fertigungskapazitäten nach unten an oder verkaufen ihre Kapazitäten an neue Märkte. Kommt die Nachfrage zurück, ggfs. noch mit richtig Schwung, können die Fertigungskapazitäten nicht schnell genug wieder hochgefahren werden und die Nachfrage kann nicht bedient werden. Noch ehe die Lieferanten die Rückstände wieder aufgeholt haben, brechen in einigen großen Häfen die Verladekapazitäten ein. Schiffe werden verspätet beladen und blockieren die Kais für andere Schiffe. In der Folge verspäten sich immer mehr Frachter und die Materialverfügbarkeiten gehen noch weiter zurück. Durch die verspäteten Schiffe werden langsam die Container knapp, sodass jetzt viele Häfen und Spediteure ihre Verladungsleistung senken müssen, und auf einmal kämpfen alle Märkte und alle Waren mit fehlendem Material.

Anhaltende fehlende Materialverfügbarkeit veranlasst die Einkaufsabteilungen, neue Lieferanten zu suchen und Übermengen zu bestellen.  Die übersteuerten Bestellmengen steigern die Engpässe noch weiter.

Der Peitscheneffekt ist in vollem Gange, denn auch in unseren Supply Chains ist alles mit allem verbunden, und so kann der Sack Reis, der in China umfällt, durchaus die Supply Chains der Welt verändern! Wo fängt man da an im Supply Chain Risk Management, wo hört man auf? Die eigene Lieferkette zu betrachten genügt eigentlich nicht, man kann sich aber nicht auf alle Eventualitäten des Weltgeschehens einstellen!

Was wir jedoch alle tun können und alle tun müssen, ist, auf breiter Front mehr Versorgungssicherheit in unsere Bestandsstufen einzubringen. Richtig berechnete Sicherheitsbestände, die dann auch tatsächlich aufgebaut werden, können viel zur Dämpfung steigernder Nachfrageeffekte und verspäteter Materiallieferungen beitragen. Wie man Versicherungen abschließen muss, bevor man sie benötigt, so müssen Sicherheitsbestände in den Zeiten aufgebaut und erhalten werden, in denen sie noch nicht benötigt werden. In der Praxis fehlt es nach meiner Erfahrung daran häufig. Sicherheitsbestände werden geschätzt oder per Bauch gesetzt und dann in vielen Fällen nicht aufgebaut. Natürlich kann man mit Sicherheitsbeständen keine 18 Monate Pandemie überbrücken. Aber sie stellen die 20 % des Supply Chain Risk Managements dar, mit denen 80 % der Risiken abgesichert werden können.

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